Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 5 (7.1923)
- Date
- 1923-07-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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derem kamen. Später blieb •nur der Dienst während des Tages im Lager; alle übrigen verließen es nach dem Frühstück und fanden sich erst wieder zur großen Mahlzeit nachmittags um 5 Uhr ein. Wir gingen wegen der großen Zahl unserer Leute selten alle zusammen, sondern meist in Gruppen geteilt fort. Da konnte man mit einem Frettchen auf iKaninchenjagd gehen, am Seeufer Aale angeln, die nicht anbeißen -wollten oder man machte eine richtige Fahrt. Oft auch fanden wir uns alle schon um Mittag wieder im Lager zusammen, um dann den Nachmittag mit gemeinsamem Raffballspiel und Singen zu verbringen. Du wirst aus alledem ersehen, daß es für uns nicht so einfach zu sein scheint, ohne weiteres die Lagerformen der Boy-Scouts oder anderer auf unser Leben zu übertragen; so trug auch unser Lager noch den Charakter einer Fahrt mit Standquartier. Jeden abend versammelten sich alle Jungens im Kreise, um das große Pau-Wau-Feuer, an dem das Abendbrot eingenommen und danach gesungen wurde, und schließlich der Führer das morgige Programm und, was sonst wichtig schien, verkündete. Mit dem Pau-Wau war dias Tagesleben beendigt; es war zugleich der Beginn der ersten Nachtwache, die eine Stunde dauerte und wie auch alle anderen, nur von einem Jungen versehen wurde. Es bliebe vielleicht noch übrig, die etwas von dem „Dienst" zu erzählen. Es ist keine so ganz einfache Sache, mehr als 30 Mann zu verpflegen und außerdem noch das Lager m Ordnung zu halten. 6—7 Mann waren vollauf beschäftigt. Sie mußten morgens wegen des Frühstücks eine Stunde vor den übrigen aufstehen. Wenn diese das Lager verlassen hatten, mußte der Platz und das Schlafzelt, gesäubert werden, die Zeltbahnen nachgespannt und eine Menge anderer Dinge getan werden, um auszubessern oder gar neue Dinge im Lager zu bauen, etwa einen Steg oder Tisch. Gleichzeitig begannen womöglich schon andere mit den Vorbereitungen zum Mittagbrot, denn selbst der große Herd erlaubte nicht, alles gleichzeitig zu kochen. Dann waren große Mengen von Holz herbeizuschaffen und schließlich mußte oft eine Expedition ins nächste Dorf geschickt werden, um Nahrungsmittel, hauptsächlich Brot und Fett einzukaufen. So verging der Tag im Fluge und das Essen war jedenfalls nie* zu früh fertig. Alles dies wird dir vielleicht ein schwaches Bild von unserem Leben gegeben haben. Auch die praktischen Dinge werden für euch vielleicht einmal von Bedeutung sein, und es wäre die Aufgabe eines späteren Briefes, einmal eine Liste aller für ein Camp notwendigen Dinge zusammenzustellen. Auf jeden Fall haben wir gesehen, daß mich das Lagerleben für den Blau- Weiß manches bedeuten kann, und daß diese Formen uns vielleicht einmal ebenso entsprechen werden, wie das Wandern. 79