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Blau-Weiss-Blätter · 1925-09-01 · 1 (9.1925) · p. Seite 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
1 (9.1925)
Date
1925-09-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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Alles Lamentieren über die Kleinheit unserer Leute ist sinnlos. Nur die Idee ist entscheidend. Der Wert der Menschen wird bestimmt, ob und inwieweit sie die Idee verkörpern. In seinen historischen Miniaturen versucht Strindberg zu zeigen, wie seltsame Menschen historische Sendungen erfüllen. Kein Mensch von uns kann den Richter spielen, welche Charaktere an sich gut oder schlecht sind. .Für uns kann nur entscheidend sein, wer der Sache hilft, wer die Idee stark macht und sie siegen läßt. Das ist der allgemeine sachliche Standpunkt. Durch ihn wollen wir uns von allen mischpochalen Anwandlungen unterscheiden. Unsere Bindung ist die gemeinsame Aufgabe und nicht Freundschaft oder andere sympathischen Beziehungen. Die Sache kann uns auch von besten Freunden trennen, wie sie allerdings auch zu männlichster Treue und Bindung führen kann. Eine Idee, auch wenn sie nur von wenigen Menschen getragen wird, kann eine Welt überzeugen und formen. Sie wieder in ihrer ursprünglichen Reinheit zu erarbeiten, den Prunner Bund als beginnende Verkörperung dieser Idee neu zu erringen, das ist unser jetziger Weg. Gewiß können wir Form und Bilder nicht mechanisch kopieren. Aber der Grundgedanke des Blau-Weiß ist immer derselbe geblieben. Es ist die Idee von einem Bunde revolutionärer unbürgerlicher Menschen, die kühn und stark genug sind, ungewöhnlich: Wege zu gehen und Handlungen auszuführen. Menschen, die unentwegt in immer neuer Zähigkeit an ihren einmal erkannten Wahrheiten festhalten und ihr Weltbild dieser Zeit aufdrängen wollen. Ihr Arbeitsfeld sind die jüdischen Bürger, nicht als Feinde, sondern als zu gewinnende Objekte. Diese unbürgerlich zu machen, ihren Personen und ihrer Arbeit einen größeren nationalen Zusammenhang und damit einen höheren Wert zu geben, ist das schwere Werk unseres Zionismus, ungleich schwerer als nur die »Jungen und Armen", wie Herzl in der Menorah schreibt, zu erfassen. Dieser Weg wird einen langen Kampf kosten. Die einfachsten Dinge werden nur von Genies erfunden und die einfachsten Wahrheiten sind immer die größten. Die meisten Menschen aber bedürfen der schönen, ästhetischen oder ethischen Programme, mögen sie Kulturzionismus oder Sozialismus heißen, um die vitale Kraft der reinen ursprünglichen Idee zu ertragen. Und so entsteht in allen Bewegungen die Gefahr, daß ihre wirkliche Quelle getrübt und in unfruchtbare Böden abgeleitet wird, bis sie schließlich jede Bedeutung verliert. Wir haben daher die Aufgabe, unseren nationalen Zionismus wieder freizumachen von allen Ueberwucherungen fremder Gesinnungen. Unsere Idee ist jener einfache Gedanke, daß es ein Glück ist, für sein Volk leben und wirken zu können, ein noch größeres, an einer historischen Gegenwart entscheidenden Anteil zu nehmen. Um dieses Glückes willen sind Millionen von Menschen freudig gestorben und in dieser nationalen Idee haben die Völker den wahren Sinn ihres Lebens gefunden. Werden wir endlich fähig sein, jenen einfachen normalen Weg zugehen? Oder müssen immer wieder alle Bedenken und Klugheiten herhalten, um den ersten schönen Anlauf des Bundes Blau-Weiß endgültig zu hemmen 1 Aber selbst wenn es uns gelingt, den einheitlichen Bund zu schaffen, was können wir schon mit unseren Menschen leisten? In seinem Luther- 14

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