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Blau-Weiss-Blätter · 1924-01-01 · 6 (1.1924) · page 8

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1923-1924) Neue Folge
Issue
6 (1.1924)
Date
1924-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Noch etwas ist hier von Bedeutung, das in Beziehung steht zu dem, was schon vorhin in anderm Zusammenhange über die Formen der Korporation im Vergleich zu denen des Staates gesagt wurde, im übrigen aber über den Rahmen eines rein intellektuell bestimmten „Erziehungsprogrammes" beträchtlich hinausgeht. — Wenn wir dazu kommen können, daß unsere Korporationen in ihrer Vollendung etwas darstellen wie einen Staat im Kleinen, gestaltete Glieder eines umfassenden Ganzen (des Bundes), daß ihr Leben in den festen Formen eines politischen Organismus verläuft, so werden unsere Menschen zwangsläufig zu einer wertvollen Ausbildung ihrer politischen Fähigkeiten gelangen. Die Bedeutung dieser Erziehung durch die „politische Form" liegt darin, daß sie etwas erzeugen kann, was sonst nur sehr schwer zu erreichen ist: ein echtes Republikanertum unserer Menschen, das keineswegs gegeben ist mit einer bloßen Gesinnung, .sondern die Erziehung aller seelischer Kräfte, nicht zuletzt auch der des Charakters zur Voraussetzung hat. — Wir befinden uns infolge der Fülle der andrängenden äußeren und inneren Aufgaben in der glücklichen Lage, gegen die Gefahr, unsere Korporationen in Diskutierklubs oder dergl. verwandelt zu sehen, vom ersten Augenblick an gesichert zu sein. Und nicht zuletzt die äußeren Aufgaben, dann aber auch all jene, die sich für das innere Leben der Korporationen ergeben, — wenn die Politik des Bundes wesentlich von den Korporationen übernommen wird — alle diese Aufgaben werden berufen sein, dem Leben der Korporationen alles Literarische, ja auch nur Akademische fernzuhalten und ihm bewegliche Kraft und Frische zu verleihen, von dem zunächstliegenden positiv-sachlichen Wert dieser Aufgaben, der sich von selbst versteht, zu schweigen. Was nun ihre erzieherische Bedeutung anbetrifft, so soll diese keineswegs bestritten werden, im Gegenteil, nur muß, wie mir scheint, auf eine Gefahr hingewiesen werden, die in dieser Richtung liegt: Der bereits erwähnte Druck der nach Leistung verlangenden Aufgaben, der den Bund in der letzten Zeit seiner Entwicklung beherrscht hat, hat vielfach und wahrscheinlich notwendigerweise zu der „Methode" geführt, das Schwimmen durch Sprung ins Wasser zq lernen. Gegenüber Aufgaben, an denen man seihe Fähigkeiten noch nicht erprobt hatte, suchte man das, was einem an Erfahrung und wohlerworbener Sicherheit fehlte, durch den Schwung zu ersetzen, mit dem man an die Sache heranging. Die sachliche Zweckmäßigkeif dieses Verfahrens interessiert hier nicht, hingewiesen werden muß nur auf seine Bedenklichkeit in erzieherischer Hinsicht (was in Leipzig über die „Krise des Wanderbundes" und ihre Gründe gesagt wurde, gehört zum Teil mit in diesen Zusammenhang). Nutzanwendung für die Korporation: Politische Erziehung erfordert — wie jede andre auch —wirkliche planvolle Arbeit, kann also nicht en passant und auch nicht allein „am Werke" erfolgen. Sondern es wird nötig sein, sich Wissen und Können in ernster sachlicher Hingabe Schritt für Schritt zu erwerben. Nur so kann es Sinn haben, in dieser Richtung überhaupt etwas zu tun. _ 8

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