Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 1 (9.1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Träger der neuen Erlösungslehre zu sein. Aus dieser Konsequenz ihrer Ideen entstanden jene Typen palästinensischer Arbeiter, die auf alle Reisende immer wieder einen ergreifenden Eindruck machen, die trotz aller Fehler, Schwächen und seelisch engf Haltung der Arbeiterschaft ihre imponierende Wirkung gegeben haben. Unser Zionismus hatte andere Ursachen. Der Blau-Weiß stellte bis Prunn die höchste soziale Schicht im Zionismus dar. Besonders in Berlin, aber auch in vielen Provinzbünden, war es gelungen, Kinder „bester" Kreise in den Blau-Weiß zu werben. Die erste Praktikantenschaft waren fast alle aus wohlhabenden Familien, so daß man in Palästina bei Verhandlungen stets von erheblichen Geldbeiträgen unserer Landwirte für ihre Kolonisierung sprechen konnte. Erlösung aus politischer Verfolgung und wirtschaftlichem Elend waren damals noch unbekannte Vorstellungen. Und so war die Bedingung gegeben, für jene von Herzl gewollte „aristokratische" Auffassung. Die passive Natur der Erlösungsidee widerstrebte aufs äußerste diesem lebensfreudigen Bunde. Er hatte das maßlose Selbstvertrauen, sich nicht erlösen lassen zu wollen, glaubte an keine selig machenden Theorien, sondern er wollte durch die Summe seiner Potenzen als gestaltende Krafi wirken. Für ihn hieß Bund, vorhandene und werdende Energien zu gemeinsamer Aktion zu vereinigen, für ihn war Bund: Bündnis von bündnisfähigen Menschen, die ausnahmslos zu geben vermochten. Die sittliche Idee war der hingebende Dienst am Volke und Bunde. Aber dienen hieß geben und geben können. Ein Kommunismus, bei dem die Beschwerung auf das Nehmen, die gerechte Verteilung allen Kapitals und Einkommens gelegt wurde, war innerlich fremd und nicht geschätzt. So selbstverständlich auch die Fahrt und sogar die Kolonievorstellung den Kommunismus kannte, so wenig dogmatisch waren diese Dinge. Denn unsere Gemeinschaft war freiwillig gewollt und nicht durch äußeren Druck erzwungen. Es war das Bild einer kämpfenden Armee, die wichtigere Sorgen hatte, als an wirtschaftlichen Ausgleich oder Verbesserung der ökonomischen Lage ihrer Mitglieder zu denken. Als Fragen des Einzelnen spielten sie keine Rolle. Nur als politische Idee war sie Streitpunkt, der immer gegen die Sozialisten im Bunde entschieden wurde. Der Bund war ein gestufter Bund mit wesentlichen Rangunterschieden. Die Gleichheitsidee wurde heftig abgelehnt. Führer, Bundesleitung waren sichtbare und geforderte Rangunterschiede. Zionistisch wurde unsere Idee bestimmt durch den Glauben, daß eine Sammlung leistungsfähiger Männer eine unerhörte Macht schaffen müsse, die. endlich imstande wäre, das jüdische Volk zu führen oder durch die Führung, das jüdische Volk erst zu schaffen. In dieser chaotischen, "nur durch Sentiments und Antisemitismus noch zusammengehaltenen jüdischen Gesellschaft sollte endlich eine anerkannte Kraft erwachsen, "die in aller Welt zerstreuten Juden mit ihren zahllosen wirtschaftlichen Beziehungen und Einflußsphären zu einer großen nationalen Macht vereinigt werden. Eine neue nationale Wirtschaft sollte entstehen. Palästina der herrschende Staat des neuen Orients, getragen und gestärkt durch seine Bürger in der Welt. Ein zweites Venedig, Holland, England, das waren unsere Bilder. .9