Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1925-09-01 · 1 (9.1925) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
1 (9.1925)
Date
1925-09-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2425321-2425331-2425333--1465-2425437
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Palästina wird von Arbeitern aufgebaut. Die Form des Aufbaus geschieht durch kommunistische oder genossenschaftliche Korporationen, welche die obersten Grundsätze des palästinensischen Sozialismus anerkennen (wie Awodah Azmith). Die Ausschaltung von Unternehmern wird durch Bildung von Arbeiterunternehmungen wie Hamaschbir, Solei Boneh, Arbeiterbank etc. versucht. Die Mittel des Aufbaus werden aus öffentlichen Fonds gegeben. Die Fonds werden durch Sammlungen in Form von Opferspenden von Juden der Welt aufgebracht. Das geistige Lockmittel für die Kapitalisten zur Maasser-Leistung ist die Vorstellung der Produktivierung der jüdischen Jugend, der heroischen Aufopferung dieses edelsten Teiles unseres Volkes und die Schaffung eines neuen Menschheitstypus, dem das große Weltproblem, geistige und körperliche Arbeit ideal zu verbinden, endlich gelungen ist. Die sozialistischen „Neben"-Erscheinungen werden von Ruppin und anderen mit praktischen Begründungen augenblicklicher Notwendigkeiten wie Kwuzah-Bildung aus Geldmangel, beste Okkupationsform und. aus den tatsächlichen Gegebenheiten der östlichen, vom Sozialismus erfaßten Jugend entschuldigend erklärt. Noch niemals hat Ruppin als Leiter der zionistischen Kolonisation sich zu einem sozialistischen Aufbau bekannt. Aber immer hat er ihn verteidigt und zu erklären versucht. Die persönliche Anteilnahme von Kapitalisten in Form von Kapitalshergabe für Gesellschaften und eventueller persönlicher Arbeit hat man im Anfang heftig bekämpft. Rubaschow hat so noch in seinem Büchlein jedes Privatkapital als notwendig national-schädlich hingestellt. Oder man hat national-ökonomisch bewiesen, daß Privatkapital unmöglich in Palästina arbeiten wird (Arlosoroff). Und schließlich, als die Tatsache des heutigen Ueberwiegens der kapitalistischen Einwanderer nicht mehr zu verheimlichen war, hat man fast in jeder Nummer der zionistischen Zeitungen die warnende Stimme vor den Gefahren der vierten Alijah erhoben. Bloß über die Gefahren der sozialistischen Kolonisation wird man vergebens Leitartikel suchen. In diesem Zusammenhange muß auch die Entwicklung jener heute herrschenden zionistischen Richtung begriffen werden. Die geistig-kulturelle zionistische Bewegung, die den Herzl'schen „inhaltlosen" Nationalismus besiegt hat, sieht in Palästina im wesentlichen jenes geistige Zentrum, das Achad Haam als sein Palästinaziel gefordert hat. Für sie, und hier ist besonders der Einfluß Bubers und seines Prager Gefolges bemerkbar, ist der Zionismus ein Teil jener großen ethischen Ideen der Jetztzeit, die die Menschheit zu einem neuen Glück erlösen sollen. Sozialismus und Zionismus sind daher nicht getrennte Dinge, sondern nur verschiedene Formen desselben Willens, die zu einer vollkommenen Deckung zu bringen letzte Auigabe sein muß. Bubers Satz vom Jugendtage „Palästina wird sozialistisch sein oder wird nicht sein", ist das Leitmotiv aller gutgesinnten Zionisten geworden, selbst wenn sie diese Forr in ihrer ehrlichen Deutlichkeit ablehnen. Für diese Menschen war eine nationale Willensäußerung, wie sie in Prunn dokumentiert wurde, mit jenem freien Mute zur nationalen Größe und Macht eine gefährliche Bedrohung ihres ethischen Geistes. Für diese Zionisten ist Palästina nicht das Land, das in seiner wundervollen Schönheit mit seinen 6

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.