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Jüdische Weltrundschau · 1940-05-13 · 19 (13.5.1940) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
19 (13.5.1940)
Date
1940-05-13
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JODISCHE WELT-RUNDSCHAU 13. Mai 1940 Die Industrie in der Haifa-Bay Die Jüdische Handelskammer, Haifa gibt in ihrem Jahresbericht 1939 einen Überblick über die Entwicklung der wichtigsten Industrieunternehmen in der Umgebung Haifas, dem wir folgende Angaben entnehmen. The Portland Cement Company ,Jfesher" Ltd. hatte in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres eine Geschäftsbelebung zu verzeichnen, die u.a. auf den Bau der Haifaer Öl-Raffinerie sowie Militärbauten zurückzuführen ist. Die Zementproduktion stieg von 98.000 To. im Vorjahr auf 112.000 To. im Jahre 1939. Palästina importierte noch immer 37.000 To. meist syrischen Zement, andererseits wurden nach Zypern 5.000 To. exportiert. Die Zementpreise wurden trotz erhöhter Materialkosten nicht gesteigert. Die Palestine Oil Industry „Shemen" Ltd. konnte im Jahre 1939 ihren Umsatz um 18% erhöhen. Besonders stark war die Nachfrage im Zusammenhang mit den Vorratskäufen im März und bei Kriegsausbruch. In den ersten beiden Kriegsmonaten kam der Export (infolge der Exportverbote für wichtige Nahrungsmittel) zum Stillstand, gegen Jahresende wurde jedoch eine Exportlizenz erteilt. Schemen hat als neuen Produktionszweig für Palästina die Umwandlung von flüssigem Speiseöl in festes für die Produktion von Margarine, Seife u.a. aufgenommen. Das feste öl wird auch von der mit Schemen verbundenen Margarinefabrik Palestine Edible Oil Co. Ltd. verwendet. Die zu Beginn vergangenen Jahres aufgenommene Glycerihproduktion hat sich erfolgreich entwickelt. Die Ata Textile Co. Ltd. (Moller) beschäftigt 370 Personen. Ihr Umsatz erhöhte sich von LP. 66.000 im Jahre 1938 auf LP. 95.000. In Maschinen und Verbesserungen wurden weitere LP. 4.000 investiert. Das Unternehmen, dessen Motto „Eigene Produktion vom Zwirn bis zur Näherei" ist, hat in Haifa und Jerusalem Verkaufsstellen für fertige Kleidungsstücke an Grossisten eröffnet, die ans Publikum zu festen Preisen verkauft werden. Die Grands Moulins de Palestine verzeichnet r im letzten Jahre eine Umsatzsteigerung,um 20%. Die Vorräte sind um 40—50% gegenüber normalen Jahren erhöht worden. Die Palestine Frutarom Ltd., die Essenzen herstellt, hat im letzten Jahre ihren Umsatz um 50% gesteigert. Das Kapital wurde auf LP. 48.000 erhöht. Die Produktion wird zu 95% in 27 verschiedene Länder exportiert, nur 5% werden im Das von der polnischen Regierung in Frankreich herausgegebene Schwarzbuch über den deutschen Überfall auf Polen enthält 1500 Zeugenaussagen und eine grosse Anzahl von ^Photographien, die die deutschen Gewaltakte darstellen. Ein« Gruppe von englischen Unterhausmitgliedern sandte eine Delegation zu Innenminister Sir John Anderson, um ihn zu veranlasse^ schärfere Massnahmen gegen die pronazistische Propaganda in England zu ergreifen. Das Tschechoslovakische Nationalkomitee veröffentlichte in diesen Tagen den ersten Teil eines „B lau-Buches" über die Nazi-Verfolgungen im Protektorat, welches hauptsächlich den Misshandlungen von Gelehrten und Intellektuellen gewidmet ist. Der Präsident des American Jewish Congress Dr, Stephen S. Wise kündigt die baldige Errichtung eines Instituts zur Ausarbeitung der Friedensziele der Juden an. D-as Institut wird mit einer vom Hauptbüro des Jüdischen Weltkongresses in Genf zu errichtenden ähnlichen Körperschaft zusammenarbeiten. Eine Aufgabe wird es sein, die Auswirkungen der in den Friedensverträgen von 1919 festgelegten Minderheitenrechte zu studieren, sowie zu untersuchen, in welchem Masse Und aus welchen Gründen deren Verwirklichung missglückte. Die Meldung, dass zwischen der litauischen Regierung und der Sowjetregierung ein Abkommen betreffend Durchreise von Tausenden in Litauen weilenden jüdischen Flüchtlingen