Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 15 (15.4.1940)
- Date
- 1940-04-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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15. April 1M0 JÜDISCHE WELT RtTNDSCHAU Aus Nazi-Deutschland AUS DEM RHEINLAND «MESCHOIEN Ebenso wie früher aus den an der Ostsee liegen- [ den Provinzen, werden die Juden Jetzt au« dein \ Rheinland, aus dir Umgebung der Westfront \ und „Siegfriedlinic" deportiert. Vor kurzem j wurde die Stadt Schncidemühl von .Juden evakuiert, in derselben Wei.sc wie früher Stettin. Die | Juden in Köln und Umgebung erhielten die Aufj forderung, mit Ihren Familien nach Zentralj Deutschland zu ziehen. Wenn sie in absehbarer j Zelt noch dn seien, so würden sie nach Lublin | transportiert werden. Sie dürfen nicht mehr «Us j 320 Pfund Gepäck mitnehmen, Thre sonstigen j Besitztümer müssen sie verschenken.! DER „HAMMER" VERSCHWINDET {langwierig hereingeholt werden". Die Bibliothek »wird fhr „Forschungszweeke der Partei" ausge- ' wertet, z B. für die Publikationen über da« Ju-! dentum. ISRAEL' UND SARAH IM TELEFONBUCH D'c Relchnverclnlgung der Juden in Deutschland veröffentlicht folgende Bekanntmachung: ..Berichtigung der Eintragungen im Fernsprcchbueh. Die Rcichsverelnlgung der Juden in Deutschland 'teilt mit; Es Ist erforderlich, dass alle jüdischen Fernsprechteilnehmer Ihre Namenseintragunft In den FernsnrechbiWhern gelegentlieh der nächsten Neuauflage des Fernspreehbucb.es durch Eintragung der zusätzlichen Vornamen ,,I s r a e I" bezw. ..Sarah" beetwa bloss eine Verschärfung der Judengesetzgebung dar. sondern eine einschneidende Änderung, die unmittelbar die Ausschaltung der Juden aus Jeder und sei cm auch nur wirtschaftlichen Gemeinschaft der Deutschbiütigen bezweckt. Dadurch war die F.ho flir den Klager unhaltbar geworden, zumal ihm deren Fortsetzung sein ganzes vHrt schriftliches IM- ■ sein ,'er ist ritt bekannter Schriftsteller > unmöglich gemacht norden u-VHr«. Der Kläger konnte also erst jetzt die Auswirkung der ' Fremdrassigkeit seiner Ehefrau ganz erkennen, j Er hat daraus sofort die Folgerungen gezogen: j richtigen lassen Wir empfehlen dringend, den Daa Heft 855 der von Theodor Frltsch begründeten antisemitischen Zeitschrift ..Hummer", Blätter für deutschen Sinn, Leipzig, vom März 1940, veröffentlicht eine Bekanntmachung, in der es heisst: „Mit dein vorliegenden Heft. 855 verabschiedet sich die Schriftleitung von dem Freunde»- und Leserkreis des „Hammer", der am 31. März diese« Jahre» »ein Erscheinen einstellt. Die unterzeichnete Schriftleitung verabschiedet »Ich mit aufrichtigem Dank von ihren I.cscrn und bittet sie, nun, da das deutsche Volk wiederum mitten in einem jüdischen Krieg steht, auch ohne die Hilfe des „Hammer" weiterzukämpfen für die Erhaltung dessen, was ihr stets vornehmste Pflicht und zugleich Ehre gewesen ist: Das völkische Vermächtnis Theodor Fritschs." In dem „Handbuch der Judcnfrage" von Theodor Fritsch (Ausgabe von 1935» heisst es in einer Biographie des „Schöpfers de« praktischen Antisemitismus" : „Mehr oder weniger verlassen von allen Freunden gab er 1902 den „Hammer" — Blätter für deutschen Sinn — heraus. In einer Zeit, die durch Rathenau, Ballin, Warburg und andere Geldjuden bestimmt wurde, musste er jeden Tag mit der Tatsache rechnen, ins Gefängnis geschickt zu werden — wenn er Wahrheiten über das jüdische Gebaren in Wirtschaft. Politik, Kultur und Religion veröffentlichte. Ein durch und durch verjudeter Richterstand verurteilte;!en ihn zu Gefängnis und Geldstrafen, eine verjudete j Presse begeiferte ihn, ein sattblindes Volk verj kannte ihn, der nur seiner inneren Stimme { folgte." Die jüdische öffentlichkeit hat 1902 - 1932 den j „Hammer" kaum beachtet und seinen Heraus- ] geber für geisteskrank gehalten. Aus welchen j Gründen der „Hammer" nunmehr sich von seij nen Lesern verabschieden muss, geht am» dem I Aufruf der Redaktion nicht hervor. Unter dem j nationalsozialistischen Regime war ein Blatt wie der „Hammer" längst überflüssig geworden, da die gesamte deutsche Presse fast ohne Ausnahme