Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 4 (6.1923)
- Date
- 1923-06-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bundestag | Einige Gedanken über den Bundestag. (Aus einem Briefe.) „Ich will nun aufhören, über unseren Bund und seine Fragen zu schreiben, da in kurzer Zeit der Bundestag: unseres ganzen Bundes stattfinden wird. Ich wünschte nur, daß jeder Führer eines Zuges schon jetzt seine Aufmerksamkeit auf den Tag des Bundes richtet. Du wirst vielleicht diesen Wunsch als"überflüssig empfinden, da sich doch jeder Blau-Weiße bis zum kleinsten jungen schon einige Monate vorher auf den Bundestag freut. Ich will Dir erklären, was ich meine. Wenn ich die letzten Bundestage in der Vorstellung an mir vorüberziehen lasse, so sehe ich, daß wohl eine große Zahl von Blau-Weißen zum Bundestag erschienen war, daß aber das Bild des Bundestages nur von den Hauptbünden — fast ausschließlich von Berlin und Breslau — bestimmt wurde. Ich kenne Deinen etwas resignierten Einwurf: „Ja, das liegt an der schnelleren und weiteren Entwicklung der Mauptbünde." Du hattest schon bis zum letzten Bundestage damit nur zu einem kleinen Teile Recht. Denn das Bild wird durch diejenigen Menschen bestimmt, die aktiv den Bundestag vorbereiten und ihn gestalten. So kommt es allerdings darauf an. w i e man zum Bundestage kommt- Und das ist es, was mich immer so sehr betrübt hat. Der größte Teil unserer Führer und Jungen kam immer mit großen Erwartungen zum Bundestag, daß ihnen dort etwas „vorgesetzt" werde. Sie waren meist passiv und erwarteten „das Schauspiel des Bundestages" wie ein Theaterbesucher die Aufführung eines Stückes. Wer den Bundestag als ein Theaterstück, — gespielt von den fiauptbünden — empfindet, der sollte fortbleiben- Wer aber glaubt, daß der Bundestag unser und damit sein Bundestag ist, dessen Einstellung muß eine gänzlich andere sein. Vielleicht zeigt Dir ein Beispiel besser als lange Darlegungen, was ich meine. Ich -kenne einen Berliner Führer, der im Laufe einer Unterhaltung über den Bundestag seinen Jungen sagte: „Nur wenn jeder von euch "glaubt, daß das Gelingen des Bundestages gerade von seiner Aktivtät abhängig ist. kann er gelingen. Euch wird der Bundestag nur dann etwas bedeuten, wenn ihr nichts erwartet, sondern alles selbst tun zu müssen glaubt. Bei allen gemeinsamen Veranstaltungen müßt ihr mit großer Freude dabei sein. Wenn gespielt wird, müssen alle spielen, wenn gesungen wird, müssen alle singen, gemeinsame Mahlzeiten müssen pünktlich und gemeinsam sein und so fort. Zugleich Einordnung in den Rahmen der Gesamtheit, damit nicht Unbescheidenheit Merkmal unseres Zuges zu sein scheint-" Mit dieser Einstellung müßten alle Blau-Weißen zum Bundestag kommen. Ganz besonders zum diesjährigen. 61