Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1925-09-01 · 1 (9.1925) · p. Seite 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
1 (9.1925)
Date
1925-09-01
Page
Seite 30 (sequence 30)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2425321-2425331-2425333--1489-2425461
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

jüdischen Arbeit im Aufbau Palästinas zu bestehen haben, und es wird schließlich Klarheit zu schaffen sein, was für jede Aufbauarbeit im Lande Israel überhaupt notwendig ist. Wenn ich von der westindischen Aufgabe in Palästina spreche, dann spreche ich fast immer von der Aufgabe des Biau-\Yei3, vor. unserer kollektiven Aufgabe. Wir müssen den Vortrupp und die -Vorkämpfer des deutschen Zionismus in Palästina darstellen. Von der älteren Schicht, die nicht mehr für Chaluziuth in Frage kommt, sich nicht mehr am Aufbau beteiligen kann, müssen wir möglichst Unterstützung. Verständnis aber unbedingt verlangen. Ich betrachte jetzt die Gebiete unserer Arbeit genau in derselben Reihenfolge wie vorhin die ostjüdische Leistung. Was das staatspo litis che Grundgefühl unserer Leistung anbelangt, so hat man. glaube ich. zum ersten Mal bei der Danziger Jugendkonterenz versucht, eine Abgrenzung vorzunehmen, die bei uns auch sehr glücklich gewirkt hat. Bedauerlicherweise rriuLi man hier aber in Rechnung ziehen, daß nur der Teil als der überlegene erscheint, der mit einem neuen Programm davonzieht. In Palästina konnte unsere Stellungnahme nicht verstanden werden, und in der Tat ist a::ch der Gedanke der Staatsidee des Blau-Weiß vieliach mißverstanden worden. Man konnte sich nämlich durch eine solche Tagung vielleicht überzeugen, nicht aber innerlich bewegen lassen. Was ich möchte und was der Bund und der deutsche Zio. ismus heute braucht und nicht entbehren kann, ist ein Bekennen der eigenen Stärke. Bisher lassen sowohl der deutsche Zionismus wie auch unsere Menschen das Kraitgcfiih! der eigener. Leistung vermissen. Auch der Blau-Weiß wird nicht fortschreiten können, hier nicht und nicht in Palästina, wenn er nicht die Eigenart seiner Stellung erkennt und fähig wird, sie zu charakterisieren. Er wird es nicht können, wenn er nicht das Gefühl hat, daß gerade In seiner Eigenart eine besondere Stärke liegt. Unsere Stellung ist schwierig, und, oberflächlich betrachtet, schwankend. Wir erscheinen immer nur als die Suchenden und Wollenden, denen schon manches Werk in Palästina zerbrochen ist. Unsere Werke sind aber zerbrochen, weil sie nicht in vollem Maße als Leistungen eines einzigartigen Bundes empfunden wurden. Es fehlt uns noch das Gefühl einer eigenen Bestimmung für Palästina; nichts tut uns daher mehr not, als zur vollendeten Klarheit über unsere eigenen Tendenzen zu kommen. Ich habe mit voller Bewußtheit betont, daß meine ganze Ausführung auf eine Gegenüberstellung des ost- und westjüdischen Typus nach seiner Herkunft basiert. Die Maßstäbe des Lebens, aus dem man kommt, sind ebenso verschieden wie die Maßstäbe, nach denen man das neue Leben in Palästina zu formen gedenkt. Wenn man einen Vergleich anstellt und die für uns geltenden Maßstäbe an den Sozialismus innerhalb Palästinas anlegt, so wird man sagen müssen, daß wir keine Sozialisten sind." Mögen die Auf- 30

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.