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Blau-Weiss-Blätter · 1923-06-01 · 4 (6.1923) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1923-1924) Neue Folge
Issue
4 (6.1923)
Date
1923-06-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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unserer Erziehung gegenüber der heutigen Einstellung der Umwelt auf der Gemeinschaftserziehung basiert. Das Wandern, das aus dem Drange der Jugend nach der Entfaltung aller ihrer Kräfte entstanden ist, und das dem einseitigen Geistestraining der Schule die bewußte Ausbildung des Körpers, und einer rationalistisch verkümmerten Umwelt Glauben, Gefühl und Seele des Menschen entgegensetzen sollte. Von hier aus schui sich die Jugend eine neue Lebensform, in der sie die Ganzheit ihres Wesens erhalten und entfalten wollte, und in der Körper, Geist und Seele gleicherweise zu ihrem Recht kommen sollten. So bedeutet unsere Fahrt kein Spazierengehen, nicht nur ein „durch die Gegend Schlendern", sondern Stählung des Körpers und reine freie Entfaltung jedes Einzelnen. Losgelöst von der Umgebung anderer Menschen und ganz auf sich selbsi gestellt, bedeutet die Fahrt für den Zug das sichtbarste Zeichen des gemeinsamen Lebens. Aus diesem Grunde muß sich der Führer bemühen, die Wanderung so zu gestalten, daß der ganze Tag in gleicher Weise von dem Jüngsten bis zum Aeltesten mit seiner Person ausgefüllt ist. So fällt in der Regel ein einzelnes Diskutieren einiger Weniger auf einem Marsche fort und das Auseinanderfallen des Zuges — alle 100 Meter ein kleines lebhaft diskutierendes Grüppchen — läßt den Sinn der Wanderung und der Fahrt verschwinden. Bei der gemeinsamen Wanderung hingegen in geschlossener Reihe tritt wohl am stärksten das Zugsgefühl in Erscheinung, und die Freude an der Natur und die Betrachtung derselben soll nicht den Einzelgesprächen vorbehalten sein, sondern ebenfalls gemeinsam von den Wanderern getan werden. Auch hierbei wird es sich zeigen, wie bei allen Zugsaufgaben, die nicht die Reife eines älter gewordenen Menschen erfordern, daß unsere jüngeren Jungen nicht nur genau so ihre Augen offen halten, sondern in der Regel meist einen schärferen Blick für einfache und schöne Linien zeigen. Mag auch in einem jungen Zuge bisweilen die Form des gemeinsamen Wanderns bewußt geschaffen werden müssen, so wird nach kurzem die Fährt durch den Charakter des entstandenen Zuges geformt und gebildet und zur gewachsenen Aeußerung seines Lebens. Für die Gestaltung einer so gemeinsamen Wanderung spielt das gemeinsame Singen wahrlich eine sehr wichtige Rolle. Voraussetzung für das gemeinsame Wandern und. gemeinsame Singen ist 1. das ein Einzelner im Zuge ist. der mit besonderei Liebe und Sorgfalt sich des Singens im Zuge annimmt und selbst in der Lage ist, die Lieder auf der Klampfe begleiten zu können. An ihm wird es liegen dafür Sorge zu tragen, daß die einzelnen Liedertexte von allen Jungen gründlich gelernt werden, damit endlich das Märchen verschwindet, daß ein großer Teil der Jungen nicht singen könnte. Wohl fehlt noch Vieles an einer gut durchgebildeten musikalischen Erziehung, und dennoch kann es in jedem Zuge gelingen, daß die Scheu vor 4fr

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