Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 15 (15.4.1940)
- Date
- 1940-04-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 4 JÜDISCHE WCLT-RUNDflCHAU 15. April 1940 Die Woche in Palästina WIEDER FREIES WANDERN Di« Frühlingswochen, dl« wir jetzt durchleben, unbestritten die schönste Jahreszeit im Lande, in der auch Landschaft und Natur ihren ganzen Liebreiz tur Schau stellen, «ind in diesem Jahr wieder mehr als in de-n letzten Jahren «in« Zeit der Wanderung. In den letzten vier Jahren, eeit den unglücklichen Peaeachtagen von 1936, haben die Wanderungen durch das Jiand, die nur um der Freude am Reiten, am Kennenlernen de« Landes willen unternommen wurden, fast aufgehört. Nur in dringenden Fällen wurden Reinen unternommen. E» gibt viele Einwanderer, die eofort vom Schiff an einen Wohnort gebracht wurden und da« Land nie geeehen haben, e« gibt aber auch Kinder, die ohne da« früher selbstverständliche Bewusstseln der Verbundenheit mit dem ganzen Land aufgewachsen iiind. Man kann daher ermessen, weldies Gefühl der seelischen Befreiung es bedeutet, das« wieder Scharen von Kindern das Land nach aklen Richtungen durchstreifen, das« die Schulen wieder ihre grossen Ausflüge unternehmen können, und das« auch Privatpersonen, in grösseren oder kleineren Gruppen, durch das Land fahren, auch solche, die nicht unbedingt auf komfortablen Luxus Wert legen. Da« ganze Land erhält dadurch mit einem Schlage einen anderen Charakter. Dies wird noch stärker unterstriehen wenn man sieht, wie jüdische Gesellschaften, besonders I aufgerufen. In Palästina wurden für df« j ärztliche Untersuchung folgende Tage festgesetzt: Haifa 14 4. bis IM.; Jerusalem 9** bis J.ft; Tel- Aviv «f> bis lO.ß. Jerusalem. 12 April, dische Arbeit in den letzten 50 Jahren «chon In Tel-Aviv wurde die 2fJ. Medizinische ausgesetzt war und wie häufig die Lage völlig (Konferenz eröffnet Der Vorsltzendo der aiuwegalo« erschien, «her such damals gab nie- Kf*<*en Ärztevereinigung für P^lna Dr. _ , ,. m . . # , # . Schermann, erklärte, das» Palästina ein Ärztliches mnnd die Hoffnung auf denn man war felsenfest ^ntruin V0T) Bedeutung werden könne, überzeugt von dem endlichen Sieg des Zionismus. An d#>r Konferenz, die mehrere Tage dauerte. Eine solche Haftung de« heroischen Wil-jnfthmrn 60 Delegierte von 12 Ortsgruppen teil. 1 e n s gegen alle Acheinbar ungünstigen Bedin-1 Dr. N. T u r o v. der auf den Lehrstuhl für gungen müsse auch heute wieder aufleben. Jene j Pädagogik nn der Universität Jerusalem berufen Oesinnung der ersten Pioniere gilt es zu erneuern! wurde, ist aus Amerika in Palastina eingetroffen. in einer Zelt, wo der Jischuw an Breite und ' Dr T,,rofr w™ in der vnr dern cr9lellIW^t* r, m„^„n„„__. „, . . _ _ . _ ._____,MI|4 i krieg viele Jnhre Leiter der ersten hebräischen Crosse zugenommen hat. und es sehr schwer fällt,' 3jcnu|c jn jaffft die Einzelnen zu kontrollieren. Viele sehen in j * ' der letzten Entwicklung eine Bestätigung Jener i muummtMU t tMiflUT Richtung im Zionismus, die stets auf eine Schaf-! CHURCHILL SPRICHT fung von vollendeten Tatsachen durch Bodenkauf \ rt/ZP HY HTEP. 1936 1M9. '..Schritt für und Landansiedlung gedrängt hat. Wm wir auf; Schritt"^. By the Rlght Hon. Win*ton Churdiese We<i»e einmal erworben haben, ist unbe-j rhill. London, Thomton Buttenvorth Ltd. stritten unser, dient Jetzt aber auch als Schlüssel j Sind diese in einem Buch zusmmmengefassten für die künftige politische Auseinandersetzung.! Aufsatz«, in denen Englands populärster Politiker Hand in Hand mit den politischen Bemühungen,: die Vorgänge der letzten drei Jnhre bereitet, verdie gegen die Politik des Weisehuches Jetzt lm!",tct? G«wi«i sind viele Voraussetzungen und Gange sind, muss daher die volle Auanutzung der Tatsachen verändert aber nicht erst durch den gegebenen Möglichkeiten der praktischen Arbeit, Kri^usbruch; der Reiz de« Ruches besteht ge- . . . _ * irauc darin, nass es j gehen. Jeder erwerbbare Boden muss erworben, aus den Ereignissen des (damaligen) Tages heraus zu uns spricht und dadurch Jedes brachliegende Stück besiedelt werden. Eine i Erinnerungen wachruft, die nur zu leicht entsolche Intensivierung der Arbtit — dies lässt «Ich; schwinden. Churchill ist ein klusrer und klarwohl als herauskristallisierte Meinung der massdenkender Kommentator der Ereignisse. Das gebenden Kreise des Jischuw zusammenfassen — ' Buch beginnt mit dem für die Zukunft entscheiwird nicht nur unsere praktische Situation ver-i'!cnden Ereignis der Jüngeren Geschichte, dem bessern, sondern auch nach aussen Mn einen weit Nazi-Marsch ins Rheinland. Von da an hat __„„ -___.