Mannheim
Compact Memory

Jüdische Weltrundschau · 1940-05-20 · 20 (20.5.1940) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
20 (20.5.1940)
Date
1940-05-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2424658-2424686-2424705--544-2425312
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite % JOplSCftf WEIT^UND$CHAU 20. Mal 1M0 erst allmählich in eine politische Kraft verhandelt wird. Würden also' gerade die Jmtöri als Warner auftreten Und sageh, was allmählich jeder Amerikaner verstehen niüss, so< würden sie wahrscheinlich die Saphe\ der' Wahrheit diskreditieren, weil man Sie nicht 'rhehr als Wahr* heil sondern als jüdisches Interesse bezeichnen Würde. . In einer der tragischsten Stünden der Wcffgeschichte erkennen wir ' die tiefen Komplikationen der J u (J 6 h f f a g e„ die : mit dem Weltgeschehen verSvöben sina* Äüch das darf nicht; vergessen Wericifeh für döri Zeitpunkt; wt)Hvir für;'eine für lins'und' die Wellt eru-äglibhe: Neuordnung der jüdischen Dinge werden eintreten können. ' ' Hollands Juden f ©as Ii öll äri di sicti e J ud en tum war einef der besten jüdischen Gemeinschaften der Welt; Die Atmosphäre: der. T oi-e r a n z in den Niederlanden hat jüdische Flüchtlinge aus Spanien iind Portugal Anfang des; 16, Jahrhunderts angezogen, in , den späteren; Jahrhunderten fanden jüdische Auswanderer aus-, anderen Ländern' Europas mehrmals . ihre Zuflucht im freien Holland. So gibt es neben der' sephardischeri Gemeinde dort eine ^deutsche" lund £ine;ypiölrtische". Die Geschichte der Juden ist in romantischer Weise \- mit; der Stadt Amsterdato; Verbunden; Man;brauqht nur an Namen wie Spinoza und Üriel d'Acosta? an ftembrandts Gemälde und an die mystischen Winkel des Amsterdamer Ghettos zu erinnern, um sichdieser Tradition bew^sst zu werden. Die Stadt . Änisterdam mit ihren 70.ÖÖÖ Juden gehört zu den grössten Judengemeinden Europas. Die Juden betrugen: vqr 1Ö33 etwa 10 % der Bevölkerung,^ dazu. trat:- dann die grosse Einwanderung von Juden aus Deutschland, die manche Teile Amsterdams > (den ^Südeh'7 in ausgesprochen-. jüdische Viertel verwandelte. 'Die Zahl der holiäncÜschen^Juden: gemäss der Volkszählung von 1930; betrug, 111.917, bei eiher Gesamtbevölkerung von 8; Millionen. Neben Amsterdam sind lös* grössere Gemeinden Rötfenlan^ Haag (d0.22# zu tnenriew r Alle? diese,, 2i^erh liegen | v öt derZ«it der. grossen Juderieinwanderüng aus' i Deutschland^ Pie -X e i.stu n % e n . des holländischen Judentum« sind: gar nicht abzu- < messen. Jede grosse jüdische Sache fand dort ' bereitwillige Unterstützung. Ddei holländischen Juden als eine der wohlhabenden, ypm ersten Weltkrieg verschonten, jüdisch-selbstbewussten (kmeindenhaben jeden an, sie gerichteten Appell freigebig beantwortet. Dies galt auch, für alle P'a^ ä s t i tt a -We r'k e,; In Holland gibt es eine «lte und aktive; zionistische Organisation, die j der Gesamtorganisation viele Kräfte "gestellt hat;- wir erinnern nur an den Direktor Ser ÄvP.B;i H oofien, das Mitglied des Wiolffsohnfsehen A.C. - Jacobus Kann; denjkürzin PalÄha aus dem Leben geschiedenen Vah V r ie-sländ. In den letzten Jahren hat besonders die J u & e n d a l i j a k:> und, die Chaltitz-Ausbildung wichtige Zentren in Holland gehabt. ' Die höllähdischen- Frauen, und