Mannheim
Compact Memory

Jüdische Weltrundschau · 1940-04-15 · 15 (15.4.1940) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
15 (15.4.1940)
Date
1940-04-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2424658-2424686-2424701--508-2425272
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Mt*6 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU 15 April 1040 Aus Holland RL, Den Hang, Anfang April. (Von unntrtm n*rtcMer*tattvr> Der Krieg wirkt dich naturgemäß auch in Holland auf die Lage der Flüchtlinge aus, vor alfem auch dadurch, da** die Weitcnvntulerung von hier nur in beschranktem Umfange möglich ist. Neue Flüchtlinge werden nicht *ugelassen. Da die verschiedenen Flüchtlingslager und -heime für andere Zwecke, vor allem Im Zusammenhang mit der Mobilmachung, benötigt werden, hat man nunmehr das zentrale Fltirht- UngtUtftcr Westerbork in der Provinz eröffnet, das dazu bestimmt ist, alle In den verschiedenen Platzen verstreuten Flüchtlinge aufzunehmen; hiervon werden natürlich nicht diejenigen Zuwanderer betroffen, die bereits geraume Zelt in Holland ansässig sind. Das besondere Augenmerk derjenigen die sich mit der Fürsorge für die Flüchtlinge beschäftigen, Ist auch weiterhin In erster Reihe auf die produktive Fürsorge gerichtet, die es vor allem den jugendlichen Flüchtlingen möglich machen soll, sobald sie nach Palästina oder in ein anderes Obcrsecland kommen, einen praktischen Beruf mit Erfolg auszuüben. In der Zweiten Kammer kam gelegentlich der Beratung des Etats von Suriname (niederländisch Guayana) auch wieder die Möglichkeit der Ansiedlung von Jüdischen Flüchtlingen In dieser Kolonie zur Sprache. Der holländische Kolonialminister nuserte sich zwar auch jetzt wieder pessimistisch Uber die Möglichkeit der Einwanderung von Weissen, erklärte aber, gern einer Gruppe von hundert Familien Gelegenheit zu einem Versuch geben zu wollen, vorausgesetzt, dass »Je über das nötige Kapital verfügen. Es handelt sich hierbei um den Plan der „Jew-Col" in Den Haag, die vor einiger Zelt eine dreiköpfige Studienkommission (der auch der Agronom S. Dyk angehörte) nach Suriname entsandt hatte, deren ausführlicher Bericht demnächst zur erwarten Ist. In den jüdischen Organisationen herrscht ein reges Leben. Vorträge von Dr. Alfred Klee und dem früheren Oberrabbiner von Trier Dr. A. Altmtmn erfreuten sich letztens besonderen Interesses. Des Raschi-Geburtstage* wurde Uberall In festlichen Veranstaltungen gedacht. Besondere Erwähnung verdient die Herausgabe des grossen Werks „Geschieden!» der Joden In Ncderland" (Verlag van Holkcma & Warcndorf. Amsterdam). Es Ist seit etwa hundert Jahren die erste zusammenfassende Geschichte der Juden in Holland, zu der sich jüdische und nichtjüdische Gelehrten unter Redaktion von Prof. H. Brugmans und Dr. A. Frank vereinigt haben. OER EMIGRANT Die grosse holländische Zeitung „De Telegraaf" hat unter der Überschrift „De Emigrant" (Der Emigrant) 10 Zeichnungen des holländischen Zeichners J. Spier veröffentlicht, auf allen sieht man dasselbe Bild, einen Mann, der nachdenklich an einem leeren Tisch sitzt, augenscheinlich eine Szene aus einem Cafe". Die Unterschriften lauten wie folgt: 1. So sitzt er vor dem „Cafe de la Paix" in Paris; so sitzt er vor dem „Metropole" in Brüssel; so sitzt er vor dem „Americaln" in Amsterdam; so sitzt er vor dem „Esplanade" in Lissabon, so sitzt er vor dem Cafe" „Wlvex" in Kopenhagen. 2. Wenn er „eine kleine Tasse Kaffee" trinkt, dann sagen sie: „Mit so einer kleinen Tasse besetzt er die besten Plätze"! n. Wenn er eine Flasche Champagne trinkt, dann sagen sie: Da sieh mal einer an! Jetzt begreife Ich es, dass sie ihn «os werden wollten!" 