Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- Editorial
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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auf Hilfsdienst, zog beim Garbenbinden der Disteln wegen Glacehandschuhe an. Frau Stiller, die Bäuerin, allerdings meint, es wäre nicht so schlimm, und die Disteln gingen ihr nachher beim Wäschewaschen wieder mit aus der weich gewordenen Haut Wir nehmen uns ein Körbel und ein scharfes Messer und gehen in den Weizen, der jetzt zwar noch nicht „schießt", d. h. lange Halme macht, aber doch schon ganz ansehnlich und dicht auf dem Acker steht, dort wenigstens, wo er nicht ausgewintert ist, d. h. wo die Mäuse nicht gehaust haben, während Hafer und Gerste doch erst dünne zarte Hälmchen draußen haben. Hätte der Weizen jetzt schon lange Halme, so könnten wir nicht mehr in ihn hineingehen, denn die niedergetretenen Halme würden sich nicht mehr aufrichten. So ist es uns beim Korn (lies Roggen) ergangen. Als wir jetzt nach den kalten und regnerischen Tagen wieder aufs Feld hinauskamen, sieh*, da stand es schon ganz hoch, und als wir herankamen, da waren doch so viel Disteln drinnen, daß mir jetzt schon vor der Ernte graut. Meine Hoffnung ist aber die: ich werde bis dahin schon „Hauen" (lies Mähen) gelernt haben, und dann werde ich das Korn hauen, und die Bäuerin und Mariechen werden einbinden. Ein paar Disteln haben wir aber doch herausgeholt, die am Rande. Der Weizen steht gleich hinter dem Haus „im Garten", wie es bei uns heißt — da, wo jetzt die Apfel- und Birnbäume herrlich blühen — und so kommt es, daß unsere Hühner, sobald die Tür zum Garten aufgelassen wird, hindurchschlüpfen und daß der Großvater, wenn er beim Mittagessen zufällig einen Blick zum Fenster hinauswirft, mit strenger Miene sagt: „Kurt und Hilda, geht e'mal num und jagt die Hühner aus ,m Wäze." Und widerstrebend nur .wird Folge geleistet. Wir brauchen also gar nicht in den Weizen hineinzugehen, sondern nur erst mal am Rande hin und uns zu bücken und mit dem scharfen Messer dicht neben der Distel in den Boden zu fahren. Dann wissen wir schon, ob wir sie einfach mit der linken Hand herausnehmen können oder ob wir noch einmal in der Erde herumstochern müssen, um die Wurzel durchzuschneiden. Anfassen können wir die Disteln ruhig, denn sie sind noch klein und zwar schon stachlig, aber nicht so häßlich wie später, wo sie verdorrt und hart sind. Manche sind auch jetzt schon größer, dann stechen sie etwas mehr, aber man findet sie'besser als die kleinen. Im 9