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Blau-Weiss-Blätter · 1925-01-01 · Editorial · p. Seite 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
Editorial
Date
1925-01-01
Page
Seite 32 (sequence 35)
Language
German
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Als Gott dem Moses die Bitte abschlägt, in das gelobte Land ziehen zu dürfen, ihm nur gestattet, es vom Berge aus zu schauen, da fordert er ihn auf, seine Augen auch na; „westwärts, dem Meere zu" zu wenden; denn im Westen Palästinas liegt das Meer. Seither heißt das gebräuchlichste Wort für „Westen" o; („das Meer"). Andere Beispiele dieser Art finden sich in einem Buch Dr. Hugo Greßmanns, das den Titel führt: „Der Erdgeruch Palästinas in der jüdischen Religion". Alle diesen kleinen Einzelheiten, die uns vom Leben und Atmen Palästinas erzählen, sind ja für uns von neuer, tiefer Bedeutung. Wenn wir auf unserer Fahrt einen Oleanderstamm oder einen Feigenbaum treffen, so sehen wir ihn mit besonderen Augen an; er hat uns etwas zu erzählen, denn er ist ein Stück Palästinas. Aber der reinste Spiegel des Wesens unseres Landes und Volkes ist unsere Sprache, in deren Bildern und Ausdrucksformen alle ihre Eigentümlichkeiten, der Menschen und der Natur, eingeprägt sind und zum Ausdruck kommen. Auf einen Punkt, der bereits oben erwähnt wurde, möchte ich noch eingehen. Das ist die Bedeutung der Praefixa und Affixa für die Sprache. Im Deutschen wissen wir, was „Erkältung" und was „Erkalten", was „Verhängnis" und was „Verhängung", „Abtritt" und „Abtretung" heißt. Auch im Lateinischen ist uns der Unterschied zwischen „inventio" „die Erfindungsgabe" und „inventum" „der einmaligen Erfindung" bekannt und geläufig. Diese kleinen Silben machen einen sehr wesentlichen Bestandteil des Reichtums einer Sprache aus, indem sie den einzelnen Begriffen und ihren Modifikationen Ausdruck geben, um sich, wie Schopenhauer sagt, „allen Nüancen des Begriffs und dadurch den Feinheiten des Gedankens wie ein nasses Gewand anzulegen". So - hat die Endsilbe nv im Hebräischen immer die Bedeutung eines Abstraktums. n&j „Verbannung", nn^g „die Gottheit", mfit „Zionismus". Die Wurzel apj „schreiben" bildet 3559 „der Brief" und hyif asi „die Schrift", 71$$ „Eheverschreibung", nyn? „die Schreibung", Mi? „die Schriftstelle*. Von „groß sein" stammt b^p „der Turm" und n^ftji „die Größe*. 32

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