Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 14 (8.4.1940)
- Date
- 1940-04-08
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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«fit« 4 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU 8. April 1940 Die Woche in Palästina WIRTSCHAFTSHILFE DEAJEWIM MENDT Der Wirtschaftircferent und. Schatzmeister der .Jewish Agency in Jerusalem, Elieser Kaplan, gab vor Vertretern der palästinensischen und ausländisch»*« Presse in Jcru.suilem eine Übersicht über die umfangreiche Tätigkeit der Jewish Agency auf dem Gebiet der Wirtschaft in den ersten 0 Kricgsmonaten, Der Kriegsausbruch hat die Agency vor neue Aufgaben gestellt, und die Ausführungen Kaplan« zeigten, wie schwierig und oft undankbar die Erfüllung dieser Aufgaben f«C. Da« Publikum wein« bei vielen Massnahmen, die al» Erleichterung der Lage begrüast werden, naturgdmäss häufig gar nicht, welche Bemühungen der Jewish Agency notwendig waren, um zu diesen Erfolgen zu führen. Daher wird die urtrk- Uchc Lctotunfj rt>,T Agency vom Publikum oft nicht gewürdigt. Die Agency stand die ganze Zeit Uber In engem Kontakt mit der Regierung und hat in allen wichtigen WirtschafUfragen der Regierung eingehende Vorschlage unterbreitet. Sie hat mich selbständig Massnahmen ergriffen, z. B. In der zu Kriegsbeginn aktuellen Frage der Lebensmittel- und Rohstoff-Versorgung. Kaplan gr.b dann ein Bild der Wirtschaftslage, au« dem hervorgeht, das» in der letzten Zeit eine Ur^cruntj zu vermerken Ist. Die Zahl der unterstützten jüdischen Voll-Arbeitslosen betrug im Januar 11.000 und im Februar 9.000. Die Jewish Agency hat in den 6 Monaten LP. 600.000 ausgegeben, davon 130,000 für landliche Siedlungen, 33,000 für Einwandererhilfe, 27.000 für soziale Fürsorge. Die Ausgaben der ,;6cntml*tcllr. zur Annin&lnng deutscher Juden" betrugen LP. 130,000. worin LP. 95,000 der Jugendalijah m-itenthalten tot. Die wirtschaftliche Fundierung von 35 neuen Siedlungen, in die bereits LP. 300,000 investiert worden alnd, erfordere noch eine Million Pfund. Insgesamt wurden 5* neue Siedlungen gegründet, die aber wirtschaftlich noch nicht fundiert »ind. DIE NOTLAQE DER PFLANZER Die Lage der Orangenpflanzer hat »ich in der letzten Woche wieder verschlechtert, da dj* erhoffte Anleihe der Regierung bU jetat nicht gewahrt wurde. In den verschiedenen Teilen des Landes haben sich die Pflanzer zusammengetan und ihre Forderungen in dringlicher Form formuliert. Da die Zeit fortschreitet, bedeutet dieNichtorlediigung der Angelegenheit eine Bedrohung den ganzen Wirtschaftszweiges. In dieser Jahreszeit müssen die Orangtngiirten neu umgegraben werden, wenn nicht dieAusslchtcn der nächsten Saison vernichtet werden sollen. Diese Arbeit, die sonst immer von den Banken bevorschusst wurde, kann jetzt nicht durchgeführt werden, weil angesichts der besonderen Situation, der KriegsverhÄItnisae etc., die Banken nicht in dter Luge sind, ohne zusätzliche Garantie ihre Kredite aufrecht zu erhalten. Die Pflanzer haben daher von der R e - g i e r u n g gefordert, dass sie diese Garantie gebe, aber eine Entscheidung Ist noch nicht gefallen. Eö wäre nicht zu verateJncn. wenn die Regierung in diesem Moment den wichtigsten Wirtschaftszweig des Landes im Stich Hesse. Man muss daher zuversichtlich hoffen, dass noch in letzter Stunde eingegriffen wird, um die Orangen- -wirtacjKifi zu retten und Ihr dna Überdauern des Krieges zu erleichtern, FÜNF JAHRE NAHARIA Die Siedlung Naharia, nördlich von Akfco, feierte vergangene Woche ihr fünfjähriges Bestehen An der Feier nahmen zahlreiche Gäste aus Haifa und aus den »umliegenden Siedlungen teil Wir beglückwünschen die Siedlung zu ihrem Jubiläum; handelt es sich doch hier um eine Gründung von Juden aus Deutschland, die zu den interessantesten und gelungensten Mittelstnndnsiediungen des Lande« gehört. Der geistige Vater von Naharia ist Dr. S o s k i n , der seit mehr als 40 Jahren in der zionistischen Bewegung bekannt ist und unermüdlich für das Prinzip intensiver Wirtschaft auf kleiner Fläche eintrat. Die