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Blau-Weiss-Blätter · 1925-01-01 · Editorial · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
Editorial
Date
1925-01-01
Page
Seite 2 (sequence 3)
Language
German
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Worte zur Eröffnung des Bundestages in Gross-Obisch. Wer an den verschiedenen Bundestagen seit Lockwitz teilgenommen hat, findet immer einen Stamm von Gefährten von damals wieder, aber auch viel Neue sind seitdem hinzugetreten, und der furchtbare Ernst unserer Tage riß uns klaffende Wunden. Nicht alle mehr können mit uns das lebenspendende Licht der Sonne begrüßen. Wir neigen uns ihrem- Andenken. Aber nicht fruchtloser Schmerz geziemt uns, wandeln wir ihn zu einer Macht! Noch mehr Stoßkraft soll uns das Gedenken unserer Toten geben» noch mehr Verpflichtung. Und entsprechend dem Kommen und Gehen in unseren Reihen und entsprechend dem Wandel, der sich in jedem von uns vollzieht, wird um Sinn und Ziel des Blau-Weiß stets von neuem gerungen: um das Woher, das Wohin und den Weg. Das Woher: Wir tragen es alle noch in uns: Es ist ein großes hartes Nein. Ein heiliges dreifaches Nein. Ein Nein das wir der verlogenen bürgerlichen Gesellschaft um uns entgegenschleudern. Der Gesellschaft im allgemeinen und der jüdischen Gesellschaft im besonderen. Auf Schein, auf Kompromissen, auf Halbheiten,* ja auf verbrecherischen Trieben ist ihr Leben aufgebaut, und nur wenige Einsame ragen hervor, Inseln im Meere. Man redet sich ein, sehr hoch zu stehen und ist doch so. tief gesunken. Die Zivilisation ist ihnen zum Fallstrick geworden. Wir wissen es zwar, aber es tut not, sich auf den unüberbrückbaren Gegensatz, der uns von jenen trennt, von Zeit zu Zeit erneut zu besinnen. Was ist ihres Daseins Sinn und Ziel? Ihr Maßstab ist die Zahl, das Meßbare, Wägbare, ihr Ziel das Geld und der erkaufte Genuß. Sie wollen genießen, statt zu schaffen. Ja, man hat sich nicht entblödet, die scheußliche Wortverbindung von „geistigen Genüssen" zu prägen; als ob Geist und Genuß je eine Einheit eingehen könnten. Ihre „Sitte" ist im Grunde genommen nichts weiter als ein Kompromiß, den man untereinander geschlossen hat, um sich Straffreiheit für die eigenen Verbrechen zu erkaufen. Sie fühlen da „Verpflichtungen", wo es gar keine Pflichten gibt, aber wo es zu helfen gilt, wo einer beim andern stehen müßte, da bekämpfen sie einander, da 2

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