Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 1 (9.1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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spielt das Problem des Hebräischen eine große Rolle. Hier kommt man nun zu merkwürdigen Resultaten und Empfindungen, wenn man die zukünftige Leistung des westjüdischen Elements betrachtet. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß iür den Westjuden hier eine Möglichkeit stärkster Leistung vorliegt. Zwar muß man auch vor der Größe des kulturellen Aufbauwerkes der Ostjuden erstaunen: Die Schöpfung des Hebräischen ist gelungen. Deutlich und klar spricht die Durchführung des Hebräischen zu jedem; man braucht an der großen Leistung, die von diesen Menschen geschaffen worden ist, nicht mehr zu zweifeln. Sie hat geschaffen werden können, weil die traditionellen Grundlagen vorhanden waren. Man sol! aber nicht über^hen, wenn man die Gesamtheit der palästinensischen Kultur betrachtet, daß eine Menge von Westeuropäischem in ihr enthalten ist, was, mit unseren Begrifien gemessen, ein sehr niedriges Niveau ha:. Nicht nur in der Musik und der bildenden Kunst, auch in den Wissenschaften und in den Schulen werden sehr wenig hohe Anforderungen gestellt. Man müßte sehr eingehend gerade über diese Punkte sprechen, um zu einem geschlossenen Bild zu kommen. Was z. B. an palästinensischer Musik vorhanden ist, ist westeuropäisch. Der Geschmack ist allerdings von unserem sehr verschieden. Auch in der Literatur herrscht, wie ich mir von Sachverständigen habe sagen lassen, der Eindruck des Rudimentären vor; es gibt nur wenige Leistungen, die gerundet und ganz reif sind. Was die Schulen anbetrifft, so sind sie es zwar, die das hebräische Werk selbst geschaifen haben und vom Geiste des kuhureiien Aufbauwerkes voll erfüllt sind, aber da Bildungsniveau entspricht im allgemeinen dem Durchsclmittsniveau einer schlechten deutschen Schule. Hier wird der deutsche Jude, vorausgesetzt, daß er das Hebräische beherrscht, sehr viel tun können. Ich habe das Positive der palästinensischen Arbeiterschaft unterstrichen, und ich möchte auch späterhin keinen Zoll von dieser objektiven Würdigung abweichen. Es soll aber nicht unterlassen werden, auch das Positive, das ich auf gerade unserer Seite sehe, hervorzuheben. Wenn man nach der westjüdischen Leistung in Palästina fragt, so kann man wohl sagen, daß sich an vielen Stellen der westjüdische Mensch durchgesetzt hat. Wenn man aber nach den kollektiven Leistungen des westjüdischen Geistes fragt, so wird man sehr bescheiden antworten müssen. Unsere landwirtschaftlichen Versuche sind mißglückt. Unsere handwerkliche Siedlung steht erst im Aniang ihrer Entwicklung. In einer skeptischen Stimmung könnte man fragen, ob überhaupt eine kollektive Leistung für Westjuden in Palästina möglich ist. Was uns bisher gefehlt hat, war die objektiv-zionistische Stimmung, mit der wir uns in die Probleme Palästinas zu versenken haben. Wir haben nur selten jenen sachlich kühlen Blick für unsere Möglichkeiten in Palästina und für die Kapazität des Landes gehabt, jenen Blick, der notwendig ist, wenn man die Situation übersehen will. Wollen wir nun an die Untersuchung unserer eigenen Stellung gehen, so wird zu betrachten sein, worin die besonderen Merkmale der west- 29