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Blau-Weiss-Blätter · 1925-09-01 · 1 (9.1925) · p. Seite 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
1 (9.1925)
Date
1925-09-01
Page
Seite 32 (sequence 32)
Language
German
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Bundes. Ich greife aui ein charakteristisches Wort zurück, das die beiden Typen Ost und West gegenüberstellt. Im -Gegensatz zum Osten, wo ein allseits gebundenes Dasein die Menschen der Herkunft nach fesselt, strebt der westjüdische Mensch aus. der Isolierung zur Gebundenheit zurück. Gewiß sind auch in manchen Gruppen der Arbeiterschaft Anklänge an Bundhaftes vorhanden, doch ist die Struktur dieser Gruppen von der unseres Bundes vollkommen verschieden. In den Gruppen der ostjl'tdischen Arbeiterschaft ist der einzelne Mensch nur an die Idee gebunden; im Verhältnis der Menschen untereinander läßt man die feste Bindung fallen. Lediglich ein bestimmtes gesinnungsmäßiges Bekenntnis wird für notwendig erachtet, und die Aufnahme in diese Gruppen ist nur nach dem Bekenntnis einer solchen Grundeinstellung möglich. Aus t:efer Gebundenheit und Gedrücktheit strebt der ostjüdische Mensch zur individuellen Freiheit. Innerhalb der Gruppen ist jeder Mensch frei, jede Individualität wird hochgeschätzt. Wenn man einmal in Tel-Joseph die Arbeiter hat von der Arbeit zurückkommen sehen, erhält man den bis zur Bildhaftigkeit gesteigerten Eindruck, wie sehr dieser ostjüdische Menschentypus zur persönlichen Freiheit gelangt ist. unser Bund jedoch ist etwas wie ein kleiner, antizipierter Staat. Wie dieser wird auch er über eine reiche und mannigfaltige Schichtung verfügen. Wir 'werden in Palästina keine Gemeinschaft sein, die nur Menschen aus gleichen Schichten umfaßt. Die für uns eigenartige Form des Bundeszusammenhanges wird uns auch in Palästina eine eigenartige Stellung verbürgen, sie wird uns die Möglichkeit geben, innerhalb des Bundes soziale Schichten, um es mit einem Schlagwort zu bezeichnen, vom „Generaldirektor bis zum Ackerbürger" zu umfassen. Eine allzu billige Ausdeutung solcher Wörter kann uns allerdings nichts nützen. Der Kern eines solchen Schlagworts will besagen, daß der Bund mehr ist als die soziale Klasse und daß nichts uns ferner liegt als irgendeine Form künstlicher Verengerung. Der Bund müßte sehr Vieles aufgeben, wenn er in Palästina nicht auch die Weite haben soll, die immer seine Besonderheit war. Allerdings wird sich erst in der Zukunft zu erweisen haben, ob der Bundesgedanke auch tatsächlich zu jener vollen Realisierung kommen kann, die möglich und zu der er berufen ist. Denn der Bundesgedanke, der das Tiefste unseres Bundes ausspricht, ist nicht auf uns selbst beschränkt! Die Zeit muß kommen, wo der gesamte deutsche Zionismus seine Aufgaben klar erkennt. Heute entspricht der deutsche Zionismus noch keineswegs einem so festen Gebilde, das wir als Bund anerkennen könnten. Aber auch er strebt heute danach, sich wenigstens in seiner höheren Schicht so zu konzentrieren, wie wir es getan haben. Bei den wertvollsten Menschen im deutschen Zionismus findet sich schon ein tiefes Verständnis für die Besonderheit und Kraft unseres Wesens. In der Tendenz zur Gesamtleistung bleibt der deutsche Zionismus, wie ich glaube, nur dem treu, wozu er stets gestanden hat. Der deutsche Zionismus hat die Maasser-Verpflichtung verwirklicht, das bedeutet die Umsetzung der zionistischen Gesinnung in die zionistische Tat! In der Schaffung seiner Bundesidee aber 32

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