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Blau-Weiss-Blätter · 1925-09-01 · 1 (9.1925) · p. Seite 8

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
1 (9.1925)
Date
1925-09-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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II. Was hat der Bund Blau-Weiß gewollt? Der Blau-Weiß hat seit dem Beginn seines bewußten Stadiums einen ununterbrochenen leidenschaftlichen Streit gegen den herrschenden Zionismus geführt. Angefangen in Berlichingen, wo der erste Zusammenstoß mit der orthodoxen Kulturrichtung erfolgte, über Jugendtag, Sachsenheim bis Prunn, hat die Bundesführung gegen alle ethischen Erlösungsideen gekämpft. Von diesen Kämpfen scheint heute vorläufig die Kulturerlösung überwunden, jener am stärksten von Scholem vertretene Gedanke, daß in der Assimilierung an die jüdische Kultur mit ihrem notwendigen Erkennen der Minderwertigkeit der Westjuden gegenüber den Ostjuden die Hauptaufgabe des Zionismus läge. Viel stärker, besonders durch die Wirklichkeit Palästinas verschärft, traten die sozialistischen Erlösungsbewegungen hervor. In ihnen verkörperten sich die stärksten nationalen Faktoren des palästinensischen Jischuw. Von ihren Erfolgen, heroischen Taten waren alle zionistischen Zeitungen erfüllt. Sie stellte die einzige bekannte Einwandererzahl nach dem Kriege dar. Kurz, der Zionismus schien in Palästina nur in der Form der Histadruth sichtbar und möglich zu sein. Der Blau-Weiß war die einzige Jugendbewegung, die sich dieser Entwicklung nicht anschließen wollte, sondern ein eigenes anderes Bild Palästinas und der zionistischen Bewegung entwarf. Worin bestanden nun die grundsätzlichen Gegensätze? Erstens stammte unser Zionismus aus anderen Quellen als der ostjüdische. Im Osten waren die Zionisten, wie die meisten Juden, eine kleinbürgerliche Schicht, die noch unter starker politischer und wirtschaftlicher Verfolgung litt. Alle Erscheinungen einer Masse, die als Ganzes bedrückt wurde, traten bei ihr hervor. Zionismus war nur die Verweitlichung uralter religiöser Empfindungen. Zionismus war.der moderne Messianismus. Endlich aus dem schrecklichen Druck aller Verfolgungen erlöst zu werden, das von Gott verheißene Zion aufzubauen, von dem das Heil der Menschheit ausgehen soll, aus dem unerträglichen täglichen Leiden und Sorgen um eine kümmerliche Existenz zu einer nie gekannten Freiheit zu gelangen, aus diesem Dasein, gegen das die Einzelnen nicht aufkommen konnten, durch ein neues gesellschaftliches System sich und die Weit zu erlösen, — das war der östliche Zionismus. Palästina war für diese Menschen nicht ein Auswanderungsland wie Amerika, in dem durch schweren Kampf jeder emporstreben wollte, gefördert durch jene seltene Beharrlichkeit und Konzentrierung aller Energien aui den wirtschaftlichen Aufstieg, der bei so vielen von ihnen die großen Erfolge schaffte; sondern nach Paiästina gingen nicht die „tüchtigen" Menschen, auch i 'cht die tüchtigen Arbeiter. Es waren die „Schwärmer in Israel", Gymnasiasten und Studenten, leicht bewegliche und nirgends (auch beruflich nicht) verwurzelte Naturen, eine Freiwilligen- Armee, die, wäre ein Krieg notwendig gewesen, sicherlich große Heldentaten vollbracht hätte, aufopterungswillig bis zu jener nur bei verbissenen Dogmatikern möglichen Radikalität und beherrscht von dem starken Glauben, 8

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