Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1925-09-01 · 1 (9.1925) · p. Seite 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
1 (9.1925)
Date
1925-09-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2425321-2425331-2425333--1482-2425454
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

sind ein Teil der großen zionistischen Bewegung und zwar ein Teil der Bewegung, der charakterisiert wird durch seine westjüdische Eigenart Nur dadurch, daß wir dies erkennen und zugrunde legen, werden wir uns gegen den anderen großen, quantitativ überwiegenden Teil der zionistischen Bewegung abgrenzen, nur so werden wir den Weg finden, der unserer Eigenart gemäß ist. Ich glaube nicht, daß es Wert hat, sich seine Fragen zu_Ieicht zu machen, zwischen Möglichkeiten zu schwanken und durch Kompromisse, die man eingeht, sei es mit der Histadruth, sei es mit einer Körperschaft sonst, sich in eine Heimat herüberzuretten, die nicht unsere Heimat werden kann. Ist man davon überzeugt, daß allein im anderen Teile des Jischuw die „Wirklichkeit" steckt, dann soll man sich assimilieren, dann soll man jede Sonderstellung aufgeben und den Mut haben, sich den Körperschanen anzuschließen, die sich in das palästinensische Leben schon eingeordnet und hier sichtbare Formen als Ausdruck und Zeugnis ihrer Art und ihres Willens geschaffen haben. Glaubt man aber, daß im Zionismus des Westens"ebenfalls produktiv-schöpferische Kräfte zu finden sind, .so muß man diese Eigenart erkennen und bejahen. Denn nur dann kann aus ihr eine Kraft erwachsen, die uns fähig macht, an dem Aufbauwerk ebenso teilzunehmen, wie der ostjüdische Teil des Jischuw. Es ist allerdings schwer, uns das Wesen unserer Eigenart in kritischer Betrachtung näher zu bringen. In dieser Hinsicht hat es der ostjüdische Zionismus insofern leichter, als er über ein durchaus bestimmtes, klar umrissenes Programm auf festen Grundlagen verfügt. Seine Eigenart kann gleichsam systematisch und schon sehr anschaulich dargestellt werden, während wir infolge des Fehlens eines dem östlichen entsprechenden jüdischen Volkstums im Westen nur unbildlich sprechen können und darauf angewiesen sind, unsere Anschauung mit historischen Analogien zu begründen. Wie haben wir bisher unsere Stellung zu Palästina betrachtet? Ich glaube häufig sehr dilettantisch. Palästina erschien uns oft nur als ein Land, das auf uns wartet und in das wir als Reorganisatorcn zu kommen haben, die mit bestimmt hervortretenden Meinungen dort leben, und gegen Mißstände auftreten. Eine solche Auffassung übersieht stark das Verhältnis der Quantitäten und wird der Qualität der geleisteten Arbeit nicht gerecht. Unsere Vorstellung krankte an einer falschen Einstellung zum ostjüddschen Werke in Palästina. Wir hatten vergessen, daß wir immer eine Minorität sein werden und uns auf einen gewissen, uns vorgeschriebenen Rahmen unserer Leistungen beschränken müssen. So stehen wir vor der Aufgabe, die Herkunft der ostjüdischen und westjüdischen Menschen klar gegeneinander abzugrenzen. Wir müssen auf beiden Seiten negative und positive Faktoren sehen, um festzustellen, was auf der einen Seite und was auf der anderen geleistet worden ist, und was insbesondere von uns nicht geleistet werden kann. Wenn wir jetzt versuchen wollen, uns an Hand des Status quo in Palästina einen Ueberblick zu verschaffen, so werden wir zuerst die große ostjüdische Leistung, und zwar von drei Gesichtspunkten aus zu betrachten haben, vom staats- .«*■ 23

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.