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Blau-Weiss-Blätter · 1925-01-01 · Editorial · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
Editorial
Date
1925-01-01
Page
Seite 3 (sequence 4)
Language
German
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beten sie jenes Götzenbild, jenen Baal an, den sie so heuchlerisch den „Kampf ums Dasein" nennen. Diesen Kampf, den sie, Vorgänge innerhalb der Natur mißverstehend, zu einem Kampf zur Verklärung ihrer Brüder gemacht haben, den sie sich zur Anbetung auserwählt haben, um ihrer Menschenpflicht untreu zu werden. Zu dieser ganzen Ordnung sagen wir: nein! Wir sind jung, das ist das Köstlichste, das wir ihr entgegenzuhalten haben. Unser Recht zum Neinsagen stammt aus unserem Gewissen und unsere Kraft, Widerstände zu brechen aus unserer Jugendlichkeit Wir kehren zurück zur Urmutter alles menschlichen Lebens, zur Natur. Schon äußerlich wollen wir uns von den anderen unterscheiden, und nicht nur aus Zweckmäßigkeitsgründen tragen wir unsere Wanderkluft, nein, auch die Freude, die anderen vor den Kopf zu stoßen, reizt uns. In uns lebt ein anderer Geist. Wir wollen eine neue Gemeinschaft. Wir wollen als Menschen und als Juden, und das ist uns ein und dasselbe, ein Leben führen, das wir verantworten können vor den vergangenen Geschlechtern, vor uns selbst und den kommenden. Nicht die Sitte ist unser Richter, sondern jeder trage seinen -Richter in sich selbst. Wir wollen Freie sein, innerlich und äußerlich Freie. Freie -Menschen, freie Juden. Wir wollen eine neue Menschheit, aufgebaut auf Freiheit und Gewissen, und fangen damit an, sie bei uns zu schaffen, jeder bei sich selbst, in seinem engsten Kreise, in unserer Mitte. Wir wollen eine jüdische Welt, würdig der schöpferischen Vergangenheit unseres Volkes. Stark und voll sittlicher Größe. Darum sei fern von uns jene bequeme Naturromantik, die man uns so gern andichten möchte. Wir wollen nicht Ideale im edlen Busen hegen, um diese an Sonn- und Feiertagen, auf Fahrten und bei Bundestagen hervorzuholen und liebevoll zu begrüßen, wir dürfen auch nicht im Bewußtsein, die besseren Menschen zu sein oder aus Abscheu vor den anderen uns nun gänzlich abschließen und ein traumhaft-ideales Lebenführen nur mit Menschen unseres Kreises, sondern wir wollen uns überall uns .selbst treu bleiben. Dann erst zeigt es sich, wessen Blau-Weißtum fest verankert ist, wer ein Mann ist und wer eine Memme, wenn es gilt, in jener gemeinen, verlogenen 3

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