nicht nur die jüdischen, standen bei der 'Förderung dieser Werke in erster Reihe Die jüdische Hilfsarbeit und Flüchtlingsfürsorge war in! Holland musterhaft organisiert. Das jüdische Hilfskomitee unter Leitung des unermüdlichen Professor Go he n tat sein l&usserstes. Auch die Regierung hat -in* der letzteh^ Zeit in der Flüchtlingsfürsorge eingegriffen und grosse Läiger' ffir Tränsbiigränten geschaffen. Die Hauptlast lag aber auf "den holländischen Ju^ :deh,; /'"JJ--'i:" : . Ein frauenhafter Gedahk£, dass nun auch ..^ie^H^ew'HöUin^' für,die es ja angesichts; der geographischen La^e d6s Lahdes kein E nt- - rinnen gab, dem Zugriff der Gestapo ausgesetzt sindjUnd das Martyrium derer teilen müssen, derten sie bisher so grossherzig geholfen bhabefl^..: fil,> :...... .; ' Wif beachtet'Wird, haben nach dem deütr ' sehen Einmarsch tausende verzweifelte Juden alleausländischen & s a ** d t s c h ä f t e n und [ K o ^i's u 1 ä t e in Amsterdam j und i Haag be* stürmt ürtt| um Abtransport >■ oder, 'um Gewähr 'ruhg Vöh Visa gebeten. Sie mussten».jedoch abgewiesen werden. Mail hat sie ihrem Schiekf sal überlasseh. '"•; :■ Der Rest der deutschen Juden Die ^Frankfurter Zeitung" führt aus: „Das Statistische Reichsamt veröffentlicht im neuesten rieft von „Wirtschaft und Statistik" vorläufige Ergehnisse der Volkszählung vom 17. Mai des vorigen Jahres über die >5ahl der juden und der judischen Mischlinge im grossdeutschen Reiche. Die Zählung hat sich nicht auf das Memelgebiet, das Protektorat und die inzwischen „eingegliederten" Ostgebiete erstreckt. 2um ersten Male war dabei eine Auszahlung nach der rassenmässi gen Abstammung vorgenommen worden, im Gegensatz zu früheren Volkszählungen, die nur die Glaubensjuden be* rücksichtigt hatten. Im ganzen wurden bei der Volkszählung des „rigen Jahres 330.892 Juden im Sinne der Nürnberger Gesetze festgestellt, daneben 721738 jüdische Mischlinge ersten Grades und 42.811 judische Mischlinge zweiten Grades. Vqn je 10.000 der Wohnbevölkerung des Reiches waren im Durchschnitt 42 Juden, 9 Mischlinge ersten und 5 Mischlinge zweiten Grades. Ein Vergleich der Ergebnisse von 1939 mit denen früherer Zählungen ist deshalb nicht ohne weitere;» möglich; da früher nur Angaben über die Glaubensjuden ermittelt wurden, nicht aber die rassenmässig dem Judentum zuzurechnenden Personen. Gleichwohl hat das Statistische Reichsamt eine solche Gegenüberstellung^ gemacht, wobei für das alte Reichsgebiet die Volkszählung von 1933, für die Ostmark die Zählung von 1934 und für das Sudetenland die tschechoslowakische Zählung von 1930 zugrunde gelegt wurde. Danach ergab sich für das alte Reichsgebiet bei der vorletzten Zählung (1933) eine Gesamtzahl von 502.799 Glaubensjuden, dagegen 1939 233.973 Juden im rässemässigeri Sinne; in der Ostmark wurden 1934 191.481 Glaubensjuden gezählt, dagegen im vorigen Jahr 94.270 Rassejuden, im Sudetenland 1930 27.374 Glaubensjuden, dagegen im vorigen Jahre 2.649 Rasse juden. Für das ganze Gebiet des grössdeutschen Reiches (ohne die Eingliederungen seit dem Frühjahr 1939) stehen 721.654 . Haubensjuden der früheren Zählung 330.892 Kai&c juden der letzten Zählung gegenüber. Was die regionale Verteilung der Juden und der Mischlinge betrifft, so waren bei der Zählung VQii, 1933 82.J.?f???e,nt J#4en,-,77.7 ^jtozenj;; 4er jüdischen Mischlinge ersten. Grades und 70.