__. . .,_ „, Churchill unermüdlich gewarnt. 'Für 5eine Sorge mächtigeren Eindruck machen al« blosse Wort-. um d<;n Fr|eden bckam er von HItIep den Ehren. rilMn, A1^h Alirrh nrnhi„h„ nrt.nh«tt~ „wh.n Denn ,n e,nef wo m,t Rücksicht mel . Kriegshetzer"). leider wurden seine War- IZ Ät dTrBevölL^^ d'° Vor^e ,n der We,t d«m Politischen : nunKen m* 7MTn Teil gehört. Seine Aufsatzreihe und mit der Bevölkerung freundliche Begrüeeun-, Kampf Jfn naturllche Grenzen gesetzt «Ind.: führt durch den abessynlschen Konflikt, den spagen tauschen. Diese kleinen Erlebnisse bringen erst voll zum Bewusstsein, in welchem abnormalen Zustand wir vier Jahre lang gelebt haben und welche Möglichkeiten für da« Land darin liegen würden, wenn es gelänge, zumindest ein Verhältnis gegenseitiger Menschlichkeit im Verkehr mit den Nachbarn aufrecht zu erhalten; auch wenn, was unvermeidlich ist, in der Politik und auf anderen Gebieten Interessengegensätze und Meinungsverschiedenheiten vorhanden sind, die die Gruppen betreffen, aber nicht notwendig die zelmensehen einschliesaen müssen. Noch ein anderer Gedanke zwingt «ich dem Beobachter auf. In der letzten Zelt hat ein grosser Teil der judischen Jugend Europas das Wandern aufgeben müssen. Sie sind sozusagen von der Natur abgeschnitten worden. Eine der wesentlichen seelischen Bereicherungen der Jüdischen Jüngern Generation, die Besiehung zur Natur und Landschaft, die Durchbrechung de« Gefängnisses der Städte, ist mit einem Schlage zunichte gemacht worden. Hier in Palästina sehen wir ganze Schulen und Jugend verbände in voller Unbefangenheit und Fröhlichkeit wieder das Land durchziehen, mit der Natur leben und die Natur lieben lernen. Es ist eine besondere Liebe, denn dies, so fühlen diese Jungen Menschen ist Ihr Land, das Land, In dem Jeder Stein voll von Jüdischen Erinnerungen Ist und das Land, in dem sie eine weit« Lebensform begründen wollen. Es ist kaum zu ermessen, was es bedeutet, das« in diesem Jahr trotz allen Sorgen, die wir haben, und allen dustern Wolken, die über der Menschheit hangen, wir wieder dieses Erlebnis der freien Bewegung im Lande haben. Es geht davon eine innere Kraft aus, die uns zu den Kämpfen stärkt, in denen wir stehen. POSITIVE HALTUNG Die lauten Kundgebungen gegen da« Bodengesetz haben nachgelassen, da es Ja unmöglich ist für eine arbeitende Gemeinschaft, ununterbrochen tu demonstrieren; aber der innere Protest hat nicht nachgelassen. Er nimmt immer deutlicher die Form einer festen Ent«chkMssenheit an, die praktische Siedlungsarbeit im Lande mit verstärkter Energie weiterzuführen. Die älteren Schichten des Jischuw und vor allem auch der palästinensischen Arbeiter erinnern kommt es darauf an. den Willen zur Behauptung. nischen Bürgerkrieg, die englische Aufrüstung, der anerkannten Rechte des Jüdischen Volkes auf immer wieder zu dem Hauptherd der Gefahr, den sein Nationalhelm in einer unmissverständJichen und zugleich würdigen Weise zu bekunden. CHRONIK OER EREIGNISSE Das Palästinensische Amtsblatt veröffentlicht eine neue Verordnung, durch die die A b h a I - t u n g militärischer Ohungen durch Privatpersonen mit Strafe bedroht wird. Jeder .der ein solches Exerzieren leitet, wird wie schliesslich offenbar wurde richtig einschätzte. Einmal! wendet er sich auch Palästina zu, im Oktober 1938. nach dem Erscheinen des Woodhead-Berichtes. Er spricht fregen die Regierungspolitik und befürwortet als Lösung, die jüdische Einwanderung auf 10 Jahre zu beschränken