durch Sowjetterritorium nach Palästina und anderen Überseeländern getroffen worden Inland abgesetzt. Neben 150 Saisonarbeitern beschäftigt die Fabrik regelmässig 24 Arbeiter. Die Vulcan Foundries Ltd. (früher Kremener Werke) beschäftigt 126 Arbeiter gegenüber 50 im vorhergehenden Jahr. Die Produktion entwickelt sich zufriedenstellend. Neben den bisherigen Produkten (vor allem Badewannen) wurden auch in grösserem Umfange schwere Röhren für den Bedarf der Raffinerie hergestellt. Ausser den Geschäftsbeziehungen mit Syrien und Ägypten wurden in Südafrika und Indien neue Märkte gewonnen. Die Palestine Electric Wire Co. Ltd. hat im Jahre 1939 ihren Umsatz verdoppelt. Die Produktion wurde zu 75% im Inland abgesetzt, der übrige Teil meist nach Syrien exportiert. An dem Kapital der Gesellschaft in Höhe von LP. 30.000 sind 4 englische Elektrofirmen beteiligt, die auch die erforderlichen Rohmaterialien liefern. Die Fabrik hat in diesem Jahre mit der Erzeugung von Gummiwaren begonnen, für die das Rohgummi aus Britisch-Indien bezogen wird. Für den Militärbedarf wurden Pf erdedecken mit Gummibelag geliefert. The Palestine Oxygen Co. (Muller & Co.) hat ihrem Betrieb in der Haifa-Bay eine Acetylenanlage zugefügt, die die erste ihr'ir Art in Palästina ist. Der Sauerstoffbedarf ist in diesem Jahre für den Verbrauch der Raffinerie um 25% gestiegen. Der grösste Teil des Betriebes wurde aus der Nazarethstr. in die Industriezone in der Haifa-Bay verlegt. Die Palestine Milling & Trading Co. Ltd. (Rice Mill) berichtet, dass sie trotz starker Konkurrenz aus Ägypten und dem Fernen Osten ihren Stand gehalten hat. Die Safety Match Co. Nur verzeichnet einen Produktionsrückgang um 50% infolge der Gründung von 2 Streichholzfabriken in Nazareth und Nablus. Der Markt wurde auch zeitweise mit italienischen Wachsstreichhölzern überschwemmt. Die Preise wurden trotz erhöhter Materialkosten nicht gesteigert. „Man" Flour and Groats Mill arbeitet seit September in drei Schichten, während in den vorhergehenden Monaten nur in einer Schicht gearbeitet wurde. . .. , . . Von neuen Unternehmungen ist besonders'die Cluson Ltd. zu erwähnen, die Stahlguss und Feinstahlarbeiten produziert. Gründer ist Herr Zonnenberg, Leiter der Spezialist Dr. Kliegler. Dieses für Palästina und den Nahen Osten neuartige Unternehmen wird im Anfang 50 Personen beschäftigen. ist, wird vom litauischen Ministerpräsidenten Oberst Merkys in einer Mitteilung an die Presse bestätigt. Die Palästina-Wanderer werden ihren Weg über Odessa nehmen. Im Alter von 60 Jahren verstarb plötzlich der Präsident der Jüdischen Gemeinde von Bukarest Isidor L. Sternbach, ein hervorragender Philanthrop und Gründer verschiedener Wohlfahrts-Institntionen. Das Hauptbüro des American Joint Distribution Committee teilt mit, dass Joseph Schwartz zum Vizedirektor des europäischen Büros des AJDC ernannt worden ist. Der Vorsitzende der europäischen Executive des AJDC Morris C. Troper hat am 27. April die Rückreise nach Europa angetreten. In Südafrika wird jetzt die Keren Hajessod-Kampagne unter der Führung der palästinensischen Delegation (Mrs. Hadassa Samuel, Dov Hos, Michael Traub) mit aller Energie durchgeführt. Ministerpräsident General S m u t s, ein alter Freund des Zionismus, empfing die palästinensische Delegation und sprach ihr gegenüber seine .Überzeugung aus, dass der Zionismus seine volle Verwirklichung finden wird. Ein Sonderberichterstatter der Jüdischen Telegraphen-Agentur hatte Gelegenheit zu beobachten, wie die jüdischen Soldaten an der Front und in der Etappe sowie die aus den Frontgebieten mit der übrigen Bevölkerung evakuierten jüdischen Gemeinden die ersten zwei Pessach-Tage feiern konnten. Eine kleine Stadt in den Vogesen hinter der Maginot-Linie, aus der die Zivilbevölkerung evakuiert ist, war überfüllt mit jüdischen Soldaten, die hier die beiden Seder- Abende bei Mazze, Wein und rituell zubereiteten Pessach-Speisen feierten, um dann auf ihre Posten