Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 4 (6.1923)
- Date
- 1923-06-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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dem Singen verschwindet und jeder Einzelne sich bemüht, die Lieder mitzusingen. Wenn man außerdem noch die Gelegenheit benutzt, in der Woche einen Liederabend stattfinden zu lassen, so kann man binnen kurzem erreichen, daß die Stimmen der einzelnen Jungen so weit geschult werden, daß jeder in der Lage ist. m i t zusingen. Dabei ist sicherlich richtig, daß Einige da sein müssen, die eine einigermaßen gute Stimme von der Natur erhalten haben- Gelingt es aber, das Singen vom ganzen Zuge gemeinsam zu machen, so gibt es sicherlich am besten den Ausdruck einer gemeinsamen Stimmung der Fahrt wieder. Die Wiedererweckung und Wiederauffindung uralter Lieder weist uns auch hier den Weg. daß unser Leben sich eine neue eigene Form im Gegensatz zur Umwelt geschaffen hat. Und die Lebendigwerdung schlummernder Kräfte auch in Bezug auf die Gestaltung des Singens trägt unendlich viel für 'die Schaffung einer gemeinsamen Atmosphäre des gesamten Zuges bei. Neben der Wanderung spielt auf der Fahrt die Rast eine große Rolle. Die Gestaltung dieses Teiles der Fahrt ist heute selbst noch in den besten Bünden keineswegs abgeschlossen. Das Zelt mag als Mittelpunkt des Zuges auf einer Rast sicherlich von großer Bedeutung sein. Der gemeinsame Aufbau des Zeltes und die Sorge, wie man es am besten und zugleich am schönsten aufbauen kann, vereinigt alle Kräfte des Zuges vom Jüngsten bis zum Aejtesten bei dem Zeltbau. Dann beginnt die Sorge um das Mittagessen. Das Kochen ist ebenfalls nicht rmr eine rein technische Frage, daß man „etwas Warmes" zu essen bekommt, sondern gehört als ein Glied mit zu der gesamten Fahrt. Hier werden an das Können unserer Jungen Forderungen gestellt, von denen sie bisher keine Ahnung hatten- Täglich essen sie zu Hause die kompliziertesten Speisen und keiner von ihnen ist in der Lage, das einfachste Gericht zu bereiten. So erhält das Kochen auf der einen Seite einen pädagogischen Wert indem die einzelnen Men-rbcn dazu werden, ihre primitivsten Bedürfnisse selbst zu befriedigen, auf der anderen Seite begännt wiederum das gemeinsame Leben und die gemeinsame Arbeit für das Gelingen des Mittagessens. Die einen seftälen Kartoffeln, die anderen suchen Steine zum Herdbau (wenn es nicht im Zuge einen Schlosser gibt, der Herdstäbe eigenhändig geschmiedet hat), andere suchen Holz und wieder andere machen Feuer. So hat auch der kleinste Junge, und wenn er nur zehn Zweige aufgesucht hat, denselben berechtigten kleinen Stolz zum Gelingen des Kochens beigetragen zu haben, wie der Held des Mittagessens: der Koch. Dieser darf keineswegs an jedem Sonntag derselbe sein, sondern der Führer muß darauf achten, daß jeder der Jungen an die Reihe kommt, voll verantwortlich für das Mittagessen zu sein. Wir glauben, daß große Ermahnungen hier nicht nötig sind. Selbst wenn neue Jungen sehen, wie mit großer Freude 48