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Jüdische Weltrundschau · 1940-04-22 · 16-17 (22.4.1940) · p. Seite 11

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
16-17 (22.4.1940)
Date
1940-04-22
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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22 April 1940 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU Seite 11 Nachrichten ans aller Welt! *a «■■■■■"•fou""»* Wie der JTA-Wrtreter erführt, werden in Paris gegenwärtig zwischen Vertretern der p o I- Mischen Regierung und polnisch'jüdischer Gruppen Verhandlungen betreffend Schaffung eines Departement* für jüdische Angelegenheiten bei der polnischen Regierung in Frankreich geführt. Ferner wurde in Paris ein Ausschuss gebildet, der sich die Schaffung einer die polnische Judenheit repräsentierenden Körperschaft tum Kiele gesetzt Hat Der Londoner „Evening Standard" schreibt in einem Artikel über die Flüchtlingsfrage in den letalen 7 Jahren hatten englische Bürger 5 Millionen Pfund in privaten Zuwendungen für Flüchtlinge aus Deutschland auagegeben, dazu kommen noch die Kosten der von Engländern gewährten Gastfreundschaft (hoeprtaMjr), die S Millionen Pfund betragen. In Montevideo, der Hauptstadt von Uruguay, fanden Neuwahlen in die Leitung der Jüdischen Gemeinde statt. Von den 2T> Mitgliedern des Ausschusses sind zwölf Zionisten, neun gehören dam national-religiösen Block und vier einer unparteiischen Gruppe an Zum Präsidenten der Gemeinde wurde David Tenenbaum gewählt A. E. Shohet, Herausgeber des „Jewish Advocate" in Bombay (Indien) hatte ein Interview mit Dr. Maria Montessori, der bekannten Pädagogin, worin sie ihr grosses Interesse ftir die jüdischen Schulen in Palästina aussprach. Dar Journalist versicherte ihr, dass nirgends ihre Lehren so sehr verwirklicht seien wie In gewissen palästinensischen Anstalten, und er erbot sich, den Kontakt zwischen ihr und den Jüdischen Stellen Palästinas herzustellen, um einen Besuch von Frau Mor.tessori in Palästina zu ermöglichen, i Frau Montessori zeigte auch labhafte Anteilnahme an der Judenfrage. Der argentinische Außenminister Senor Oantilk) gab der Presse gegenüber eine Erklärung! jab, in der es u.a. heisst. Hier in Argentinien gibt je* keine* AntUemitUmuA: es gibt hier lediglich (manche erfolglos« Kaufleute und Angehörige Freier Berufe, die auf die Juden wegen ihrer Fähigkeiten eifersüchtig sind Chilenische Zeitungen berichten Uber eine neue Welle antisemitischer Propaganda in Chile, die von aussen genährt wird. Liberale Zeitungen erklären, die antijüdische Propaganda in SüdenUe werde von der deutschen Kolonie finanziert, die wiederum Ihre Geldquellen in Deutechiand hat. Die antisemitischen Zettungen werden sehr billig verkauft oder umsonst verteilt, was wiederum auf verborgene Geldquellen hinweist Der Stadtrat von Beograd beschloss, zwei Strassen nach verdienstvollen jüdischen Mitbürgern zu benennen. Die eine Strasse trägt den Namen von Chajim Davoco, einem verstorbenen serbisch-Jüdischen Schriftatelier, die andere den Namen der vier Brüder Amur, die im Weitkrieg nl!c den Heldentod starben. Zwölf spaniolisch-jüdische Familien au» Griechenland, die seinerzeit nach Spanien übersiedelten und während de« Bürgerkriege» Spanien verlassen mussten, habe» Jetzt von der Regierung in Madrid die Erlaubnis erhalten, wieder ihren Wohnsitz in Spanien zu nehmen. Ein Jude aus Deutschland, Dr. Alexander Llfschütz, wurde von der Regierung in |C h i 1 zum Leiter des Krebsforschungs-Institutes in Santiugo berufen. Alle Ausländer, die mit Touristenvisum in Chile eingereist sind, müssen das Land binnen kurzer Fri.st verlassen. Auf der Landeskonferenz der Juden in Chile hielten die Delegierten der Fond» und des „Weltkongresses", Dr. Mibaschan, Dr. Juris und Dr. Hellmann, Referate über die jüdischen