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Blau-Weiss-Blätter · 1924-01-01 · 6 (1.1924) · page 9

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1923-1924) Neue Folge
Issue
6 (1.1924)
Date
1924-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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II. Die Gemeinschaftsform der. Korporation ist mit einer bestimmten geistigen Haltung ihrer persönlichen Träger verknüpft, über die hier einiges gesagt werden muß. In ihren Forderungen und Gegebenheiten stellt sie durchaus etwas Nicht-Selbstverständliches und Neues dar. Dieses Neue wird wesentlich darin bestehen, daß die Korporationen eben doch bereits von Anfang an der Ausdruck einer reiferen, männlicheren Entwicklungsstufe unserer Menschen sein werden und damit in einen gewissen bewußten, nötigenfalls ruhig auch einmal zu betonenden Gegensatze eintreten müssen zu der Forn^des Wanderbundes von heute. Die Tatsache, daß die Korporationen überhaupt das große Neue des gesamten Bundes einschließlich der Wanderbünde darstellen, macht sie nun aber im gegenwärtigen Stadium zum entscheidenden Exponenten der Entwicklung des Gesamtbundes, und hierin liegt die aktuelle Bedeutung der Frage nach der geistigen Haltung der Menschen der Korporationen, weil diese Frage sich zum erheblichen Teil darbietet als Gegenüberstellung der geistigen Haltung im Bunde von gestern (reiner Wanderbund) und in dem von morgen (Korporation). Die geistige Haltung in der Korporation unterscheidet sich von der bisherigen sehr wesentlich nicht nur, weil die Korporation einfach etwas anderes ist als der Wanderbund, sondern weil ihr im Bunde von gestern Mängel anhaften. Man muß sie als solche erkannt haben, auch wenn man sie vom subjektiven Standpunkt der Bundesentwicklung aus für eine bestimmte Epoche für geschichtlich notwendig und fruchtbar hält. Da ich nun glaube, daß es die geschichtliche Aufgabe der Korporationen sein muß, diese bisherige Haltung zu überwinden, will ich im folgenden zunächst versuchen eine kritische Darstellung des bisherigen Zustandes zu geben. (Wenn ich damit heute bereits offene Türen einrenne, umso besser!) Es war von jeher eine Eigentümlichkeit des Blau-Weiß, daß das zionistische Motiverlebnis seiner Menschen (im Gegensatz etwa zu denen des älteren KJV odnr auch zu Scholem usw.) primär nicht in einer Sphäre intellektueller Entscheidungen lag, sondern daß ihr Verhältnis zur zionistische» Idee in dem realen Leben ihrer Gemeinschaft seine wesentliche Wurzel fand. Wenn trotzdem die Bedeutung der zionistischen Ideologie für die Blau-Weißen der älteren Generationen eine relativ sehr große war, so lag das daran, daß diese Menschen überhaupt ein sehr starkes inneres Verhältnis zu objektiven Ideen hatten, daß ihnen-von diesen Ideen her eine Kraft zukam, die auf das Leben ihrer Wandergemeinschaft zurückstrahlte und ihm höchste Spannung und stärkstes Pathos verlieh. — Mit fortschreitender Entwicklung trat dann hier eine Änderung ein. Aus einer Jugendbewegung, deren Leben bis zu einem gewissen Grade wohl festgelegt war hinsichtlich seiner geistigen Inhalte, deren Formen jedoch teils wechselten, teils keinen bewußten und als wesentliches Prinzip geltenden Wert; darstellten, — aus einer Jugendbewegung also wurde ein Bund, dessen Ziele zwar bewußt gegenüber denen der Jugendbewegung keine als wesentlich empfundenen Veränderungen erlitten, dessen Formen jedoch sehr klar festgelegt wurden, weil man in ihnen eine entscheidende Kraftquelle für das Leben des Bundes sah. Diese Einstellung 9

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