Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- Editorial
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 5)
- Language
- German
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Gesellschaft aufrecht dazustehen. In der Schule, im Beruf, im Dienst, überall muß man uns auch ohne die Nadel als Blau- Weiße empfinden, muß zu sagen gezwungen sein: die sind wahrer, stärker, echter als die anderen, das sind wohl Blau- Weißel Ja, wenn unsere Kraft schon gestählt ist, müssen wir bewußt Sturm laufen gegen alle Heuchelei, gegen alle Feigheit, gegen alle Knechtung, wo immer wir ihnen begegnen. Wie Elias müssen wir -die Baalspriester mit Stumpf und Stiel ausrotten. — Innerhalb unserer engeren Gemeinschaft aber suchen wir Brüder, die uns helfen, alles Schlechte, das noch in uns selbst steckt, auszutilgen. Und wir haben erkannt: Es gibt eine köstliche Himmelsgabe, die es uns ermöglicht, wieder wir selbst zu werden. Das ist die Fähigkeit des Menschen zur Hingabe an CJeberpersönliches. Nicht w i r sind uns Ziel, sondern die Sache, wie immer sie heißen möge. Ich meine hier nicht die Hingabe an die eigentlich großen Ideen, von der man so viel spricht und mit der so ohne weiteres so herzlich wenig getan ist, sondern die Fähigkeit des Menschen, in jeder Sache ganz aufzugehen, sich ganz hinzugeben an ein Ding, etwa sich restlos in den kleinsten unscheinbarsten Lebensvorgang zu versenken, ganz in der Anschauung des Lebens im Wassertümpel oder der Kampfmethoden einer Ameise aufzugehen. Aber ich meine auch ebenso — und das wird zuerst vielleicht lächerlich erscheinen — den sachlichen Eifer, mit dem man einen Kochtopf reinigt. Wendet mir nicht ein: das sei etwas sehr Unwichtiges, und man könne dabei i|cht dasselbe Maß von sachlicher Hingabe verlangen, wie wenn einer auszöge, um ein-Volk zu befreien oder ein Königreich zu erobern. Ich sage: Im. Grunde genommen ist es genau so wichtig, daß der Kochtopf gereinigt wie daß das Königreich erobert wird: Vom Standpunkt des großen Weltlebens aus ist der Unterschied zwischen beiden Geschehnissen sehr gering, gleich Null, Von der Erde aus gesehen is,t die ungeheure Sonne nicht größer als der kleine Mond. Und um dieser letzten, ewigen Gleichheit willen verlangt Beides, Kochtopf und Königreich dieselbe Stärke der Hingabe. Geschähe eines von beiden nicht, eine Lücke wäre im großen Weltgeschehen.. Restlose Hingabe an jedes Ding, das auf unserem Wege liegt, jene Liebe zum Kleinsten, zu Pflanze und Tier, zu Volkslied und Spiel, jene Diriglichkeit, die nichts unbeachtet läßt, was 4