auf das Niveau des „Hammer" gesunken ist. Anfangs Januar 1939 hat er In die Trennung von der Beklagten und In deren und seiner Kinder Auswanderung gewilligt. Das Aufhcbungsvcrlangen ist auch nicht, etwa sittlich nicht gerechtfertigt. Das Gegenteil ergibt sich schon daraus, dass ein grosses völkisches Interesse an der Lösung einer Ehe eines Deutschblutigen mit einem Juden besteht. Der Aufhebungsklage war daher stattzugeben." (Cursiv com uns - Red. ,JWR"i Es wäre von einem gewissen Interesse zu erfahren, wer dieser „bekannte Schriftsteller" ist. dessen Charakter durch die Bei; Falles eine so liebliche Beleuchtung erhält, (Wie sagt doch Schiller: „Ein zuckersüßes Brüderchen .") Entzückend ist auch die Bezeichnung des von den Nazi-Behörden organisierten und für den 10. November 193«. vier Uhr morgens, angeordneten Pogroms als „hierdurch au.idafür stellen. erforderlichen Antrag rechtzeitig zu AUS NAZI-POLEN Wie die .ITA erfährt, hat das General-Gouvernement tu Polen die Einführung spezieller „j ü d i s c. h «• r P il s « <• " angeordnet. Bis zur Verteilung der Pässe werden Juden in dem von den Deutschen besetzten Teil Polen« nicht auswandern dürfen. In Lodz haben die Nazis für die Juden ©In | neues Ghetto-Abzeichen eingeführt; die Juden ndlung dieses j haben jetzt ein schwarzes Abzeichen mit einem gelben Davidsschild zvi tragen. Aus Lodz eingetroffene zuverlässige Berichte besagen, dass die Uberführung der Lodzer Jüdischen Bevölkerung in das im Baluta-Vlortcl von Lodz eingerichtete mit S t a c h e I d r a h t u m z ä u n to G h c 11 o mit. der gewohnten Nuzlgelöste Volksbewegung." Nach normalen sittlichen j Grausamkeit vor sich geht. In der Regel werdon AUFLÖSUNG EINER EHE In der Zeitschrift „Deutsches Recht", der offiziellen nationalsozialistischen juristischen Wochenschrift, wird über einen Fall berichtet, wo ein Arier die Auflösung ei n e r Mischehe beantragt hat und diese Forderung vom Oberlandesgericht bewilligt wurde, obwohl die von dem deutschen Gesetz bestimmte Frist zur Auflösung von Mischehen bereits verstrichen ist. In dem Bericht der Zeitschrift heisst es: f.Der Kläger gibt an, erst im Herbst 1»38 sei ihm die Erkenntnis von der Unvereinbarkeit der beiden Rassen aufgegangen. Das ist bei den gegebenen Umständen als zutreffend anzunehmen. Es ist richtig, dass das nationalsozialistische Schrifttum und die Tätigkeit der Partei die Öffentlichkeit weitgehend über die Bedeutung der Judenfrage aufgeklärt haben. Trotzdem ist es dem Kläger zu glauben, dass er auch tuich den Nürnberger Gesetzen die Bedeutung des Umstandes für seine Ehe t>erkannt hat, das» seine Frau Vollfüdin ist. Es ist hier zu berücksichtigen, dass der Kläger in langjähriger (juter, kindergesegneter Ehe lebte und somit hoffen konnte, dass diese sich aufrechterhalten liesse. Das änderte sich aber mit den Herbstercignissen des Jahres 1938. Infolge der frevelhaften Mordtat des Juden Begriffen hätte wohl der Ehemann nach diesen Vorkommnissen umsomehr Grund gehabt, seine Familie zu schützen. Nach Nazi-Begriffen ist sein Verhalten ..sittlich gerechtfertigt". DEUTSCHES „RECHT" Tu einem in der Zeitschrift „Deutsches Recht" mitgeteilten Urteil wurde eine Gchaltspfändung, die gegen einen Schuldner sei* mehreren Jahren zugunsten eines jüdischen Gläubigers lief, nach Kriegsausbruch aufgehoben, obwohl nach dem Wortlaut des Urteils die Familie des Schuldners in der Lcae nevesen wäre, die Schuld zu bezah- In der Urteüshefründunp heisst es: „Kriegsteilnehmer haben besonderen Schutz und weitgehendste Rücksichtnahme zu bennspruchen, und es int mit nntionalsozialistichern Rechtsempfinden unvereinbar, einem Schuldner, der an der Front steht und sein Leben für die Volksgemeinschaft einsetzt, von seinen» Gehalt oder Tx>hn Beträge abzuziehen, um sie einem Juden zuzuführen. Der Soldat an der Front muss dns Bewusstscin haben, das« v":ne Familie f-ectehert Nr und das.