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Blau-Weiss-Blätter · 1925-01-01 · Editorial · p. Seite 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
Editorial
Date
1925-01-01
Page
Seite 29 (sequence 32)
Language
German
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Den Beweis dafür, daß auch jene diese Zusammenhänge fühlten, brachte uns der nächste Abend. Auf der Dorfstraße standen alle Juden der Gemeinde um den Angesehensten geschart, . der jeden einzelnen von uns einer Familie zuteilte. Rührend war es geradezu, wie traurig die anderen abzogen, denen kein Gast zugefallen war. Wir wurden aufgenommen, wie nie in unserem Leben; alles wurde uns mit echt jüdischer Gastlichkeit und Liebe gewährt, daß uns ganz warm ums Herz wurde. Ja, sie ließen es sich nicht nehmen, uns noch reichlich zu beschenken und uns mit tausend Wünschen das Geleit zugeben. Und dann nahm uns die Landstraße wieder auf und führte uns neuem Erleben entgegen. Das war einmal ein jüdisches Erlebnis, wie wir es leider viel zu wenig haben. Wißt ihr noch im vorigen Jahre die Raschi-Synagoge in Worms? Und den stillen Friedhöf? Denkt ihr noch an die Tage in Hemsbach, an die Synagoge und an die gastliche Aufnahme? Aber all das genügt nicht, wir haben* es nicht gesucht, sondern zufällig gefunden. Es ist uns als reiche Gabe beschert worden. Wir haben aber die Pflicht, überall, wohin wir auf der Wanderung kommen, Plätze jüdischer Erinnerung aufzusuchen, liebevoll nachzuspüren, damit wir schon halb Vergessenes und Zerfallenes erhalten und das Band, das uns mit allem, was Jude und Jüdisch ist, verbindet, eng und immer enger knüpfen. Hans Oppenheim. Vom Hebräischlernen. Die Sprache ist das Material, in dem sich die Denkweise und die Gefühlswelt eines Volkes ausprägt und erhält, vollkommener als der Stein oder die Leinwand des Künstlers. Denn sie lebt und wird reicher, da alle Volksglieder schöpferisch an ihr mitarbeiten, indem sie als Ausdruck ihres Denkens und Fühlens sich ihrer bedienen. Daher verlangt die Kenntnis einer Sprache mehr als die bloße Erlernung einiger Dutzend Vokabeln, die in den meisten Fällen ein notdürftiges Frage- und Antwortspiel zwischen Lehrer und Schüler ermöglichen. Wir verstehen in Wahrheit eine Sprache erst dann, wenn wir die Entstehungsgeschichte und die 29

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