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Blau-Weiss-Blätter · 1923-06-01 · 4 (6.1923) · page 11

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1923-1924) Neue Folge
Issue
4 (6.1923)
Date
1923-06-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Schluß, dies oder jenes Handwerk als Beruf fürs Leben zu wählen. Eines aber erkannte man allgemein: Es war hier nötig:* daß sich jeder Einzelne, so klug und geschickt er war, miteinordnete unter eine Leitung; dadurch nur konnte das Werk geschaffen werden. — Und doch war man dabei selbständig. Man arbeitete in kleinen Gruppen, jede Gruppe hatte ihre Arbeit und trug für diese Arbeit volle Verantwortung. Jeder war stolz auf sein Werk, wußte aber zugleich, daß es nur ein kleiner Teil war. Mittags dann, wenn man beim Essen beisammen saß (eine Gruppe hatte gekocht) und sich erzählte, wenn man sang oder spielte, und abends wenn man zusammen nach Hause marschierte, waren all* die kleinen und kleinsten Gruppen wieder aufgelöst und verschmolzen zu einer Einheit. — Probleme des Zusammenlebens, die man vorher erörtert hatte, waren hier durch das Leben einfach gelöst worden- — Es war wirklich wie ein Erwachen über den Bund gekommen. Und wir alle waren selbst überrascht von dem Leben, das entstanden war, wie es sich ausdrückte auf Arbeit und Rast, auf Feiern und Festen. (Darüber bei Gelegenheit ausführlich.) Der Bund war fest und stark geworden und breitete sich aus, und der Gedanke der Verpflichtung — nicht nur für den Bau — für jede Bundesarbeit war durchgedrungen. Auch Heimabende und Kurse waren stärker mit dem Leben verbunden, erweiterten die Erfahrungen bei der Arbeit und gaben so mehr Anregung als vordem. Freilich auch manches Störende hatte der Bau zur Folge. Die Fahrten mußten unterbleiben, die Bildung einzelner Züge war zunächst behindert. Jedoch um die Schwierigkeiten zu beseitigen oder zu vermeiden, ermöglichte man es allmählich, daß einzelne Züge ab und zu auf Fahrt gingen, und heute, wo die Arbeit gegen anfangs abgenommen hat. ist ziemlich regelmäßig Abwechslung zwischen Arbeit und Fahrt. — Im Sommer aber, so hoffen wir, werden wir in unserem Heim wohnen, werden Bauern und Handwerkern im Dorfe bei der Arbeit helfen und einen Vorgeschmack des Lebens haben, das wir später in der Kolonie leben werden. — Von der Lust des Sehens. Es Vird schon manchem aufgefallen sein, daß der Eifer zu Dhotographieren, bei uns mäßig ist, der Eifer, gut zu photographieren aber fast garnicht besteht. Oft genug ist beklagt worden, daß nur wenige von uns zu zeichnen verstehen und, was schwerer ins Gewicht fällt, daß eine allgemeine Freude zum Zeichnen unbekannt ist. Nach wie vor wendet man sich kopfschüttelnd, auch nach der Lektüre des Aufsatzes im Breslauer Heft, mit dem hundertsten Eingeständnis der Unfähigkeit ab, um 55

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