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Blau-Weiss-Blätter · 1925-09-01 · 1 (9.1925) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
1 (9.1925)
Date
1925-09-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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wiegt, so ist diese Erscheinung kein Erfolg zionistischer Arbeit, sondern trotz der zionistisch-sozialistischen Bewegung kommen Juden nach Palästina aus äußerer und innerer Judennot, um in ihrem Lande zu leben. Mit dieser Feststellung ist noch kein Urteil über den Wert des sozialistischen Aufbaus verknüpft. Es soll nur festgestellt werden, daß wie in allen wesentlichen Fragen die zionistische Organisation keine erkennbare Richtung vertritt. Seit Jahren habe ich den leitenden Männern der Organisation vorgeschlagen, die Kolonisation der Arbeiterschaft zu übertragen. Damit wäre endlich eine Entscheidung gefallen und wir hätten eine verantwortliche Instanz. Aber, aus all den unseligen Vereinsprinzipien, bei denen jeder Vorstand alle Richtungen vertreten muß, bei denen jeder Beschluß ein Kompromiß aller Meinungen darstellt, ergibt sich jenes farblose und Menschen nicht mehr werbende und packende Bild einer Kille-Wirtschaft, die nur noch den kleinen, engen Kreis der an ihr beteiligten Partei-Sekretäre befriedigt oder richtiger gesagt beschäftigt. Hätten wir heute ein sozialistisches Aufbauprogramm, so glaube ich, daß trotz politischer Schwierigkeiten von Seiten Englands ein solches Programm auch seine Wirkung haben wird. Vor allem aber könnte dann neben der sozialistisch-zionistischen Bewegung Platz geschaffen werden für eine zweite neue zionistische Organisation, die dann in ihrem Sinne am Aufbau mitwirken kann. Solange jedoch die zionistische Organisation um der politischen Arbeit willen am Einheitsgedanken festhält, bedeutet jedes Herausgehen eine schwere Störung des nationalpolitischen Gedankens.. Vielleicht kann hier die Jewish Agency helfen, die die berufene politische Vertretung des jüdischen Volkes darstellt. Der Gedanke einer Auflösung der zionistischen Organisation darf nicht als absurd abgetan werden. Eine Einheit bloß um der Einheit willen, ist genau so unsinnig wie ein Bund nur um des Bundes willen. Eine zionistische Organisation, die in Wirklichkeit kaum einige hundert ernste hingebende Mitglieder umfaßt, die fast nur aus Parteisekretären und Sammelapparaten besteht, darf sich nicht mit dem jüdischen Volke verwechseln. Palästina und jüdisches Volk existieren auch außerhalb der „Meineke-Straßen". Aus dem Fehlen der Richtung erklärt sich die trostlose Planlosigkeit der Kolonisation, die von Tageskompromissert "bestimmt wird und keine langfristige konstruktive Idee aufweist; aus diesem Fehlen der Richtung entstehen auch jene unsympathischen Unehrlichkeiten, die in allen wesentlichen Fragen in Erscheinung treten. Genau wie der Landesvorsiand der deutschen Zionisten in derselben Resolution sich für und gegen eine landsmannschaftliche Siedlung ausspricht, sehen alle zionistischen Beschlüsse aus. Der Dawar, die Tageszeitung der Histadruth, schreibt z. B. einen großen Leitartikel für die panasiatische Bewegung gegen die Engländer und fordert engste Verbrüderung mit Arabern. Auf der anderen Seite ist die Histadruth die Vorkämpferin. für den Boykott arabischer Arbeit, der schlimmsten „nationalen'^ Waffe. (Ich erinnere auch an die oft bei prominenten. Arbeitern wahrgenommene Verachtung und Beleidigungen den Arabern gegenüber). Soweit überhaupt von einem bewußten zionistischen Plane gesprochen werden kann, sieht er etwa so aus. 5

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