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Jüdische Weltrundschau · 1940-04-22 · 16-17 (22.4.1940) · p. Seite 10

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
16-17 (22.4.1940)
Date
1940-04-22
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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mtM 10 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU 22. April 1940 „Deutsche Ordnung" im Ghetto Aus Berichten der deutschen offiziösen Blätter im besetzten polnischen Gebiet gewinnen wir ein gutes Bild über die L«,gc der Juden tn Polen Besonder* charakteristisch »eheint uns die ausführliche Reportage zu «ein. die die „Krakauer Zeitung" und „Warschauer Zeitung" mit einer Reihe von Bildern über die Organisation veröffentlicht, die das deutsche Generalgouvernement für die Juden geschaffen hat. Unter der tJbersohrlft „Deutsche Ordnuno kehrt im Ghetto ein" bringt die Krakauer und Warschauer Zeitung einen Sonderbericht von Dr Dietrich Redekei Darin heisst es u.a.: „Grundstudien hat man auch im Generalgouvernement als erstes «ine Abtrennung der Juden durchgeführt Sie waren damit von den Deutschen ferngehalten. Die Massnahme war aber zugleich ein wirkungsvoller Schutt de» polnischen Bevölkerungnteiles vor weiterer jüdischer Ausbeutung. Wer die Verhäftnisae im Generalgouvernement kennt, der weiss auch, wie »ehr gerade die Polen allgemein erfreut sind Uber diese radikale Losung dieses Problem«. „Kein« JtufonKreael" Wir haben alle Konsequenzen aus dieser Trennung der Völker gezogen: Deswegen die weisse Armbinde mit dem blauen Davidstern, die „judiecäc Gemeinde Krakau". Da« ist besäten* nend Noch vor Monaten lautete die Aufschrift: ..Jüdisch« Kultusgemeinde Krakau". Hierzu kommt schon der gänzlich andere Atifgabenkrels zum Ausdruck, der dieser jüdischen Et gen Verwaltung von den deutschen Organen zugeteilt wurde Die Juden sind sehr stolz auf Ihre Arbeit, auf ihm Selbstverwaltung, die sie in diesem t Im fang bisher niemais aasgeübt haben. Grund* satzlich muss Jeder Jude, der irgendein AnHegen hat, zum JUdichen Gemeindahaus in dar 8kawintfka 2. Nur in seltenen Fitten, in denen sich die Jüdischen Amter nicht für kompetent halten, schickt man die Parteien mit einem Begleitschreiben an die zuständige deutsch« Amtsetelle weiter. Es war nicht einfach, einen riesigen Verwaltungsapparat aufzuziehen, der heute immerhin 80 000 Juden zu betreuen hat. Zunächst musste man aus einem Kreis geeigneter Jud*m den neuen Vorstand ernennen Dann wurden die einzelnen Ämter aufgebaut und tnH entsprechenden Fachkräften besetzt. Ja, die deutsche Stadtverwaltung „♦ab zum Anlaufen der ganzen VerwaKungsma- *rhlnerie den Juden sogar eine grössere Summe "leute Ist die Jüdische Gemeindeorganisation — nach dem Muster straffer deutscher Organisation errichtet in der Lage, soweit für das Wohl ihrer Angehörigen zu sorgen, das* niemand hun- 4.000 Personen beherbergt werden und von denen I dia grosseren sogar Über kleine Hauslasarette ver- I fügen; femer das Jüdische Krankenhaus mit 110 Hettcn, ein Waisenhaus. 2 weitere Häuser für Handwerkerwe i.««rn und 1 Greisenasyl." In Laotin In einem anderen Bericht der ..Krakauer Zeitung" wird mitgeteilt, dass eine Reihe von Hauptschriftleitern der nationalsozialistischen Parteipreas« das „berüchtigte Ghetto von Lublin" besichtigt haben. In diesem Bericht heisst es u.a.: „Ein Gang durch die jüdischen Werkstätten unter Führung des .SS- und Poliseiführers. 88.- Brigadeführer Globocnik, schloss sich an. Die auf seine Initiative hin ein gerichteten Batriebe umfassen eine grosse Anzahl Jüdischer Handwerker, die hier täglich für einige Stunden ihrem Berufe nachgehen Man sah Schuhmacher bei der Herstellung von Stiefeln, Koppeln und anderen I«ederwaren. Nebenan fertigten Juden aus Fallen Mäntel und Pelze an und verarbeiteten die kleinsten Abfälle noch zu warmen Ohrenschützern Es ist eine helle Freude, diese NiehtstuergeetaUen nun zum ersten Male in ihrem Leben unter deutscher Anleitung nützlich arbeiten zu sehen " alle Juden über 18 Jahre tragen mttseen, desham) p^ern braucht, dass niemand ohne Obdach iat, dass auch die Extra-Abteile 1n den Strass^nbahnen und j Krankheiten behandelt werden, aber auch, dass