Siedler in Naharia erhielten 7i bis 9 Durmm nebst voller Ausstattung. Die Hauptzweige der Wirtschaft sind Gemüse, Obstgarten und Hühnerzucht. Zwar zeigte sich, dass die ursprünglichen Berechnungen zu optimistisch waren und man die einzelnen Parzellen vergrössern muss, aber im Grossen Gänsen ist der Versuch gelungen. Nahana iimfawt heute 104 Wirtschaften mit ca. 1000 Einwohnern; «in respektables Ergebnis nach . fünf Jahren. Naharia ist ein Ort von besonderer I Eigenart, der seinen Charakter durch die soge-! nannten „Umschichtler" erhalt. Ein grosser Teil ider Siedler hatte in Deutschland Intellektuelle ■ Berufe und der Obergang zur I^andWirtschaft ist Seinem grossen Teil ausgezeichnet gelungen. Äus- \ serlich bietet der Ort mit seinen Alleen zu beiden j Seiten des die Hauptstrasse durchziehenden Baches i ein «ehr schönes Bild. | Am Abend der Feier fand ein gelungenes Kabarett statt, wobei verschiedene lokale Personen i und Angelegenheiten humoristisch dargestellt I wurden. i Die Hitachduth Olej Germania hat. zu der Feier j ein Begrüssungsschrelben gesandt FÜR JODISON-ARASISCNE ZUSAMMENARBEIT In Jerusalem) fand eine Versammflung der Jüdischen „Liga für Jüdisch-arabische Annäherung" •statt, an der auch die aus USA eingetroffene Hadassa-Führerin Mrs Jacobs, Mitglied der Agcncy-Exekotive. teilnahm Nach einem Referat von Dr. Ralll Hirsch wurde folgende Resolution angenommen: 1) Di« Versammlung identifiziert sich mit dem ganzen, Jischuw in seiner Gegnerschaft gegen das Budengcsetz, das ein Schlug gegen die jüdische Sicdlungsarbeit ist, den Arabern nicht nützt, und die Tendenz der Absonderung der beiden Völker fördert. 2) Die Versammlung sieht den einzigen Weg zur Beseiti-?rung dieses Gesetzes in einer umfassenden jüdisch-arabischen Verständigung und Ausnutzung de.s Bodens zugunsten der Land Wirtschaft beider Völker. 3) Die Versammlung erblickt eine wichtige Vorbedingung der Verständigung in einer ökonomischen Zusammenarbeit der Juden mit den Arabern Palästinas und der Nachbarländer, was durch eine kurzsichtige Propaganda der Absonderung in bezug auf Arbeit und Produktion beeinträchtigt wird. 4) Die Vcrtsarwmlung fordert die nationalen Institutionen auf, die Verständigung nvii den Arabern in den Mittelpunkt ihrer politischen und wirtschaftlichen Bemühungen zu stellen. CHRONIK DER EREIGNISSE Der Waad Leumi hat in der letzten Woche wieder mehrere langdauernde Sitzungen abgehalten, in der die Fragen der Arbeitslosigkeit, des Mass Cherum und der Umbildung der Exekutive behandelt wurden, ohne dass ein Ergebnis erreicht wurde. Dieser Tage sind in Haifa 200 Immigranten eingetroffen, darunter 54 Jugendliche, von denen die meisten in England auf Hachscharah waren. In einer Mitteilung vom 2. April erklärte das britische Informationsministerium, dass in Palästina normale Zustände wiederhergestellt sind. Seit dem 8. März hätten keine jüdischen) Demonstrationen mehr stattgefunden und die Aufregung über das Bodengesetz habe sich gelegt. Der Rest dea Monats sei ruhig verlaufen, mit Ausnahme des Überfalls auf ein jüdisches Lastauto bei Nabi Jus am 17.3., wobei ein Jude getötet und einer | verwundet wurde. Welter wird mitgeteilt, dass jein hebräischer Geheimsender wei- | ter das Bodengesetz angreife und eine Kampagne j gegen die Polizei führe. Die Jewish Agency hat im Verein mit der Palestine Land Development Company einen Lehrstuhl für Landwirtschaft an der Universität Jerusa'yem auf den Namen de» verstorbenen Professor Otto Warburg gestiftet. Professor Warburg, früher Professor der Botanik in Berlin, war von 1911-1918 Präsident der Zionistischen Weltorganisation und später Leiter de» botanischen Instituts der Hebräischen Universität Jerusalem. Ein Handelskommissar der britisch-indischen R e g i e r u n g . ist in Jerusalem eingetroffen, um die Handelsbeziehungen zwischen den zwei Ländern zu verstärken. Der indische Export nach Palästina ist in den letzten Jahren sehr gestiegen, und im Vorjahr begann auch der palästinensische Export nach Indien zuzu- I nehmen. Die Kriegsverhältnisse schaffen