Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 1 (9.1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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politischen, ökonomischen und kulturellen. Erst wenn diese Dinge besprochen sind, werden wir uns den besonderen Aufgaben der Westjuden in Palästina zuwenden können. Um zur Schilderung der Leistung zu kommen, beginnen wir mir einer Analyse der Menschentypen, doch soll an dieser Stelle nur das Wesentlichste mit Schlag- und Stichworten hervorgehoben werden. Die Herkunft des ost- und westjüdischen Menschen ist sehr verschieden. Während der Ostjude aus einer traditionellen Schicht stammt, in einer Atmosphäre heranwächst, die ihm die Grundlagen des Jüdischen in einer primitiv-kindlichen Weise übermittelt und so alles Erwerben jüdischer Inhalte, das Erlernen der hebräischen Sprache etc. ungeheuer leicht macht, stammen wir aus jener europäischen Schicht, die schon eine oder mehrere Stuten der Assimilation überwunden hat, aus der wirtschaftlich gesicherten Schicht des mittleren oder höheren Bürgertums, das sich von jüdischen Dingen immer mehr entfernt. Unsere Erziehung war die typisch westeuropäische, die ihre Werte vom Humanismus und der klassischen Tradition erhalten hat. Der ostjüdische Mensch stammt aus einem einheitlich jüdischen Milieu; er wird niemals die Grundlagen des Judentums anzweifeln können, und die Frage nach der Existenz des jüdischen Volkes ist für ihn nicht gegeben. Stammt e r aus einem nationalen Milieu, so führen wir selbst uns erst wieder zur nationalen Gebundenheit zurück. Wir dürfen auch nicht vergessen, daß die politische Luit, die uns umweht, eine gänzlich andere ist. Die Menschen, die aus Rußland kommen, sind erwachsen in einer revolutionären Atmosphäre, in der die Idee des Sozialismus Elementargedanke, kein angelesener Auch-Gedanke, sondern der einzige Gedanke ist, der sie mit beinahe religiöser Kraft tief durchtränkt. Die Welt dagegen, die uns umgibt, ist die des historisch gewordenen Staates, jenes Streben nach organischem Zusammenschluß, das in der westeuropäischen Kultur überall sichtbar hervortritt und das es in Westeuropa, ganz besonders in Preußen-Deutschland zu einer ausgesprochen politischen Bildung gebracht hat Diese zwei Tendenzen haben wir festzuhalten: Bei uns einmal das Zurückfinden zur Gebundenheit, das Herauswollen aus dem individualistischen Chaos des 19. Jahrhunderts und Zurückstreben zu einer neuen Geborgenheit in einem nationalen Leben; dann das andere, das unsere Wege bestimmt, das ursprunghafte Erlebnis des geordneten, gegliederten Staatswesens, das Genährtsein mit dem unmittelbaren Staatsgefühl, an dem die Deutschen seit hundert Jahren gearbeitet haben. Im Osten dagegen ist es die Herkunft aus dem Milieu des Suchens, das Streben, aus Gebundenheit zur individuellen Freiheit zu gelangen, ist es das Leben in einer von Sozialismus geschwängerten Luft, die das ganze Leben und die Gebärde des Menschen ausfüllt und auch in Zukunit das eigentliche Leitmotiv dieser Menschen bleiben muß. Sozialismus ist die eigentliche Dominante auch im zionistischen Erlebnis des Ostens. . ' Wenn wir nun zu überblicken versuchen, was der östjüdische Zionismus in Palästina geschaffen hat und warum er zu so besonderen und großen und auch zu so eigenartigen Leistungen' gekommen ist, die durch- >