^ Prozent der jüdischen Mischlinge zweiten Grades in Grossstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern ansässig. In den sieben Grosstäciten Wien, Berlin, Frankfurt, Breslau, Hamburg, Köln und München wohnten mehr als 5.000 Juden, darunter 91.480 in Wien, 82.788 in Berlin und 14.461 in Frankfürt. Im ganzen lebten in diesen sieben Städten 223.621 Juden oder 6^.6 Prozent der Gesamtzahl der Juden; b« den. Mischlingen ersten Grades betrug der Anteil 60.9} bei. denen zweiten Grades 51,5 der GäsamtL zahl der betreffenden Mischlinge. Von den 330.892 Juden waren bei der Volkszählung von 1939? Prozent Reichsangehörige und 11.9 Prozent Atis^- länder oder Staatenlose. Rund 15.000 der ausländischen Juden waren Staatsangehörige der ehemaligen Republik Polt^; 1933 hatte dire Zahl der äusländiischen Glaubensjuden im alten Reichsgebiet 94.717 betragen, 1933 dagegen 25.783." * - , ' .: Die offizielle Statistik in Deutschland zeigt also auch den breiten Schichten, wie sie" belogen worden sind, wenn man ihnen erzählte, die Zahl .der „Rassejuden" übersteige die der „Glaubensjuden" um ein vielfaches. "Wer 1933/34 in Deutschland war, wird sich erinnern, wie eifrig damals Statistiken* aufgestellt wurden, um den „überragenden Einfluss" der Rassejuden auf die deutschen Verhältnisse und die biologische Gefahr für das deutsche Volk zu beweisen. Schon ^damals haben jü disch.e Statistiker die Zahl der Mischlinge relativ niedrig angesetzt (z. B. Ernst Kahn in der „J.üd. Rundschau"). Nun zeigt die offizieUe deutsche Statistik, was von den Behauptungen-über „Millionen Juden" in Deutschland zu halten war| Der Rückgang der Juden spricht Bände. ManJ, muss sich vorstellen, was es bedeutet, dass die-«; se Hunderttausende in allen Ländern der Welt| unter widrigsten Verhältnissen sich eine neue* Existenz aufbauen müssen. Zugleich aber nehmen wir mit Trauer zur Kenntnis, dass noch immer 330.000 Juden in Deutschland sitzen, und jetzt durch die Besetzung Polens noch zusätzliche Millionen von Juden ins Nazi-Bereich kamen. Möge für sie bald die ' Stunde -der Befreiung schlagen. Die Juden in Köln In der Serie von Monographien Jüdischer Gemeinden, die die „ Jewish Publicatioh Society of America" (Philadelphia) herausgibt, ist jetzt ein neuer Band über K ö I n erschienen, der den ehemaligen Rabbiner dieser Stadt, Adp 1 f Kober, zum Verfasser hat. Kober ist den aus Deutschland stammenden Juden aus zahlreichen Arbeiten über die Geschichte der Juden im Rheinland bekannt. Er war der letzte Rabbiner der Kölner Gemeinde vor der Zerstörung vom 10. November 1938. In dem Buch wird die Geschichte der Juden Kölns bis zu den ersten Anfängen zurückverfolgt. Bekanntlich haben sich die Juden in dieser Stadt bereits zur Zeit des römischen Reiches angesiedelt, sogar vor der Einführung des Christentums in Europa. - Sie haben unter den verschiedenen deutschen Kaisern lebhaften Anteil an, der Entwicklung der Stadt genommen. Die Erzbischöfe, die die Territoriälfürsten des Kurfürstentums Köln waren, haben die Juden toleriert und bestimmte Privilegien und Gesetze für das Verhalten der Juden erteilt. An der Hand der alten Quellen gibt Dr.