Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1924-01-01 · 6 (1.1924) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1923-1924) Neue Folge
Issue
6 (1.1924)
Date
1924-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2425321-2425322-2425327--1260-2425522
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

das praktische Problem der gleichzeitigen Zugehörigkeit zu beiden Gemeinschaftsformen gelöst ist). Es ist demnach nicht möglich, das Wesen der Korporation von irgend welchen Inhalten, praktischen Aufgaben oder dergl. aus zu bestimmen: Sie ist vielmehr ein autonomer Organismus (Korporation heißt Körperschaft!) mit eigenem persönlichen Leben, eigenen Inhalten und eigenen Formen. Diese letzteren werden übrigens berufen sein, im Leben der Korporation eine wesentlich andere Rolle zu spielen, als etwa im Zug. Das Leben des Zuges wird nämliöh in hohem Maße beherrscht von der Form des Spieles im weitesten Sinne. In der Korporation hingegen werden die Formen einen mehr sachlichen Zug aufweisen, mehr Zweckmäßigkeitscharakter haben, weil das Leben der Korporationen sich doch in höherem Grade an bestimmten objektiven Inhalten orientieren wird, die die Menschen der Korporation als gemeinsame Aufgaben verantwortlich tragen sollen. Es wird also nicht (wie doch überwiegend im Zuge) ausschließlich die Freude an den Formen sein, die deren Wert ausmacht. Sie werden vielmehr den Gesetzen des Staates vergleichbar sein, die zwar auch einerseits die Bedeutung haben, dem Volke dadurch ein Gefühl seiner gesicherten Kraft zu geben, daß seinem Leben in ihnen eine feste Gestalt aufgeprägt wird, deren Aufgabe aber andrerseits wesentlich darin besteht, einen bestimmten Bezirk dieses Volkslebens sachlich zu ordnen und zu regeln. Und so wird auch in der Korporation der. Wert der Formen, nicht nur darin liegen, daß sie ihrem Leben Halt und Bindung verleihen, sondern wie im alltäglichen Leben des Staates wird auch in der Korporation das Gewicht bewußt auf der sachlichen Bedeutung der Formen ruhen, die sich entwickeln werden aus dem Streben unserer Menschen, den ihnen gestellten Autgaben mit den sachlich besten Mitteln gerecht zu werden. — Infolgedessen kann es in der Korporation in der Tat so etwas wie eine Antizipation des Staatslebens geben, ja von diesem Bilde . her gewinnt der Gedanke der Korporation vielleicht erst seine volle Bedeutung. Wenn es auch, wie gezeigt, unmöglich ist, das Wesen der Korporation von bestimmten Inhalten her begrifflich festzulegen, ergeben sich für sie doch sofort aus der gegenwärtigen Situation heraus eine Reihe spezieller Aufgaben. Und da scheinen es mär zwei Forderungen zu sein, auf deren Erfüllung wir im Moment besonders hingewiesen sind, deren eine aus der objektiven Lage des Gesamtbundes entsteht, deren andere dagegen dem subjektiven Entwicklungsstadium der Menschen entspringt, die unsere Korporationen bilden sollen. — Zunächst also glaube ich, daß es vornehmstes Ziel der Korporationen sein muß, autonome Träger und zuständiges Forum für die öffentliche Meinung des Bundes zu werden. Es ist keine Weisheit, da9 jede gesellschaftliche Gruppe um der Sicherheit und Kraft ihrer Politik willen gezwungen ist, diese ihre Politik so tief wie möglich in den Reihen ihrer Menschen zu verwurzeln. Und schließlich kann man sich mit der Forderung wirklicher politischer Anteilnahme bei uns nicht dorthin wenden, wo eine solche keinesfalls zu erwarten, übrigens auch absolut nicht zu verlangen ist: an die Züge. Dagegen glaube ich, daß durch ein starkes bundespolitisches Leben der Korporationen die Politik des Gesamtbundes in ganz hervorragendem 6

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.