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Blau-Weiss-Blätter · 1925-09-01 · 1 (9.1925) · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
1 (9.1925)
Date
1925-09-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Bloß keine Wohltätigkeil mehr ausüben! Auch wenn sie notwendig ist, sollen sie andere tun. Unser Bund muß von ihr freigehalten werden. Wir wollen frei sein für produktive neue Arbeit. Versorgen können und wollen wir keinen einzigen Menschen. Unser alter Hegriff der gegenseitigen Hilfe als Forderung war bei uns nur als Stärkung des Eini-slnen und damit der Gesamtposition gedacht. Es war mehr nationale Förderung als soziale Unterstützung. Merkwürdigerweise wird auch der Begriff des Dienens oft verwechselt. Dienen ist für uns absolut nicht identisch mit der Tatsache des Angestelltseins. In einer Zeit, in der 99% aller Menschen schwer um ihre Existenz zu ringen haben, muß man erst fähig sein, sich selbst zu ernähren. Wenn man darüber hinaus seinem Volke dienen, das heißt ihm von eigener Kraft noch geben kann, dann erst wird die nationale Leistung wertvoll. Beamte des Bundes sollen daher nur reine arbeitende Sekretäre sein, niemals aber wollen wir den Priester als Beruf schaffen. Selbst wenn vorübergehend solche Notwendigkeiten sich ergeben haben, sollen sie möglichst schnell beseitigt werden und zwar sowohl im Interesse dieser Menschen selbst als auch für den Bund gesehen. Der Bund muß also wieder eine Sammlung von Kräften werden, frei von Lasten, mit denen er doch nicht fertig werden kann. Als solcher wird er wieder einen Aktionsradius erhalten und mit dem Zunehmen desselben auch seinen Kredit bekommen, der heute z. T. noch in der großen zionistischen Welt besteht. Die Menschen des Bundes müssen bündnisfähig sein. Sind sie es nicht, können sie nicht zum Bunde im engeren Sinne gehören. Der Gedanke, daß die Verpflichtung eine gegenseitige, das heißt, daß der Bund auch dem einzelnen gegenüber verpflichtet sei, tötet die Kraft des Bundes. In einer Armee haben Kranke und Krüppel keinen Platz. Die Versorgung ist schon genügend bei der zionistischen Organisation in Palästina vorhanden. Unsere Aufgabe kann sie nicht sein. Der schaffende Mensch hieß früher das Bild unserer Erziehung. Für diesen ist Leistung der einzige natürliche Maßstab. Die heute uns abschreckende Art der Jugendbewegungen, bei welcher der „prächtige" Mensch das Werturteil war, muß aufgegeben werden. Dieser pflaumenweiche Typ hat genug Unheil angerichtet, um endlich verschwinden zu körinen. In unserer Erziehung sollen wir wieder auf die einfachen Dinge zurückgreifen. Jede Fähigkeit, die wir einem Jungen beibringen, hat ihren absoluten Wert und stärkt seine Person und seinen Charakter. Die tatsächlichen Dinge unseres Lebens, das Wandern, die körperliche Entfaltung, sie haben viel mehr geleistet als alle „menschliche0 Erziehung. Wenn wir uns deren Resultate überlegen, so müssen wir sagen, daß sie sehr geringe sind. Wo sind heute die Führer, die der Bund erzogen hat! Ist es überhaupt möglich, durch sogenannte Erziehung große oder größere Menschen zu erzielen? Ich glaube es nicht. Aber auf der anderen Seite kann man feststellen, daß alle größeren Dinge dieser Welt von Ideen bestimmt worden sind. Die rlerzl'sche Idee hat diese „kleinen mießeri Juden" nach Palästina geführt und dort heroisch leben lassen. Ergriffen von Ideen wachsen Menschen bedeutend über ihre Grenzen hinaus. Nicht die Menschen sind das Wichtige des Bundes. 13

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