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Blau-Weiss-Blätter · 1925-01-01 · Editorial · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
Editorial
Date
1925-01-01
Page
Seite 11 (sequence 14)
Language
German
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Außerdem gibt es auch vormittags Arbeit genug: Zweimal wöchentlich den Stall reinigen oder manchmal GemeinarbeiL Das ist folgendes: Die ungepflästerten Wege sind vor Löchern bei Regenwetter unbefahrbar, und in den ersten schönen Frühlingstagen, wenn der Boden nur einigermaßen trocken ist, unternimmt es die Gemeinde gemeinsam, ihren Teil der Wege, also bis zur Grenze, in Ordnung zu bringen. Auf Ansage des Ortsvorstehers ist an einem Morgen von jedem Gehöft eins mit der Schaufel zur Hand da, und ohne viel Federlesen, ohne daß einer kommandiert, wird gearbeitet. „Wer sich auf Gemeinarbeit tot arbeitet, bekommt einen kupfernen Sarg", sagen die Leute hier. Man macht in der Zeit Frühstück und Mittag und sieht, daß man fertig wird so gut es geht. Jeder hat noch genug bei sich selbst zu tun. Da wird z. B. das Gerinne zu beiden Seiten der Dorfstraße immer vom Anlieger sauber gemacht. Voriges Jahr ist es bei uns nicht geschehen, so daß sich dieses Jahr das Gras ordentlich festgesetzt hat. Die Säuberung erfordert deshalb angestrengte Arbeit, zumal da wir ein ganz schönes Ende der Dorfstraße zu reinigen haben. Das Kreuz tut mir daher schon weh, als wir zu Mittag alle drei, der Großvater, die Bäuerin und ich — ich mit der Rober (lies Radfahrkarre) — ins Feld gehen, um Disteln zu stechen. Hier im Hafer stehen sie so dicht, daß wir meist nicht mehr gebückt gehen, sondern knieen. Das strengt zwar nicht so an, aber es ermüdet auch, weshalb ich bald hocke, bald die Kniee wechsle, bald, wenn es nötig ist, aufstehe. Das Körbel setzen wir neben uns und stechen so flink es geht, und es geht leider bei den anderen, wie mir scheint, immer noch flinker als bei mir. Ihr Körbel ist meist eher voll. Ich will mir einreden, daß ich ein größeres Körbel habe, aber es wird wohl doch das andere der Grund sein. Vielleicht stehen sie auch geschickter als ich, denn oft kommt es so vor, daß ein paar Blätter von der Distel liegen bleiben; was ja an und für sich nichts schadet, denn die Distel wächst nicht nach, aber in angeborenem Sauberkeitsgefühl klaube ich auch diese peinlichst auf. Hier zeigt es sich (eine allgemeine Feststellung), daß übertriebene Gewissenhaftigkeit, id est Pedanterie, beim Landwirt schaden kann. Der Tüchtige macht seine Sache natürlich flink und doch sauber. Bei dieser Arbeit scheint es mir auch, als ob es* nicht nur Disteln schlechtit

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