Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 1 (9.1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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zweitens in ihrer Wirkung viel Schaden anrichtet. Wir stellen ferner fest daß das private Kapital allein ebenfalls nicht imstande ist, Palästina aufzubauen. Der einzige Ausweg liegt im staatlichen, oder für uns richtiger gesagt, im nationalen Eingreifen. I. Palästina kann ohne die tätige Mitwirkung des in der Welt zerstreuten, jüdischen Volkes nicht aufgebaut werden. Das jüdische Volk muß das Mutterland werden, das Palästina kolonisiert. Der Konsum der Juden und ihr Einfluß auf den Weltmarkt muß den fehlenden Konsum Palästinas ergänzen. Ueber die Größe dieser Zahlen bestehen gewöhnlich keine Vorstellungen. Der durchschnittliche Tabakkonsum europäischer Länder beträgt pro Jahr pro Kopf der Bevölkerung ca. 2 kg. D.h. die 15COO0OO Juden verbrauchen jährlich ca. 3OCGO00O kg Tabak. In Palästina ist es bisher nicht möglich gewesen, die 600 000 kg jüdischen Tabak zu verkaufen. (Abgesehen von dem bekannten Kauf Lubliners). Die Zigarettenindustrie in der W7elt ist zum größten Teil in jüdischen Händen. Wenn die jüdischen Industriellen 1 °/o ihres Tabakbedarts in Palästina decken würden, könnten mit Leichtigkeit einige Millionen Kg Tabak produziert werden. Mit 3 000 000 kg Tabak (erforderliche Bodenfläche ca. 60 000 Dunam) wäre eine entscheidende Existenzbasis für Palästina geschaffen. Noch weit wertvoller wäre die Mitwirkung, wenn der Tabak in Form von Zigaretten durch Juden und jüdische Vermittlung konsumiert werden würde. In Palästina müßten Exportfabriken entstehen, die in der Welt für die Palästina-Zigarette einen solchen Ruf zu erringen haben, wie es den ägyptischen Fabriken gelungen ist, obwohl in Aegypten kein Blatt Tabak wächst. Für Wein, Orangen, Früchte etc. sind dieselben Wege möglich. Daß der Wein mit seinen 50 000 hl pro Jahr keinen genügenden Absatz findet, ist bei dieser geringen Menge auch nur eine Folge des Versagens der wirtschaftlichen Hilfe. Das Gegenargument, die Produkte müßten um ihrer Güte und Billigkeit willen bereits überall gekauft werden, ist schon an sich nicht richtig, geschweige denn, für Palästina gesehen. Die englischen Dominions härten zweifellos nicht die schnelle Entwicklung durchgemacht, wenn sie nicht in ihrem Mutterlande, England, einen gewaltigen, bevorzugten Markt gefunden hätten. Um Märkte kämpfen alle Völker der Welt. Sogar Kriege werden geführt, um Absatzgebiete zu erschließen oder zu verteidigen; und wir bilden uns ein, ohne schwere Kämpfe einen Markt für Palästina zu schaffen.* Diese Arbeit bedarf einer sorgfältigen Organisierung. Die zionistische Exekutive muß einen Wirtschaftskommissar ernennen, der die Führung der Hauptprodukte Palästinas verantwortlich übernimmt. Unter seiner Leitung haben die zionistischen Landsmannschaften eine Tozereth Haarez-Bewegung zu schaffen, welche alle ihre Organe für die Propaganda zur Verfügung stellt. Eine richtige Stimmung für eine solche Arbeit zu schaffen, bedarf jahrelanger offizieller Arbeit und kann von privater Seite nicht erreicht werden. All unsere Erfahrungen haben gezeigt, daß es ungleich leichter ist, größte Begeisterung in VersammX ungen zu erwecken, als die kleine 18^