4. Wenn er Boerenkool isst (ein holländisches Nationalgericht), dann sagen sie: „Er paast sich viel zu sehr an!" r>. Und wenn er „Eisbein mit Sauerkraut" isst, dann sagen sie: „Sich anpassen lernt er niemals!" fl. Wenn er selbst ein Cafe eröffnet, dann sagen sie: „Er nimmt uns das Brot fort". 7. Und wenn er nichts beginnt, dann sagen sie: „Der vegetiert hier nur!" 8. Wenn er ein Visum für Amerika anfordert, dann sagen sie: „Da geht er nun. Sobald es hier gefährlich wird, drückt er sich!" P. Und wenn er kein Visum für Amerika anfordert, sagen sie: „Die werden wir hier niemals mehr los!" tO. Er ist „der Emigrant". ZIVILISATION 1940 Da» „ü trechter Nieuwsblad" (Holland) veröffentlicht folgendes Erlebnis: Der klappernde Omnibus steht mit ein paar Rucken still. Eine noch Junge Frau mit zwei Kindern - - einem Jungen und einem Mädchen — steigt ein. Es ist nur noch ein Platz vorhanden. Die Frau ersichtlich die Mutter der Kinder setzt sich und nimmt das Mädchen auf den Schoss. Der Junge bleibt fm Gang stehen und lehnt sich gegen die Mutter. Es ist etwas an den dreien, was die Aufmerksamkeit auf sich lenkt; die Frau mit alten Augen in einem noch jungen und intelligenten Gesicht hat etwas tragisch-sympathisches an Ihrem ganzen Wesen; rnit einer mitleidweckenden Sorge wacht sie über ihre Kinder. Arm sehen die drei bestimmt nicht aus und doch haben aie etwas Herzergreifendes. Das Mädchen, aber vor allem der Junge tut sehr scheu und ängstlich. Mit einer spontanen Sympathie - warum, kann sich wohl kaum jemand klarmachen — konzentriert sich alle Aufmerksamkeit auf die Drei. Und wio der Junge in dem hin- und herschwankenden Bus sich im Stehen kaum halten kann, hebt ihn eine Nachbarin liebevoll auf Ihre Knie. Das Mädchen auf Mutters Schoss beugt sich vor, um zu sehen, was mit dem Brüderchen geschieht. Und der Junge guckt mit scheuer Überraschung nach der fremden Dame, die ihn auf ihren Schoss nimmt. Einige Haltestellen weiter kommt aber schon einige Vertraulichkeit in sein Benehmen; selbst ein Lächeln zu der fremden Dame hin zeigt sich auf seinem Gesicht. In steigender Verwunderung sieht das kleine Mädchen das alles an. Plötzlich übertönt ihre Stimme (in deutscher Sprache) erstaunt das Geratter des Bus: „Mutter, wissen die Leute nicht, dass wir Juden sind?" Beschämt und verlegen sehen wir übrigen Passagiere einander an... Zivilisation 1940. NACHRICHTEN AUS ALLER WELT wegen angeblicher Devisenvergehen verurteilt worden ist, befindet sich jetzt in New York, wo Dr. Nahum G o 1 d m a n n, Vorsitzender des er wieder eine kleine Reederei betreibt, die in „Gönnte" adminl.stratif" des Jüdischen Weltkonj einem halben Jahr schnell sich entwickelt hat. greases, hat an Bord der „Conte di Savoia" die Rückreise nach Europa angetreten. Dr. Goldmann besuchte eine Reihe Länder Nord- und Südamerikas. Aua R i g u ging dieser Tage die erste Mazzöt- ScndunK im Gewicht von lft.000 Kilogramm nach Polen ab. Die Jüdische Gemeinde in Helsinki ersuchte die Jüdische Gemeinde in Riga um die Sendung von 2000 Kilogramm Mazzot nach Helsinki. Dank den Bemühungen des Vertreters des Joint Distribution Committee in Budapest hat die ungarische Kcgierung ihre anfängliche Weigerung den Export von Mazzot nach Polen zu erlauben, aufgegeben. Die Regierung Estlands hat das Ersuchen des jüdischen Kulturbundes, dnns Juden sich in Ut^enenle and getaufte Mm Die Zentralstelle für jüdische Auswanderung I in Prag veröffentlicht nachstehende Bekanntmachung: Laut Paragraph 1 der Verordnung des Herrn Reichsprotektors!n TOWimen und Mähnen Uber die Betreuung der Juden und Jüdischen Organisationen vom 5. Marx 1M0 VBI K Prot 5§. 77, werder* allen Juden nichtmo/miach er Konfession, die a4s Juden im .Sinne des Par. * in der Verordnung des Herrn Relch*- protektors in Böhmen und Mähren ütx'r daa jüdische Vermögen vom 21. Juni 1999, Vbl .