für den i Mandel der beiden Länder besonders günstige j li>'<ciini;ungcn. ' In Palästina traf Gibson J s r v i e, Direktor der Londoner United Dominions Trust «In, um mit palästinensischen Industriekreisen Fühlung zu nehmen. Fr besuchte die grossen Industrien im Haifacr Bezirk und besichtigte eine Reihe jüdischer Kolonien Ebenso besichtigte er arabische Betriebe. In einer Zistern" in einem arabischen Dorf bei Dschenin wurden dieser Tag« die Leichen i von drei jungen Leuten gefunden, die später iden- \ tifitfert wurden als die drei Juden Auerbach (17 Jahre». Krupnik (20 Jahre> und Frank f 19 Jahre), jdie am 23 6 193* bei der Feldarbeit in der Kolo- I nie Giwat Ada entführt wurden und seitdem vsr- I schwunden waren; Der Überfall auf einen Eisenbahntriebi wagen, bei dem in der Nähe von Rasch ei Aijn auf j der Strecke Hslfa-Ludd Im Juni 1939 vier engi llsche Soldaten und drei jüdische Polizisten er- | mordet wurden, war zum dritten Mal Gegenstand einer Gerichtsverhandlung, Im Juli wurden 12 Personen abgeurteilt, davon 7 zum. Tode. Im November wurde ein weiterer Teilnehmer zum Tode verurteilt, und im April 1940 wurden zwei weitere Männer zum Tode verurteilt, darunter ein bekannter Bandenführer namens Alzunl. der sich schuldig bekannte und auch schon anderer Mordtaten überführt ist. In Tel-Aviv fand ein Pro res» gegen zwei i in Tel-Aviv wohnende christliche Russen statt | die beschuldigt wurden, arm WeihmieMstag 1937 das alte Ehepaar Lewis reiche aus Neuseelend stammende Juden, in ihrer Wohnung ermordet' zu hnben Der eine Angeklagte hatte ein umfassende* Geständnis abgelegt. Es stellte sich heraus, dass er der Polizei in vermiedenen Fäl- | len Material cregen Juden geliefert hatte, und | nun erklärte d*»r Angeklagte vor Gericht, er habe ' das Geständnis nur unter dem Druck eines Juj den namens Adler.« abgelegt, weil man ihm ger'roh' hatte. sel^»n Namen «!s den eine« PoHzei- Zutrfii»er<? an die Revisionisten zu verraten. Nach ausführlichem Kreuzverhör wurden die beiden Anreklaerton wetren Mangels an vollwertigen Beweisen freigesprochen. In Tel-Aviv wurde ein 15-jähriger Junte, der bei einer illeeralen Demonstration am 2. März eine- Fahr.e getragen hat, vom Polizelrichter zu 12 Schlägen verurteilt. Bei einer Vorstellung von Karel Capek's Drama „Die Mutter" in der Hahirna in Tel-Aviv teilte Dr Max Brod (letzt Dramaturg der Hahirna* mit. dass die Habima ein Dankschreiben von Dr. B e n e » c h (dem ehemaligen tschechoslowakischen Staatsnräsidenten) erhalten hat, weil sie durch AufTührune von zwei Dramen Caoek's den tschechischen Beitrag zur europäischen Kultur gewürdigt habe. Der tschechische Generalkonsul Palastinas wohnte der Aufführung bei, Dr. Josef Fischer, ein zionistischer Führer aus Transsylvanien. erstattete der Jewish Agencv in Jerusalem in einer Sondersitzung einen ausführlichen Berieht über die Lage der Juden in Rumänien. Die Arbeiterbank hat beschlossen, für das abgelaufene Jahr eine Dividende von 4% zu zahlen. Lnut Veröffentlichung des statistischen Büros der Palästinaregierung betrug die Bevölkerung Palästinas (ohne das Militär) am 31. Dezember 1939 1 501.698 Seelen. Davon «ind 927.133 Moslems (einschliesslich «6,553 Beduinen), 445.43« Juden. 116.959 Christen und 12.150 andere Der Geburtenzuwachs im Lande betrug 33.824, die Einwanderung 32,589. Die moslemische Gemeinschaft wuchs um 28.883 Seelen und die jüdische um 34.234. Felix von Welnsartner dirigierte auf «einer ersten Konzertreise durch den Nahen Osten Konzerte mit dem Palästina-Orchester in allen drei Städten. Sein erster Abend enthielt ausschliesslich Werke Beethovens: die fünfte und achte Symphonie., ferner die Ouvertüren zu „Coriolan" und Leonore ITT. Der grosse, jetzt siebenundsiebzigjiihrige Meister, einer der wenigen Bewahrer klassicher Tradition, insbesondere Beethovens, führte diü> immense Programm mit ausserordentlicher Kraft und Frische bis zu Ende durch und wurde mit Beifallsjubel überschüttet. Das Palästina- Orchester begibt sich unter Leitung Weingartners auf eine Gastspielreise nach Ägypten,