und diese den Arabern gegebene Zusicherung von Juden und Arabern bestätigen zu lassen. Die zu erwartende wütende Opposition, so sagte müsse man hinnehmer.. Wie bekannt, ist mit Gefängnis bis zu 7 Jahren bedroht, während Churchill auch heute ein Gegner der Palästina- Politik Macdonalds; sein Fembleiben (als Kabinettsminister!) von der letzten Debatte am 6. März wurde von der englischen Presse viel bemerkt. Der letzte Aufaate des Buches, charakteristisch genug, ist dem englisch-türkischen Bündnis gewidmet und führt bis unmittelbar vor die Schwelle des Krieges, über viele auch ietrt noch bedeutungsvolle Fragen wie z. B. die Stellung Russlands sind in dem Buch interessante Bemerkungen; das Buch ist Zeitgeschichte, und zugleich eine Art Geschichte der politischen Problematik, die zu .sehen nicht jedem gegeben ist ZIONISTISCHE WEISSBOCHER Im Verlag, der Jewish Agency in London (77, Great Russell St.) erschienen soeben zw«l „Welssbücher", das eine enthaltend Dokumente und hat der Militärkommandant des Bezirks Jerusalem die Vertreter der Jerusalemer Judenschaft zu sich berufen und ihnen mitgeteilt, wenn solche Vorfälle «ich wiederholen und keine Angaben über die Täter gemacht werden, werde er zu Kollektivstrafen schreiten. Diesen Freitag begann das moslemische Nebi M u s n F « * t, das dieses Jahr wieder mit einer grossen Pilgerfahrt begangen wird. Die tschechoslowakischen Staats« biirger aller Länder im Alter von 18 bis 50 daran, welchen wechservollen Schicksalen die Jü- Jahren werden gegenwärtig «um Militärdienst die Teilnehmer bis 3 Jahre Gefängnis und LP. 100 Geldstrafe erhalten können. Die Aburteilung der Vergehen obliegt den Militärgerichten. Der Wnad Leumi teilt mit, dass ein» gemeinsame Sitzung der Leitung des Waad Loumi, der Jewish Agency, des Erziehungsrates cWnad imchinuch) stattfand, um über die Reformvorsehinge der RegierunR (s. ,,Erziehungsproh!emc" in voriger Nr.) zu beraten. Die Regierung hatte Josef Bentwich als Vertreter ihres Erziehungs- (lepartments entsandt. Die Sitzung wurde nach langer Beratung vertagt. Der High Commissioner in Jerusalem empfing eine Deputation von jüdischen und arabischen Orangen pflanzern. die ihm in eindringlicher Form die Notwendigkeit sofortiger Hilfe der Regierung darstellten. Ks handelt sich besonders um die Gewährung von Garantien für die Vorschüsse, die zur Bearbeitung der Plantagen (Korrespondenz über Palästina aus der Zelt notwendig sind. Der High Commissioner er-! von August 1939 bis März 1940 („Doeuments and klärte, dass die Londoner Regierung die Frage! Oorrespondence relating to Palestine"), das anbereits dringend prüfe. Er werde das neue Ge-! dere eine Darstellung der Entstehung der Balsuch «ofort weiterleiten. ifour-Deklaration, verfasst von Balfours In der vergangenen Woche fanden in Jerusaj Nichte und Biographin Blanche Dugdale <,,The lern In jüdischen Wohnvierteln eine Reihe von j Balfour Deklaration, Origins and Baekgrounds". Rombenattentaten statt, bei denen Perj By Mrs Edgar Dugdale.) Die erstgenannte Brosonen nicht verletzt, aber Sachschaden angerich- \ schüre enthält die Protesterklärungen gegen das tet wurde. In mehreren Fällen waren die Bornj Bodengesetz und Auszüge aus dem Protokoll der ben (primitiver Struktur) unter Privatautos j letzten Sitzung der Permanenten Mandatskommisgelegt worden, sodass die Wagen beschädigt oder \ sion des Völkerbundes, die gegen das englische zerstört wurden. Im Hinblick auf diese Vorfälle Palästina-Weissbuch Stellung nahm. Ausserdem ist der Briefwechsel zwischen Weizmann und Chamberlain betr. Stellung der Juden zum Kriege abgedruckt. In der Einleitung wird bedauert, dass die Jewish Agency zu dieser Veröffentlichung gezwungen ist in einer Zeit, wo aie sich als Anhängerin der Sache, für die England im Kriege steht, betrachtet. — Die Broschüre von Mrs. Dugdale gibt einen Abrisa des Wesens und der Geschichte des Zionismus für eine weitere englische Öffentlichkeit, die von diesen Dingen wenig weiss, und schildert Balfours wahre Intentionen bezüglich des Zionismus.