Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 1 (9.1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 28 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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so hat man unmittelbar das Gefühl, das gerade auf diesem Gebiete Leistungen zu verzeichnen sind. — Das Bild der Siedlungen im Emck, besonders von Tel-Joseph, zeigt einen großen wirtschaftlichen Organismus, der Gesetzen gehorcht, die man schwer sofort überblicken kann. Zuerst hat man den Eindruck, daß diesem komplizierten Wirtschaitsorganismus der notwendige Zusammenhang, die sinnvolle Organisation fehle — bis man dann einsehen muß, daß die Erfordernisse des europäischen Wirtschaftslebens nicht in jedem Detail auf die neue konstruktive Wirtschaftsform der Siedlungen zutreffen. Sicherlich wäre es leicht möglich gewesen. Fehler zu vermeiden, die in einem so tastenden und stellenweise experimentellen Zustand der Wirtschaft gemacht worden sind. Ohne Fehler ist aber auch eine normale Wirtschaft nicht zu denken; jede andere Wirtschaft hätte wahrscheinlich andere Fehler gemacht. Im allgemeinen muß man aber, wie ich glaube, sagen, daß ein hoher Geist der Verantwortung für den Aufbau ihrer Wirtschaft in der Arbeiterschaft geherrscht hat und daß oftmals Opfer gebacht worden sind, die nicht leicht fallen konnten. Eher kauft man eine neue Maschine, als daß man den teilweise unterdurchschnittlichen Lebensstandard erhöht. An vielen Stellen werden die Resultate der Wirtschaft mit bewundernswerter Klarheit erfaßt. Oftmals zeigt sich jene sachliche Liebe zu ökonomischen Einzelheiten, die uns immer als besondere westjüdische Eigenart erschien. Ueberull besteht Führung des Wirtschaftswerks und so selbstverständliche Einordnung in das Ganze, daß keine Debatten nötig sind. Ueberall begegnet man dem Versuch, die Grundlagen einer organisierten Wirtschaft zu schaffen und überall bemüht man sich auch wissenschaftlich um ihre Ausbildung. Die städtische Arbeiterschaft, so möchte ich nur ganz allgemein sagen, steht im Gegensatz zu der ländlichen. Während in der ländlichen Arbeiterschaft ein geschlossenes, idealistisches Ethos sich den Dienst am Aufbauwerk zum Ziel setzt, überwiegt dort mehr das europäische, proietarierhafte Klasseninteresse. Es entspricht natürlichen Gesetzen der Wirtschaft, daß die Gedanken des Klassenkampfes weit mehr im Mittelpunkt der siädtischaft Arbeiterschaft stehen. Man darf nicht verkennen, daß die städtische Arbeiterschaft in Paläsiina ebenso wie überall sonst in der Welt zum Proletariat gehört. Zwar hat auch die ländliche Arbeiterschaft Palästinas den Lebensunterhalt und das Existenzminimum eines Proletariers, doch sind die Arbeiter durch die kommunistische Gemeinschaft Herr ihrer selbst geworden; sie sind im Emek durchaus eine Herrenkaste. Hier besteht also keine Möglichkeit, daß im europäischen Sinne auch ein ländliches Proletariat gebildet wird. Keineswegs soll übersehen werden, daß auch die städtische Arbeiterschaft eine Reihe von bedeutenden Leistungen aufzuweisen hat. Wo es die Arbeiterschaft von sich aus zu Schöpfungen auch in der Stadt gebracht hat, wie z. B. im Solei Boneh, wird man die große Bedeutung auch der städtischen Arbeiterschaft für den nationalen Aufbau feststellen müssen. Kurz müssen fn diesem Referat auch die kulturellen Fragen gestreift werden. In Bezug auf Kultur und Wirtschaft von Erez-Israel 28