* Kober ein vollsiärtdiges Bild der Entwicklung der jüdischen Siedlung bis zur Vertreibung der Juden im Jahre 1424. Eine neue Periode der jüdischen Siedlung beginnt mit der Französischen Revolution, die schliesslich zur Beset7 zung der Stadt durch die Franzosen führt. Bei der Wiederherstellung der preussisehen Herrschaft im Jahre 1815 hatte die Stadt Köln 354 jüdische Ein-1 wohner. . Es folgte nun die stürmische Entwicklung im ,19. Jahrhundert, die Köln zu einem wichtigeii Zentrum machte: und* auch allmählich, zur Entstehung einer modernen Jüdischen Gemeinde in ,<Jer Stadt führte. In den letzten Jahrzehnten ihres Bestandes hat die Gemeinde Köln sich zu einem Zentrum jüdischen- Lebens entwickelt, mit Vielen jüdischen Institutionen;, sozialer und char-itativer Art und mit regem Anteil der.'Juden am öffentlichen Leben. Eine ganze Anzahl bekannter Persönlichkeiten sind au«? dem Köl?- ner. Judentum hervorgegangen. Unter zionistischem Gesichtspunkt erinnern. wir nur . an Moses Hess, der in Köln begraben-liegt; zu Beginn des 20, JaHrhundefts war: Köln der Vorort; der. zionistischen, Weltbewegung, wo sich unter der Führung von Wolf söhn, in einem Kreis, zu dem Dr. Bodenheimer, Sokolow, Klätzkin u. a. gehörten, die zentralen Instanzen des Zionismus einige Zeit aufhielten. — Die Darstellung von Dr. Kober ist reich an Quellen und Dokumenten zur Geschichte der Juden in Köln und im Rheinland überhaupt. Die Juden aus Deutschland müssen der amerikanisch-jüdischen Gesellschaft zu Dank verpflichtet seih dafür, dass sie nach der Vernichtung der deutschen Judengemeinden die Möglichkeit bietet, dieses nicht nur für den Historiker so wichtige Material in einzelnen Monographien sachverständiger Verfasser zu publizieren. Die neue Bibel In Deutschland ist soeben die seit längerer > Zeit mit grossem Tam-Tam angekündigte, von den Deutschen Christen zusammengestellte „e n t j u d e t e" Bibel erschienen. Im Vorwort erklären die ^Herausgeber, dass in dieser Bibel der ,;wahre Jesus" erst zur Geltung gebracht wird. Die Bibel enthält keiner-.- lei Anspielung auf die David-Stadt Bethlehern. Es ward unterstrichen, dass Jesus in dem von zahlreichen Rassen bewohnten Galiläa geboren worden ist, wodurch $e Annahme gerechtfertigt erscheint; dass er eia „reiner Arier" gewesen ist. Alle mit dem Tempel in; Jerusalem in Zusammenhang stehenden Berichte sind, gestrichen. In dem Bericht überden Einzug Jesum Jerusalem ist der ihm entgegengerufene^ Gruss ^Ho?iannah dem Sohne Davids" gestrichen. Ebenso /ist alles ändere, was an jüdischen Sitten und an jüdischen Glauben erinnert) ausgemerzt, so u. a. > das Gleichnis oöm verborgenen Söhatz, von dem reichen und dem armen Lazaius, von den zehn Dienern usw. . :! Jüdische Flücthlinge, denen es; gelang,» ads 4em von den Nazis .okkupierten Teil N 0 r w eg e n s nach Stockholm zu entkommen) beHchteten;p dass das amerik an i sc h e K o n s u 1 a. t in Q s.l oam Tage der Nazi-Invasion seine Tore, weit, den jüdischen, Flüchtlingen aus 4?™ Reich, , die. um Sghutz,; (fea.t§n, geöffnet hatte. . Es handelte sich meist; wm, ^^rsppn, dje Inhaber amerikanischer odef Palästina:Visßn siftd. Mehrere unter ihnen waren als exponierte ^ti-^iju« St^n bekannt^:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.