Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- Editorial
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus diesen Beispielen, die jeder bei seiner Lektüre beliebig vermehren kann, geht hervor, daß die Vorsilbe ö stets ein Concretum bezeichnet, welches die Eigenschaft, die der Stamm ausdrückt, besitzt oder ein Produkt seiner Tätigkeit ist: Der Turm ist hochgebaut, der Brief ist geschrieben. — Die Femininbildung nr deutet wieder auf die abstrakte Bedeutung: Größe» Schreibung. Schon deshalb, weil unsere Sprache eine lebende ist, weiter Wörter formt und bildet, müssen wir den Gesetzen dieser Bildung nachgehen und sie klarlegen. — Kleine Besonderheiten und feine v Nüancierungen sind sehr wichtig für das Verständnis des Sprachgeistes. Und es han'delt sich ja um den Geist unserer Sprache! Wir haben in Berlin einen hebräischen Kursus gegründet, den wir nach solchen und ähnlichen Gesichtspunkten aufgebaut haben. Als wir in den ersten Stunden an Hand des Aleph-Beths schreiben und die gebräuchlichsten Vokabeln lernten, sind wir folgendermaßen vorgegangen: In der frühesten Periode der Schrift stellte ein einziges Zeichen einen Begriff dar und zwar einen solchen, der häufig benutzt wird und daher am ehesten eine Wiedergabe erfordert. Die Urform der Schrift malte also die betreffenden Gegenstände ab. Die Zahlenwerte der Buchstaben lernten wir mit diesen zusammen. Also ungefähr so: 1 K das Rind 2 ä „ das Haus 3 5 „ das Kamel 4 n „ die Tür 20 3 „ die hohle Hand, Wagschale 70 j> „ das Auge 80 B n der Mund 400 n w das Kreuz. *Das ganze Alphabet wollen wir hier nicht durchgehen. Aber wer es für sich tun will, der wird in den Vorstellungskreis derer, die die Zeichen sich bildeten, eindringen können. Denn so heißt: 7 das Schwert und h n der Ochsenstachel. 33