«? der nationalsozialistische Staat, für .seine Familie eintritt und diene schützt. Es muss für einen Mann an der Front, der jederzeit bereit ist, sich einzusetzen ein bitteres Gefühl, in. unerträglich sein, und seine Einsatzbereitschaft lähmen, wenn zu Hause eine Gchaltspfändung zugunsten eines Juden läuft." Die besondere Berücksichtigung von Kriegsteilnehmern entspricht dem alhtemeinm Empfinden in aljen Ländern. Unverständlich ist nur, wieso dem Kriegsteilnehmer zugemutet wird, sich eine Gchaltsp/ändum; gefallen zu lasten, wenn diese zugunsten eine* A'-icr* läuft. Dem jüdischen Gläubiger ist wahrscheinlich durch die kurzweg dekretierte Annullierung seiner rechtmässigen Forderung sein letzt»»* Vermöger. geraubt worden, da ja Juden im Dritten Reich keine Erwerbstätigkeit ausüben dürfen. VERBOTENE BÜCHER Nach einer Veröffentlichung im „Völkischen Beobachter'-' werden alle nationalsozialistischen Parteistellen aufgefordert, verbotene Bücher, Broschüren oder Zeitschriften, die anlässlich der für die Soldaten veranstalteten Büchersammlungcn eingeliefert werden, nicht zum Einstampfen zu gehen, sondern dem Gau-Archiv abzuliefern. Diese Bücher würden an das Hauptarchiv der N.S.D.A.P. in München gesandt, das eine Bücherei beschlagnahmter verbotener Literatur eingerichtet hat, die schon über 80.000 Bände umfawst. Diese Bücherei, so heisst es in dem Aufruf, „bedarf noch eingehender Ergänzung, um den grosser» Anforderungen von den jüdischen Familien nicht mehr als zehn Mi- | nuten Zeit zur Räumung ihrer. Wohnungen gej geben. In den letzten Tagen wurden mehrere j Juden wegen kleiner „Vergehen" erschossen, unj ter Ihnen die Frau des Arzte.) Dr. Kotok. die S krank im Bett lag, der Kaufmann Joakowicz, der , in der Petrlltow-Strasso Nr. 9 wohnte, Opoczynskl, I Inhaber einer Tapetenfabrik, der In der Pe-tri- ' kow Str. 88 wohnte, und Glatter, Inhaber einer j Pelzfirma. , „Ostdeutscher Beobachter" meldet aus Krakau, dass die Nazi-Behörde sämtlichen jüdischen i Geschäftsinhabern In der historisch berühmten i „Tuchmacher-Halle" anbefohlen hat, dl« Geschäfte zu räumen und nach der tur die Juden; eingerichteten uneuo-vorstuui *vazimiers zu I übersiedeln. „DIE MENSCHLICHE NATUR" Die Moskauer „Prawda" berichtet, dass auf! einer kommunistischen Frauenvcrxammlung In j Lwow fünf polnische Krauen protestierten, als ) eine An .spräche auch in jiddisch gehalten ) wurde. „Prawda" stellt f«st, das« „die fünf pro-! testierenden Frauen eine „Lektion über Gleichheit der Rechte der Nationalitäten in derSowjet- \ union" erhielten, als nach der Ansprache In jld- I disch andere Frauen Reden in ihrer Mutter» j spräche hielten". Der „Prawda"-Korrespondent | fügt jedoch hinzu, dass „die Frage der Glelch- : heit. der Rechte, der nationalen Minderheiten I im russischen Okkupationsgebiet eine akute ist, I da die menschliche Natur sich nicht leicht ändern 1 lässt". Dein Bericht ist zu entnehmen, dass von i den 1347 Schulen in der Westukraino nur 20 jld- | disch sind. VORBEREITENDE BERATUN0 Professor Brodetsky und Leonard! S t e i n haben »ich aus I»ndon nach Paris be-"~ | geben, um mit den Organisationen der frnnzö- | sisehen Juden und den in Paris weilenden Füh- | rem der polnischen Juden In Fühlung zu treten.! Es handelt sich um die Vorbereitung einer Platt- I form für jüdisch-politische Forderungen. Bro- I detsky als Präsident des Board of Deputies und I Leonard Stein als Präsident der Anglo-Jewish \ Association sind formell die Führer des englischen \ Judentums. Es ist charakteristisch, dass beide , Amter gegenwärtig in der Hand bekannter Zio- \ nisten sind. Demgegenüber ist die Führung der | fmnzn»ittcKen Juden Im wesentlichen in der Hand i von Niehtzionlsten. Grünspan und der hierdurch ausgelösten j Partei und Staat gerecht werden zu können. Volksbewegung ergingen eine ganze Reihe von \ Solche Werke, so wird gesagt, müssen oft „mit l tragen hat. Das verstö gesetzlichen Vorschriften. Diese stellten nicht j .schwer zu beschaffenden Devisen vom Ausland! Judengesetz. Der u n g a r i s che F u w s b a 11 k 1 u b „Huri- >wia" erhielt von den ungarischen .Sportbetrieben ' . Geldstrafe von 1000 Pengö dafür, dum» er «in: V<-ra'istaltung seiner Tournee In der Türkei und Griechenland einem jüdischen Manager übergegen da* ungär«iä;h*