*?. Prof. S. 45 gelten, aufgefordert, sich in der Zeit vom März 1M0 bei den örtlich zuatändigen Ktiltusgemetndeo zu melden. Als Jude gilt a> wer von mindestens drei der Ra«te nach volljüdiBchen Grosseltern abstammt Ah volljüdisdi gtlt ein Oroaseltemtail ohne wertere-s. wenn er der Jüdischen Religionsgemeinschaft angehört oder angehört hat b) als Jude gilt auch der von zwei volljüdischen Grosseltern abstammende Jüdische Mischling, aa> der am 15.9.1935 der jüdischen Refligionngemelnswhaft .ingehört hat oder danach in sie aufgenommen wurde. bb) der am 15.9.1935 mit. einem Juden verheiratet oder «Ich danach mit einem solchen verheiratet. cc> der au» einer m4t einem Juden (Ziffer a) geschlossenen Ehe stammt, die nach d«m 15 9. 1935 geschlossen tat. dd) der aus einem ».utisereheliehen Verkehr mit einem Juden (Ziffer a) stammt und nach dem 31. Juni 1936 außerehelich geboren wurde Zentralstelle für jüdische Auswanderung Prag. ME ..JBDISCHE »ELT «ölWC«W" Int seit Ihrem Bestehen «in unentbehrliche» Instrument jüdischer Information and Willensbildung für Tarnende von Jaden auf der ganzen Welt geworden. Unzählige Zuschriften beweinen ans, das» unsere Zeitung für viele in entfernteste Länder verschlagene Joden die einzige Ver b I n d u n g mit dem Jaden tum and dem jüdischen Geschehen ist. Die technischen Schwierig k o 11 e n der Herausgabe und Versendung der Zeitung In 50 Länder sind besonders In Kriegszelten ausserordentlich gross. Wir können unsere Arbelt nur mit aktiver Hilfe aller unserer Freunde durchführen. Wir appellleren daher an alle Leaer und bitten Sie dringend 1. alle rückständigen Abonneraentsgebühren sofort zu bezahlen. 2. das Abonnement mindestens 4—6 Wochen vor Ablauf zu erneuern und die Gebühren einzusenden. 3. Womöglich das Abonnement für ein ganzes Jahr Im Voraas zu bezahlen, um uns die Arbelt und Kosten der Buchhaltung und Mahnung zu ersparen. 4. In allen Ihren Bekanntenkreisen für die „JWR" zu werben, da viele Interessanten noch nichts von der Existenz der Zeitung wissen. 5. ans ständig Adressen einlösenden, an die wir mit Aussicht auf Erfolg Probenummern der „JWR" Vergessen Sie nicht, welche Bedeutung die „JWR" für das in alle Welt zerstreute Juden- Bernstein hat s. Z. den direkten „jüdischen' Schiffsverkehr nach Palästina mit dem Dampfer „Tel-Aviv" organisiert, der spater au« finanziellen Gründen aufgegeben werden mnsste. Der Oberrabbiner von Finnland, Dr. Federbusch, ein Misrachist. ist in Amerika eingetroffen, um eine Hilfsaktion für die mit der ganzen Bevölkerung aus Wiborg evakuierten 400 Juden zu organisieren. f i?2'^e J^^^uuiJLLi \Zi7 dem '»"d *ie dringend wir gerade tat dieser fisch hut in einem Konkurrenaspiel mit dem _. , «m-j*Mk» h«. itidL^h*« r«Kan.. russischen Schachmeister V. A. Alagortsev den eln »praenronr des jOUiacfteil t^MUS- Sieg über diesen errungen und damit den Titel ä willens und Innerer Aofrichtang trotz aller eines russischen Schachmeisters gewonnen. [Not brauchen. ___. I Verlag und Redaktion der t> , , . ...... . , ..... . ... Wegen der Pessachfetertage erscheint die- „JODISCHEN WELT-RUNDSCHAU" Briefen an das Ausland des Jiddischen bedienen ' . * v,____. «ian»« ««. «* i- „ .. £>< , . dürfen, abschlagig beachicden. j nächste Nummer der „JWR" am 22. April» Beachten Sie die an anderer Stelle abgedmek- Arnoid Bernstein, einst in Deutachland i verstärktem Umfang. Die darauffolgende ten Zahlstellen! Chef der „Bernstein-Unie" und „Red Star Line". > Nummer der „JWR" fällt aus. Die Zeitung _ der 1937 in einem Monsterprozeß in Hamburg erscheint dann wieder am 6. Mal. sassaaagaasn^^B^EssssaBssaasacsBacsii im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.