deshalb auch die allmähliche Rückführung der, gearbeitet wird! Juden in bestimmte Wohnquartiere, wo sie dann j Die Krakauer jüdische Gemeindeverwaltung auch ganz unter sich sind. Aber das alles bedeul'ann in dieser Beziehung im Generalgouvernement tot keine Judengreuel Gewiss, wir maals die vorbildlichste bezeichnet werden, sie hatte chen kein Hehl daraus, wir lieben die Juden nicht I durch die aus den befreiten Ostgebieten, aus Poaber es wird steh kein Deutscher finden, der mit j sen und Lodz Zugewanderten eine besonders Pogromen das Problem lösen will. Ja, es hat im j schwierige Arbelt zu leisten. (Die Zunehme der Gebiet des heutigen Generalgouvernements schon Krakauer jüdischen Gemeinde beträgt seit Kriegseolche Pogrome gegeben. Fragt die Juden selbst j Ausbruch 30%). danach Damals ----- es war ungefähr vor zwei j Jede ordentliche Verwartungsarbeit beginnt Jahren — kam es in fast allen grosseren polnij mit der Registrierung der zu Verwaltenden. Also I Wie von der deutschen Grenze gemeidet wird, sehen Städten zu Exzessen der aufgebrachten pol-1 schuf man eine Kartei nach deutschem Muster i hat der Geetapochef Reichsminister Himmler eine 391.000 JUDEN VERLIEHEN DEUTSCHLAND Die vorläufigen Ergebnisse der auf Anordnung der deutschen Regierung im Mai 1939 durchgeführten Judenzahlung liegen vor. Demnach leben heute im Altreich, in Österreich und ton Sudctenland insgeamt 330.892 Seelen, rund 391.000 weniger als i. J. 1933. Aus der halbamtlichen deutschen Mitteilung fleht weiter hervor, dass die Juden im Sudeteniand sich um 90 v. Hundert vermindert haben; die Verminderung der Zahl der Juden im Altreich und in Österreich beträft mehr als 50 v. Hundert. Im ganzen zählen heute sieben deutsche Städte eine Jüdische Bevölkerung von mehr als 8000 Seelen, Beri i n beherbergt rund 91.000 und Wien rund 83.000 Juden. nischen Volksseele. Die Juden wurden in den und zählte die jüdische Bevölkerung... Es hatte Strassen gejagt und wo man sie erwischte, gej sich bei den Juden schnell herumgesprochen, dass schlagen. j es gefährlich ist. das Gesetz zu umgehen und ohne Solche Dinge wären im Generalgouvernement j Armbinde in den Strassen herumzulaufen. Die gänzlich u n v o r s t el 1 b a r. Man bedenke:( Armbinde musste man also besorgen. Diese gafl) die erste Tat der deutschen Polizei in Krakau es aber nur im jüdischen Gemeindeamt, und wer war die Wiedereinfangttng einer grossen Anzahl aich dort die Binde abhotte, musste vorher einen Zuchthäusler, die — vor dem Einmarsch unserer Fragebogen ausfüllen mit Namen. Vornamen, Ei- Truppen von den Polen freigelassen —- nun in tern, FamUieiürf.and, Wohnort, Zivilstand, Legiti- Banden über jüdische Läden und Wohnungen hermationspapiere usw Dann bekam er eine Art fielen. (Genau wie die „als S A -Letite verkleide- Kennkarte mit seiner Registriernummer und beten Kommunisten" der Ausschreitungen in sass fortan sogar, einen richtigen Ausweis. So Deutschland 1933» — A. d. JWR) Aber das ist es nicht, was wir der ausländischen Greuelpropaganda su entgegnen haben, die von Zeit zu Zeit die Platte mit den Judenverfolgungen in Deutschland auflegt Die Hetzer sollten einmal einen Einblick nehmen, in das umfassende Werk der Fürsorge, die von Deutschen eingerichtet oder auf deutschen Befehl hin von Juden ine Werk gesetzt und von diesen in einer Art Selbstverwaltung fortgeführt wird. Wir haben uns die Mühe gemacht, alle Ämter, alle Körperschaften, alle Einrichtungen und /«- sfiftttionen der jüdischen Gemeinde in Krakau su besuchen. Wir lernten die Arbeit dee Jüdischen WohWahrtaamtes kennen und des Amte« für den Arbeitseinsatz, wir sahen Volksküchen, Badehäuser, Asyle, und Spitäler Der Eindruck war umfassend, Den Sogen einer geordneten Jüdischen Verwaltung unter den Augen und nach Ratschlägen erfahrener deutscher Beamter spürt -auch das <Thet*o. Man denke sich einmal alle diese Einrichtungen fort, die erst nach dem Einmarsch der Deutschen geschaffen wurden, man denke sich die Juden mit ihren mangelnden organisatorischen Fähigkeiten sieh selbst überlassen, wie es bereits der Fall war, nachdem der ehemalige Vorstand der jüdischen Kultusgemeinde unter Mitnahme der Gemeindegelder mit den polnischen Machthabers