zurückzukehren. Der überwiegende Teil der annähernd 60.000 Juden, die in der französischen, der polnischen und der tschechischen Armee, sowie in der britischen Expeditionsarmee in Frankreich dienen, hatte Gelegenheit,, das Pessach-Fest zu begehen. Der Verband jüdischer Gemeinden Italiens hat in den Tagen vor dem Pessach- Fest in grosser Zahl Liebesgabenpakete, enthaltend Mazzoth, Tee, Kakao und öl, an die Wiener Jüdische Gemeinde zur Verteilung an Bedürftige gesandt. Die italienische Regierung hat hierzu die Erlaubnis erteilt. Auch die etwa 1500 jüdischen Flüchtlinge in Rom/ Genua und Mailand wurden vom Verband Jüdischer Gemeinden Italiens mit Pessach-Hilfe bedacht. Auf Vorschlag des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts hat der Bürgermeister von Wilna eine Strasse der Stadt nach dem Klassiker der jiddischen Literatur J. L. P e r e z anlässlich der 25. Wiederkehr des Todestages des Dichters benannt. Das Wilnaer Radio hat an< den beiden ersten Pessach-Abenden zwei Sendungen in jiddischer Sprache über Leben und Werk von J. L. Perez gegeben. Prof. Simon D u b n o w, der Präsident der Wilnaer Jüdischen Gemeinde Dr Wygodzki und der Rektor der Wilnaer Universität Prof. Birzikas sprachen am Montag, 29. April, abends in der „Perez-Stunde" des litauischen Radio„ die zum Gedenken an den vor 25 Jahren verstorbenen Dichter J. L. Perez arrangiert: worden ist. Das Jiddische Wissenschaftlicheinstitut veranstaltete in allen Städten Litauens; Perez-Feiern. Rabbi L. Goldman von der Jüdischen Gemeinde in Melbourne wurde zum Jüdischen; Feldkaplan beim australischen Infanteriekorps ernannt. Zum Feldkaplan bei der Miliz wurde Rabbi A. H. Freedmann ernannt. John William Gharnley, der Sekretär des. Zweiges Hull der British Union of Fascists„ wurde zu 17 Pfund Geldstrafe und zur Tragung der Kosten des Verfahrens, im Nichteinbringungsfalle zu 41 Tagen Gefängnis, verurteilt, weil er an eine Anzahl jüdischer GeT schäfte die Worte „Perish Judea" (Juda verrecke!) aufgemalt hat. Glückwunsch für Jacob Thon Dr. Jacob Thon, der dieser Tage seinen 60.. Geburtstag feierte, ist eine der wenigen Figuren, die das Palästina von heute mit einer früheren Epoche verbinden. Als Gehilfe von Dr. Ruppin, mit dem er schon in Europa zusammenarbeitete, ist er 1908 in das sogenannte Palästina-Amt in Jaffa eingetreten. Die Geschichte der ersten palästinensischen Siedlungsversuche,, die damaligen Bodener Werbungen und die ersten Kwuzoth (Kinereth, Dagania) sind mit dem Namen Thons verbunden. In der Kriegszeit war Thon einer der Führer des Jischuw und stand an der Wiege der Bestrebungen einer jüdischen autonomen Organisation in Palästina. In den Nachkriegsjahren hat Thon sich als Direktor der PLDC vor allem mit Bodenfragen beschäftigt, und viele Bodenerwerbungen in Stadt und Land verdanken ihre Entstehung seiner unermüdlichen Tätigkeit. Dr. Thon, der aus dem alten Vorkriegs-österreich. (Galizien) stammte und wie wenige eine Brücke zwischen Ost- und Westjuden zu bilden imstande war, bedeutet mit seinem grossen Schatz von Erfahrungen und mit seinem Verständnis aller palästinensischen Lebensprobleme ein grosses Aktivum im öffentlichen Leben des Jischuw. Es ist nicht zu verwundern, dass er anlässlich seines Geburtstages Gegenstand lebhafter Ehrungen war. Eine besondere Festversammlung fand in Rehovoth in der landwirtschaftlichen Versuchsstation statt. Viele Vertreter der „zweiten Alijah" hielten Ansprachen. Es wurde die Herausgabe eines Buches über diese Epoche zionistischer Geschichte angekündigt. Auch die Einwanderer aus Mitteleuropa kennen und schätzen Jakob Thon seit vielen Jahren und schliessen sich der Schar der Gratulanten mit herzlichen Wünschen an. In einer Veranstaltung der Hebräischen Universität hielt der Philosoph Dr. Felix Weltsch auf dem Skopus einen Vortrag in hebräischer Sprache über „Das Wesen der Gerechtigkeit",!'. Nachrichten aus aller Welt

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