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Blau-Weiss-Blätter · 1925-09-01 · 1 (9.1925) · p. Seite 27

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
1 (9.1925)
Date
1925-09-01
Page
Seite 27 (sequence 27)
Language
German
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werden. Dabei könnten Anstrengungen, diese Trennung un-J Zerspaltimg zu überwinden, nur von der schöpferischen Arbeiterschaft ausgehen: man wird kaum verlangen können, daß die kleinbürgerliche Einwanderungsschicht ein höheres Verantwortungsgefühl gegenüber dem Gesamiprobiem besitz-. Die heutige Haltung der Arbeiterschaft erweckt fast das Gefühl, daß hier eine esoterische Grundstimmung entstanden ist, eine abgekapselte Stellung der Arbeiterschaft, die sich ihre eigenen zionistischen Gesetze vorschreibt: eine Auffassung, die man ofimals auch dem Blau-Weiß vorgeworfen hat. In der Arbeiterschaft ist diese esoterische Tendenz aber weit ausgeprägter, als sie jemals bei uns war. Ich komme zu den ökonomischen Fragen und will jetzt das Positive der in Palästina geschaffenen wirtschaftlichen Bildungen darlegen. Eben führte ich schon aus, daß sich der Sozialismus in Palästina vielfältig ausgewirkt hat. In der Tat ist auch bei jeder Kwuzah eine andere Wirtschaftsauffassung vorherrschend. Sicherlich kann man vom ökonomischen Gesichtspunkt aus in der Entwicklung der letzten zwei bis drei Jahre bereits Fortschritte aufzeigen: auf jeden Fall ist ein allmähliches Rciferwerüen der ökonomischen Tendenzen festzustellen. Man soll sich bei uns innerhalb einer von wirtschaftlichen Maßstäben bestimmten Betrachtung nicht in den Kampf einlassen, der um das Problem: Kwuzah oder Nicht-Kwuzah entbrannt ist. Diese Kämpfe müssen zwar ausgekochten wei den, sie ergeben sieh aus der Situation der Weltorganisation, — mit dem wirtschaftlichen, dem eigentlichen Problem aber haben sie höchst wenig zu tun. In der Selbsterprobung wird sich die Lösung dieses Problems vorbereiten und durchsetzen. Ich glaube, jeder, der Palästina gesehen hat, hat erkannt, daß die Gruppensiedlung das Organ ist, mit dem der Aufbau zu beginnen hat. Hier ist schon eine Ansicht ausgesprochen, die sich nicht rechnerisch beweisen läßt. Man gelangt zu einer solchen Erkenntnis nur dann, wenn man sich in das Land und seine Eigenart hineindenkt. Qas Besondere ist auch hier, daß man es zu Eigenformen gebracht, und sowohl theoretisch als praktisch unendlich viel Vorarbeit für die Zukunft geleistet hat. Man ist an vielen Stellen zu Resultaten gekommen, die nur kraft eines heldenhaften Elans möglich waren. Durch Vieles, was über den Aufbau von Palästina gesagt wurde, hat man, wie ich glaube, ganz falsche Vorstellungen von dem eigentlichen Werk bekommen, das die Arbeiterschaft im Lande errichtet hat. Man empfängt wohl eine Gesamtvorstellung von ihrer Leistung, aber diese summarischen Meinungen haben etwas Schlagwörtliches und nichts Bildhaftes. Das Werk selbst wird nicht in seiner Kontur gesehen. ' Ich will versuchen, fehlerhafte Vorstellungen durch einige Streiflichter zu verbessern. Man hat mit dem osijüdischen Aufbau oftmals das Gefühl einer gewissen organisatorischen Mangelhaftigkeit, eines Fehlens an Disziplin, eines Mangels an kraftvoller Führung verbunden. Sieht man nun, was jn Palästina geworden ist, versucht man die eigenartige Lage zu schildern, unter der gearbeitet wird, versucht man schließlich, die ganz beispiellose ökonomische Situation zu erfassen, — die nicht nur mit den überall auftretenden ökonomischen Schwierigkeiten zu rechnen hat, —- 27

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