geflohen war, die Juden würden sich gegenseitig ausplündern, sich gegenseitig vernichten „S^HemtamK" Die Klubsessel und schweren Teppsehe in den Voretandsräumen des jüdischen Gemeindehausee kam ein wenig Ordnung in den wirren Haufen des Ghettovolkes. Der Leiter des Amtes für den Arbeiteeinsatz der jüdischen Bevölkerung freut sich über seine täglich wachsende Statistik. Ober seinem Arbeitstisch hängt ganz nach deutschem Muster eine Tafel. Die Kurve, die den Arbeitseinsatz darstellt, ist m den letzten Wochen dauernd gestiegen. Allmählich gewöhnt eich das Ghetto an die für einen Juden unangenehmste Mitgift <l>s Leben». Jede Arbeit aber wird entlohnt, die Stadt zahlt der jüdischen Gemeinde Je nach der Zahl der gestellten Arbeitskräfte einen Betraf, deeeen Weiterverteilung wiederum den Juden obliegt Verordnung erlassen, dass alle Polen, die Zwangsarbeit nach Deutschland gebracht werden, ein Erkennungszeichen in gelber Farbe zu tragen haben. Wie die ..Westfälische Landeszeitung Rote Erde" mitteilt, ist ein deutscher Beamter in Wuppertal zu vier Jahren Zuchthau? und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre verurteilt worden, weil er einem nach Italien auewandernden jüdischen Ehepaar einen Paee ausgestellt hat, ohne in denselben das „J" einzutragen. Der Beamte soll für diese Weglaosung vom P&ssinhaber 50 Mark Bestechungsgeld erhalten haben. Die Juden Warschaus erhalten jetzt für 2 Tage 300 Gramm Brot und für eine Woche 300 Gramm Zucker, während Nichtjuden für die gleiche Zeit je 500 Gramm erhalten. | Hit OSMONÜ P'AVKOft-aOLPSmO \ Das Ableben von Sir Osmond öT'Avtgdor- Göldsraid beraubt Palästina eines verständnisvollen Freundes und die englische Juden- | heit einer ihrer führenden Figuren. Sir Osmond. r»! ,___,4. .z__ . 4 . .. .„.. — 1 in Wien geboren (wo sein Vater Elim cPAvigdor Die Unbemittelten^ aber Arbei »fähigen, müssen In(fenf9Ur Bauten ausführte), hattein "~ Vt^Kng*mÄPk#n Und lhf< Bftrunt*r»tüt-!dem Jahrzehnt nach dem Weltkrieg die wichtigxung »narnetten. sten offiziellen Amter der englischen Judenheit Volksküchen nne er WRr nacheinander Präsident der Anglern den 7 jüdischen Volksküchen Krakaus wird Jewish Association und des Board of Deputlas, zweimal täglich morgens und mittags Käsen aus-1 er war such ab Präsident der ICA ein repräsengegeben Aus Graupen, Kartoffeln und Brot wird ( tativer Funktionär <l*r Gewamtjudenheit, und ein ein nahrhaftes und wohlschmeckendes Mittagak;iver Mi-arbeitet in der gemischten Jewish brat bereitet In der Küche merkt man durch- V>,ency, deren nichtzionistlscha Gruppe in Engaus etwas von der deutschen Einflussnahme: Sa 'nnd er führt?. Getreu d*r Tradition seines Vaherrscht für Ghetto-Verhältnisse eine überrater*. der einer der ak.iven Choveve Zion in Engachende Sauberkeit. Ich bin gerade Zejge, wie land war, hat d'Avtgdor-GoIcismid an vielen pädia Leiterin dieser Küche von einem deutschen!äa in*;iaischen Fragen lebhaft Anteil genommen Beamten für ihre Arbeit ein Lob erhält. . Heute und in vie'en Kjörpersch'iften für Palästina mitwerden in den 7 Küchen zweimal täglich 8000! gewirkt. Di»? Juden au* Dftutorhktnd schulden Essenportionen ausgegeben, das heisst mit andedem Verstorbenen besonderen Dank für seine Tätigkeit im Council for German Jewry und für .sein unermüdliches Wirken für die Flüchtlinge in England und in r»lä.st in In den letzten ahreu war Str Osmond durch Krankheit an der vollen Entfaltung seiner Kräfte behindert. In einer für das Judentum kritischen Zeit ist er iotzi dahingegangen, und die Judenheit ist wieder t?uen «find. Auf dem Tisch hegen Briefbogen | chen, 3 Badeanstalten, 49 Asyle, in denen fast änner um einen ihrer rgebenen Diener ren Worten, ein Zehntel der Jüdischen Bevölkerung w.'rd in den öffentlichen Küchen verpflegt. Es Ist gnr nicht uninteressant, was an Einrichtu!iS'A*n altes <W iüdi.^cher Orv/wde Krakau sind für den ersten Augenblick ein etwas reichlich | tersteht: Ausser den Amtern selbst, in denen nur »aharfer Gegensatz zu den stinkigen und verfallejüdische Beamte und Angestellte arbeiten, und nen Wohnlöchern, durch die wir gerade gekroabgesehen von den bereits genannten Volkskü-

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