Wtltfragen. E4» Konferenz beschloss je eine Million Peso* für Palästina und für die jüdische Hilfsaktion aufzubringen. f>r. Joseph A. Ii o h r n. Vizepräsident der Dontiniran Scttlemcnt Corporniion und früherer Leiter .von Agro-Joint tollte mich seiner Rückkehr aus Cludad TruJIlo (San Domingo) Pressevertretern mit: San Domingo IM das einzige Land in welchem seitens der Regierung e'ne wirkliche Bereltschaft gev.eigt wird, Juden zur Kolonisation in grossem Mitsstab hereinzulassen. San Domingo umfasst .20.000 Quadrstni»'llen und hat eine Bevölkerung von nur II Millionen Seelen. Die Haltung der Bevölkerung den Juden gegenüber Ist eine sehr günstige, die wohlhabenderen Katholiken im Lande sind mehr oder weniger jüdischer Abstammung «Abkömmlinge von Mammen). Der frühere Regierungschef Genernl Trujilo hat 25 000 Acker seines eigenen Bodens für jüdische Kolonisation zur Verfügung gestellt, ohne Bezahlung annehmen zu wollen. Der Boden ist sehr fruchtbar, das K I i um jedoch subtropisch. Es rniius ein Versuch mit 200 Flüchtlingen gemm ist werden, um festzustellen, ob sich Juden aus Mitteleuropa hier werden akklimatisieren können. Sollte da» Experiment gelingen, werden in San Domingo etwa 100.000 Juden angesiedelt wesrden können. Für die ersten Siedler werden kmne Bauten zu errichten sein, weil viele leere Gebäude der American Fruit Company im SledlungMrii.itrikt vorhanden sind. Jeder Siedler erhalt lu Acker Boden Cur Haus, «harten und Gefiugeliiof. Der eigentliche Siedlungsboden wird in Form von Coopetativ-Farmen organisiert weiden, e» werden i'litntugen von Bananen, Kaffee, Kakao und Kassava angelegt werden, die das Rückgrat der Siedlungsaktion bilden werden. Dr. Rosen kam auch auf die arideren Siediungspliine zu sprechen und stellte fest, dass der (früher viel diskutierte und auch im englischen Unterhaus empfohleno) Britisch Guayana-Plan infolge des Kriegen auf unüberwindliche ^khwlcrigkeitcn auf dem Wege zur Verwirklichung stosse. Du Hnngergebiet o Eurept Morris C. Troper, Vorsitzender der europäischen Exekutive des American Joint Distribution Commlttee, der vor kurzem In New York eingetroffen ist, um die führenden Kreise der amerikanischen Judenheit über die Situation der Flüchtlinge in Westeuropa und die Probleme der Hilfe an die Juden in Polen aufzuklären, gab nach seiner Ankunft Pressevertretern gegenüber die folgende Erklärung ab: Auf dem europäischen Kontinent entsteht rapide eines der «rössten Hungergebiete in der neueren Geschichte. Dia ersten und die hauptsächlich Leidenden sind die Minderheitengruppen. Grosse Bevölkerungsmassen besonders in den okkupierten Gebieten in Osteuropa sind von Ausrottung In einem bisher nicht erlebten Masse bedroht Daa Elend spottet jeder Beschreibung. Es herrscht Mangel an notwendigster Nahrung, an Obdach, Kleidung und ärztlicher Hilfe, und wenn nicht schleunigst Hilfe von aussen kommt, werden nicht nur diese Unglücklichen untergehen, sondern es werden zudem noch Epidemien in alle Teile des Kontinents getragen werden. Viele Tausende Kinder, die infolge des Krieges heimatlos und von ihren Angehörigen getrennt wurden, müssen betreut werden. Di« Entwicklung geht nach der Richtung, dass sehr bald Männer und Frauen völlig zerlumpt und barfus* herumlaufen werden, nicht zu sprechen von den Tausenden, die, aus Mangel an der ailernotwendigsten Körper bedeck ung, ihre traurigen Schlafstellen überhaupt nicht mehr werden verlassen können. In den Ländern des Asyls — fuhr Troper fort — von denen einige kriegführend, andere neutral, aber uuf alle Eventualitäten gefaast sind, stehen die Flüchtlingshilfskomitees vor dem Problem einer allmählichen Verminderung lokaler Spenden bei gleichzeitigem Anstelgen der Kosten der Ernährung und Biherbergung der Flüchtlinge, sodass von den Regierungen und den auswärtigen Organisationen ein höheres