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Blau-Weiss-Blätter · 1925-01-01 · Editorial · p. Seite 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
Editorial
Date
1925-01-01
Page
Seite 30 (sequence 33)
Language
German
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Zusammenhänge ihrer Worte kennen. Denn sie baut sich auf einer Grundlage verhältnismäßig weniger Stämme auf, die durch Umbildungen, durch Praefixa und Affixa, durch Zusammensetzungen und Verbindungen, neue Begriffsbezeichnungen ergeben. Die Einsicht in die Prinzipien der Sprach b i 1 d u n g räumt auch die Hauptschwierigkeit bei der Erlernung einer Sprache hinweg: das stumpfsinnige Auswendiglernen der Vokabeln. Denn wenn ich im Deutschen irgendein Wort gebrauche, z. B. „Besuch", so ist mir, bewußt oder unbewußt, eine lange Reihe „verwandter" Worte gegenwärtig, deren jedes, obgleich vom selben Stamm abgeleitet, doch seinen völlig eigenen Begriff bezeichnet, wie „Versuch", „Versuchung", „Untersuchung", „Gesuch", „Sucht" und andere mehr. Gehen wir dann noch auf die Wurzel dieser Bildungen, dem Stamm „sehen" zurück, so können wir unsere Kette unabsehbar verlängern. Wenn wir dagegen im Hebräischen eine Vokabel lernen, z. B. rph „der Weihrauch", dann dürfen uns die stammverwandten Worte wie „weiß", n:gS „der (silberweiße) Mond", jtnk? „der (schneebedeckte) Libanon" nicht fehlen. Durch diese Art, Vokabeln zu lernen, indem wir vom Stamm ausgehen und uns die Bildungen der Haupt- und Zeitwörter dieses Stammes aufsuchen und uns einprägen, erleichtern und vertiefen wir zugleich unsere Methode. Denn die Wort b i 1 d u n g führt uns, wie der Name verspricht, zu Bildern voller Tiefe und Eigenart, die Einblick in den Vorstellungskreis und die Denkart unserer Vorfahren, den Schöpfern unserer Sprache, gewähren. Ist es euch schon einmal aufgefallen, daß onn „der Mutterleib" heißt und wtprn „das Erbarmen"? jn^tf „der Tisch" stammt von nS^ „ausstrecken"; denn beim Orientalen stellt eine niedrige Platte oder nur eine Matte den Tisch dar. Ueberraschend ist die Entdeckung, daß „der Frühregen" und niiö „der Lehrer* stammverwandt sind. Beide Worte haben den Stamm nn; zum Vater, der „schleudern" be-~ deutet,' und dessen S;ypn sowohl den Sinn vom Niederschießen des Regens annimmt, als auch „auf etwas zielen, hinweisen" heißt, was zur Bedeutung „lehren" führt. *3ii;:

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