Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 6 (1.1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Maße an innerer Stärke gewinnen wird. Wenn unsere Menschen in größerem Außmaß dazu kommen werden, an der Gestaltung der Bundespolitik erkennend und handelnd teilzunehmen, so können sie mehr sein als eine Armee: ein Bund, eine geschlossene Schar .tatbereiier, verantwortungsbewußter und erkenntnisklarer Menschen. Dann werden sie sich vielleicht auch Aufgaben stellen können, deren Lösung vielen von uns bereits wertvoll und wichtig erschienen ist: die Festlegung und Formulierung der Tendenz des Blau-Weiß und im Zusammenhang damit die Schaffung einer umfassenden, groß angelegten Bundesverfassung. Eines bleibt Bei alledem klar: Diese Forderungen, wie dringlich sie auch sein mögen, sind bei ihrer Verwirklichung unzweifelhaft an eine Voraussetzung geknüpft: das Vorhandensein von Menschen, die fähig sind, sie zu erfüllen. Und es ist so, daß wir diese Menschen heute nicht haben. Vielleicht ist es überhaupt nicht möglich, die aufgewiesenen Ziele bewußt als Aufgaben zu betrachten, auf die man direkt hinarbeiten kann. Sondern vielleicht können sie sich nur ergeben als Produkte einer Entwicklung, deren Sinn es sein müßte, die erwähnten notwendigen Voraussetzungen erst zu schaffen. Jedenfalls stoßen wir hier auf eine Notwendigkeit: die Erzeugung einer größeren politischen Reife unserer Menschen. Und hierin sehe ich die zweite der großen Aufgaben, die im Moment für unsere Korporationen gegeben sind. Und da im Gegensatz zu der ersten diese Aufgabe ihrer Natur nach sofort in Angriff genommen werden kann, glaube ich, daß sie gegenwärtig von absolut zentraler Bedeutung sein muß. Politische Erziehung also. Sie ist natürlich nicht allein notwendig um ■des Bundes und seiner Politik willen, sondern hat aus verschiedenen, zionistischen und rein erzieherischen Gründen höchsten Eigenwert. Sie muß sich, soweit ich sehe, zunächst auf drei Dinge erstrecken: Aneignung spezieller Wissensstoffe, Uebung politischer Urteilskraft und politischen Instinktes, philosophische Fundierung einer politischen Bildung. Was mit dem ersten gemeint ist, ist wohl ziemlich klar. Was den zweiten Punkt angeht, so glaube ich, daß das innere Leben der Korporationsgemeinschaft, besonders wenn es sich erst eigene Formen geschaffen hat, hier von gewissem Wert sein kann. Im übrigen wird man da am weitesten kommen durch Beschäftigung mit Geschichte wie auch mit Fragen der Tagespolitik. — Unter philosophischer Fundierung einer politischen Bildung verstehe ich schließlich folgendes. Es wird nötig sein, daß unsere Menschen eine möglichst klare Vorstellung haben von den Gesetzen, die das politische Leben beherrschen, und vbn den Problemen, die in ihm gegeben sind. Sichere, wissenschaftliche Erkenntnisse sind hier allerdings sehr schwer, wenn Uberhaupt zu erwerben. Aber es handelt sich auch viel weniger darum, Erkenntnisse zu vermitteln als Menschen zu bilden. Ich denke also zunächst an das für uns Wichtigste: den Problemkreis des Zionismus. Dann aber auch an die großen Gegebenheiten und Zusammenhänge der Politik überhaupt, der politischen Ethik in großen und kleinen, des Rechtes, des Staates und der politischen Formen (u. a. auch der des politischen Verkehrs). 7