Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 1 (9.1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 31 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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fassungen in Palästina noch so verschiedenartig sein, — eine sozialistische Grundanschauung ist aus dem Leben der Arbeiterschaft nicht mehr wegzudenken. Wir aber haben den Glauben, daß der Zionismus noch anderer Elemente bedarf, um Palästina aufzubauen, und wir halten es für ein Glück, daß es noch Elemente gibt, die auf anderen Wegen zur Erfüllung des Zionismus gelangen können als durch den Sozialismus. Das Prinzip unserer Leistung in Palästina ist kein sozialistisches, wenn auch sozialistische Anschauungen in unser Werk eingeflossen sind. Wir können uns zwar ruhig eingestehen, daß unser Temperament einige Grade kälter gestellt ist als das des ostjüdischen Menschen. Im Grunde aber herrscht bei uns, wenn auch mit anderen und weniger wuchtigen Akzenten, derselbe Kommunismus wie in den Siedlungen des Emek. In diesem Punkte trennen uns wesentliche Unterschiede nicht. Gemeinsame menschliche Gesamthaltung alkin kann uns jedoch nicht dazu verhelien, zwischen Blau-Weiß und Histadruth bedingungslose Beziehungen herzustellen. Was wir als wirksames Prinzip in unserem Vorhaben empfinden, ist jene stautsbildende Kraft, ohne die, wie wir glauben, sich nichts in Palästina gründen lassen wird. Es liegt auf der Hand, daß die Tendenzen, die wir vertreten, in Palästina einem fortdauernden Mißverständnis ausgesetzt sein müssen, und daß sie uns vorderhand einsam machen. Ein solche Lage müssen wir aber mit in Kauf nehmen, wollen wir nicht mutlos auf das Bekenntnis und die Durchsetzung unserer Art verzichten. Unserem Wesen entsprechend kann es kein schöneres Bild geben, unter dem wir den Aufbau Palästinas begreifen, als einen großen Kolonisationsplan. Es ist tragisch für die ökonomische Entwicklung Palästinas, daß sich die Kolonisation vollkommen regellos vollzieht. Wenn der preußische Staat in der Ostmark gesiedelt hat, dann war die Einrichtung jedes Hauses vorher bestimmt, der Boden genau in Parzellen geteilt, und die Kolonisation wurde von einer einheitlichen Instanz geleitet, die mit befehlshaberischen Vollmachten ausgestattet war. Durch die Zusammenhanglosigkeit und Regellosigkeit des Aufbaus entsteht viel Unmögliches, und doch ist es denkbar, daß alles nach einem guten und schönen Plan gemacht werden könnte. Gewiß entsteht das Großartige des Aufbauwerkes aus einer Gesinnung von Gruppen. Eine Fülle v*n Teilwerken wird aus einer kollektiven Gesinnung geschaffen, die aber an den Grenzen der Gemeinschaft ihr Ende findet. Die einzelnen Werke, die entstanden sind, können uns keine Gewähr für die Entstehung einer nationalen Heimstätte in Palästina und für die Lösung der Judenfrage geben. Uns wurde von deutschen Zionisten oft vorgeworfen, daß gerade wir die vorhandenen Klüfte vermehren, daß unsere Gedanken über landsmannschaftliche und bündische Siedlung Scheidewände aufrichten. In Palästina hat man aber zu diesen Fragen eine viel freiere Stellung als unsere deutschen Kritiker. Worin besteht nun die Stärke der kleinen Minorität, die wir in Palästina darstellen, und immer darstellen werden und die sich mit ihrer Leistung gegenüber der großen palästinensischen Arbeiterschaft durchzusetzen haben wird? Unsere Besonderheit liegt in der Idee des 31