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Blau-Weiss-Blätter · 1925-09-01 · 1 (9.1925) · p. Seite 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
1 (9.1925)
Date
1925-09-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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natürlichen Bedingungen und auch mit seinen Arabern in freudiger Gegenwart bejaht werden kann, sondern es ist ein fernes Himmelreich, in dem eine Summe von Prinzipien und Dogmen als göttliche Gesetze herrschen soll; in dem die Wirklichkeit nicht erkannt und gewürdigt, sondern alles gemessen wird an einem Sein-Sollen, das noch nicht besteht. Jede einzelne Erscheinung wird daher nicht auf ihren tatsächlichen Wert oder Nutzen geprüft, sondern vielmehr, ob sie zum Zukunftsbilde paßt oder dasselbe stört. Ein Hamaschbir wird deshalb gewollt und gepflegt, auch wenn er sehr schlecht ist und vielleicht nur schadet, und ein Wertheim, um jenes ominöse Beispiel wieder zu gebrauchen, würde verurteilt und bekämpft werden, auch wenn er dem Kunden und-dem Konsum ganz anders dienen könnte als die sozialistische Genossenschaft. Aus diesen Gründen ist es unmöglich, in Palästina verantwortliche Männer zu" finden, mit denen man über die großen sachlichen Fragen des Landes, über das Werden seiner Produkte, die Bildung der Existenzbasis für die Einwanderer und Einwohner sich ernsthaft besprechen kann, sondern alle Auseinandersetzungen bewegen sich auf dem unfruchtbaren Niveau „religiöser" Disputationen, bei denen man über unwirkliche Antithesen wie Landwirtschaft oder Industrie, und ähnliche Fragen sich streitet. (Vielleicht ist auch obige Diskussion nur wieder vorgeschoben, um die wahre Antithese, alleinige Disposition der Gelder durch die Kistadruth oder auch anteilige Verfügung zu Gunsten von Kapitalisten zu verbergen.) Auf die kolonisatorischen Gefahren jener oben skizzierten Richtung und insbesondere auf die Schäden des sozialistischen Aufbaus soll in einem nächsten riefte ausführlich eingegangen werden. Hier kann nur festgestellt werden, daß es der im Zionismus herrschenden Klasse, die im wesentlichen aus Parteisekretären besteht, nicht gelungen ist, die Kolonisation Palästinas in irgend einem überlegenen Sinne zu leiten und zu führen, daß auf der anderen Seite die zionistische Organisation keinesfalls sich zu einem jüdischen Volke erweitert hat, daß vielmehr ein unerhört kleiner Kreis von Beamten h^ute die Bewegung in ihrer Gesamtkraft verkörpert, daß statt lebendigen Erfassens wertvoller Menschen mit ihren Potenzen der Zionismus zu einer Schnorrbewegung mit nationaler Tünche degradiert worden ist, dessen Resultate noch bei weitem nicht an einen Baron Rothschild oder an eine Sammlung wie des Joint Distribution Commitee. heranreichen, daß nach wie vor alles in jener unerträglichen Kleinheit und Beschränktheit stecken geblieben ist, die ernste schaffende Menschen immer wieder abschreckt und daß alle diese Schwächen verkleistert werden mit unklaren ethischen Saucen und Phrasen. Auch der Histadruth, die wenigstens ein Programm besitzt, kann der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß sie aus opportunistischen Gründen an der Verheimlichung ihres wahren Willens, nämlich der „Diktatur des Proletariats" dauernd mitgearbeitet hat. Planlos, führungslos und daher recht erfolglos, so erscheint heute die zionistische Bewegung oder ist seit langen Jahren ihr immer wiederkehrendes krisenhaftes Bild. 7

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