Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 4 (6.1923)
- Date
- 1923-06-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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begonnen, die Balken zu bearbeiten- Anfangs war dies nicht leicht, wir hatten außer Martin Goldschmidt keinen, der von Zimmerei etwas verstand; es wurde mancher Fehler gemacht, aber schließlich lernte doch eine ganze Anzahl von uns das Wichtigste, ja einzelne erwarben eine gewisse Fertigkeit. Während des ganzen Frühjahrs und Sommers wurde am Balkenwerk gearbeitet. Soweit waren wir zum Bundestag. Danach trat eine Erschwerung insofern ein, daß einige Leute, und zwar die besten Handwerker, aus dem Bunde ausgeschieden waren, dadurch aber auch, daß Martin Goldschmidt's Ueberfahrt bevorstand. Trotzdem, oder gerade deshalb, wurde mit aller Kraft weitergearbeitet. Die Zimmerböden wurden gelegt, die Decken, einzelne Wände und die Veranda verschalt, mancher Fehler, der gemacht war, verbessert. Und jetzt sind wir beim Verputzen. Zu tun bleibt also noch für die nächste Zeit: Verputzen. Innenarbeit (Tünchen, Wandrupfen spannen), Fenster- und Türeinsetzen und Möbel. So hoffen wir bis zum Bundestag (mit Ausnahme der Möbel) ziemlich fertig zu werden. Richtig, beinahe wurde der Abort vergessen. Zur Beruhigung sei gesagt, daß er sich gerade im Bau befindet und bald seine Einweihung erleben wird. Gleichzeitig mit dem Bau des Hauses geschah auch die Bearbeitung des Ackers (großenteils durch die Mädels) und, wenngleich riesig viel von „holden Nachbarn" gestohlen wurde, hatten wir im Herbst doch schon Kartoffeln, Erbsen und manches andere geerntet. — Viele einzelne Arbeiten, vorbereitende insbesondere, konnten hier nicht erwähnt, vieles zu wenig ausgeführt werden. In späteren Berichten und Bildern wird manches im einzelnen nachgeholt werden. Nun Einiges über die Auswirkung der Arbeit auf die einzelnen Leute und auf den Bund- Bevor der Bau begonnen wurde, war unser Bund tot. und es war beispielsweise keine Seltenheit, daß der Führer allein oder mit 2—3 Leuten auf Fahrt ging. Das wurde mit einem Male anders. Der Bund war vor eine große Aufgabe gestellt worden, er sah ein Werk vor sich, das seine Kraft beweisen sollte. Und dieses Ziel rüttelte den ganzen Bund aus dem Schlummer. Zunächst die Einzelnen: Jeder, Jungen undMädels, groß und klein, fühlte die Verantwortung auf sich ruhen, wußte, daß jeder Mann am Platze notwendig war. Und jeder hatte Freude an. der Arbeit. Hundert Dinge, über die man früher geträumt, gelesen, gesprochen hatte, sollte man nun wirklich tun. Man sah jedem Haus sein Entstehen an, musterte jedes Fachwerk, beobachtete jeden Bau; man lernte bei der Arbeit all die vielen Handfertigkeiten, bekam einen Begirff von den verschiedensten Berufen und Liebe zu ihnen. Und viele faßten hier den Ent- U