Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 1 (9.1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Wie lächerlich klingen die heutigen Behauptungen, als ob Kapitalismus gegenüber Sozialismus die Frage des Blau-Weiß wäre. Der Bund Blau-Weiß war schärfster Gegner alles individuellen Egoismus. Kapital war das Mittel unserer nationalen Idee, ein außerordentlich wertvolles Mittel, die moderne Armee mit Wirtschaftsführern als Generälen. Niemals war das bürgerliche Streben nach Existenz und Reichtum ein erlaubter Gedanke im Bunde. Aber als Energiequelle, als Ansatzpunkte für Einfluß und Anteil am Aufbau Palästinas und unseres Volkes haben wir sie sehr, sehr ernsthaft geschätzt und gewertet. Der deutsche Zionismus hat unsere Idee nie begriffen. Es ist das tragische Schicksal der Bewegung, daß diese Landsmannschaft, die ihrer Herkunft, ihrer Bildung und ihren Möglichkeiten nach die wahre Erbin von Herzl sein konnte und mußte, des einzigen Führers-und Propheten unseres Volkes, den unsere Zeit erleben durfte, daß dieser deutsche Zionismus seine große historische Sendung nicht erfassen konnte. Der deutsche Zionismus ist von seinen entscheidenden Menschen an die östliche Bewegung übergeben worden. Er hat verzichtet, aus eigener Kraft seinen Teil am jüdischen Volke zu schaffen, und so ist er ein Anhängsel jener anderen Richtung geworden, die heute den Zionismus charakterisiert. Durch seine Leiter ist der deutsche Zionismus und mit ihm der westeuropäische zu der Bedeutungslosigkeit herabgesunken, die alle heute bedauernd konstatieren. In Palästina sind die wenigen deutschen Emigranten zur demoralisierenden Assimilantenhaltung verurteilt und im Weltzionismus haben sie nur eine aufgeblähte, ihnen wirklich nicht mehr zukommende Geltung" wegen sogenannter organisatorischer Tüchtigkeiten, die von der Außenwelt unsinnig überschätzt werden. Ohne Zweifel sind von vielen Beamten hingehendste Arbeit geleistet und auch gewisse Sammelresultate erreicht worden. Aber das wahre Ziel ist auf diesem Wege verloren gegangen, ein deutschjüdischer Zionismus mit führenden Kräüen, mit eigenen Werken und eigenem Charakter in Palästina nicht gebildet worden. Der Zionismus ist eine ostjüdische Sache geblieben, die. deutsche Unterstützung erfahren hat. Aber die mächtigen und wirkungsvollen Kreise des Westens sind nach wie vor innerlich unberührt, in ganz wenigen Exemplaren höchstens für Spenden gewonnen. All die unzähligen tüchtigen Kräfte, die den sagenhaften Ruf jüdischer Macht in der Welt geschaffen haben, s*ehen außerhalb, dienen und wirken weiter für fremde Völker und nur die Sendboten des Schnorrlandes Palästina gelangen wie die alten Chalukkahboten auch in ihre Paläste. Eine weitere Erkenntnis des alten Bundes war, daß die palästinensische Arbeiterschaft nicht die Führung-des jüdischen Volkes darstellen konnte. Dem Aktivismus unserer Bundesleitung wäre ein siegreicher Bolschewismus nur sympathisch gewesen. Bürgerliche Moiive waren es gewiß nicht, die uns abhielten, mit vollen Segeln auf dieses allgemein anerkannte Ziel zu steuern. Es war die Erkenntnis, daß das jüdische Volk, dieses Mittelstandsvolk par excellence, nur aus seiner eigenen Schicht hergeführt werden kann. Eine Arbeiterklasse konnte immer nur geldsammelnd dem Volke gegenübertreten, aber nie dasselbe regieren. Dieses Volk mußte von seiner obersten 10