Ausmass von Zuschüssen als bisher verlangt werden muss. Verschiedene Pläne der Seashaftmachung von Flüchtlingen in Einwanderungsländern sind durch den Krieg unterbrochen worden, aber man hofft, dass viele diäter Pläne werden neu geprüft werden können. Es ist natürlich sehr wichtig und wünschenswert, dass P a I i ■ 11 n s weiterhin seihe normale Quote dieser Menschen aufnimmt, und dass etwas getan wird, um die gesetzlichen Möglichkeiten nach dieser Richtung hin zu erhöhen. Nur eine Grossmut ohne Beispiel wird das Problem der Flüchtlinge und der Krieguopfer-Hilfe lösen helfen können, und es ist im höchsten Masse zu wünschen, dass die Bemühungen des United Palestine Appeal Erfolg haben. ME jiKSCNE JODISCHE VORBEREITUNG ArUaaslich seines (von uns schon erwähnten) Besuches in Paris hielt Prof. Brodetaky, dar Präsident des „Board of Deputies of ine British Jews", bei einem Empfang eine Rede, in der ua. sagte: „Wir Juden glauben fest an den Sieg über Hitler, aber auch, nach diesem Sieg wird das jüdische Problem nicht zu einer Losung gelangen, falls wir nicht imstande sein werden, als geschlossene Gruppe vor die Friedenskonferenz tu treten. Audi in den am Krieg» nicht beteiligten Ländern gibt es eine Judenfrage. Und sogar in den Ländern, die selbst durch Hitler in Fesseln gesagt worden sind, ist die antisemitische Ideologie nicht ganz gebrochen worden Juden aus den verschiedenen Ländern müssen zusammentreten, um sich darüber klar zu werden, was man der Friedenskonferenz zu unterbreiten hat. Wir dürfen uns nicht mit der Rolle von Spaziergängern in den Couloirs begnügen, wir müssen verlangen, dass man uns an den Tisch lässt. Die Hauptrolle wird den Judenhelten von vier Ländern zufallen; Frankreich, England, Amerika und Palästina. Es ist noch su früh, um ein festes Programm aufzustellen, aber folgendes ist heute schon klar: Nie und nimmer dürfen wir zugeben, dass Juden in irgendeinem Lande als minderwertig und als Bürger zweiten Grades betrachtet werden, die man hinaustreiben oder auch nur zum Objekt einer „Evakuations"-Politlk machen kann. Unser Recht wird einen integralen Teil des allgemeinen S t a tu t s des zukünftigen Europa bilden müs- DIE NÄCHSTE IU MMUI der „Jüdisch. Mi Welt-R<u»deelsi Ml" ©f. schelat In Jer swüetn am 6. Mai. i*t seit Ihrem Bestehen ein unentbehrliche» Instrument jüdischer Information und Willensbildung; für Tausend* von Juden auf der ganzen Welt geworden. Unzählige Zuschriften beweisen uns, dass unsere Zeitung für viele in entfernteste Lander verschlagene Juden die einzige Ver b I n d u n g mit dem Judentum und dem jüdischen Geschehen Ist. Die technischen Schwierig k © 11 e n der Herausgabe und Versendung der Zeitung In 50 IJtader sind besonders In Kriegszelt«n ausserordentlich gross. Wir können unsere Arbelt nur mit aktiver Hilfe aller unaerer Freunde durchfuhren. Wir appellieren daher an alle Leser und bitten Sie dringend 1. alle rückständigen Abonnementsgebtthren sofort su bezahlen. 2. das Abonnement mindestens 4—6 Wochen vor Ablauf zu erneuern und die Gebühren einzusenden. 8. Womöglich das Abonnement für ein ganzes Jahr tan Voraus zn bezahlen, um uns die Arbelt und Kosten der Buchhaltung und Mahnung zu ersparen. 4. in allen Ihren Bekanntenkrelsen für die „JWR" zu werben, da viele Interessenten noch nichts von der Existenz der Zeltung 5. uns standig Adressen einzusenden, an die wir mit Auasicht auf Erfolg Probenummern der „JWR*4 senden können. Vergessen Hie nicht, welche Bedeutung die „JWR" für daa In alle Welt zerstreute Judentum hat. und wie dringend wir gerade In dieser Zeit ein Sprachrohr des jüdischen Lebenswillen* und Innerer Aufrichtung trotz aller Not brauchen. Verlag und Redaktion der »JÜDISCHEN WELT-RUND8CHAU" Beachten Hie die an anderer H teile abgadniek- --- I

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