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Jüdische Weltrundschau · 1940-04-08 · 14 (8.4.1940) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
14 (8.4.1940)
Date
1940-04-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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8. April 1940 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU Seftt 9 Dokumente dieser Zeit ™*!EI!!E ZENTRALSTELLE FOR JODISOME AUSWANDERUNt M PRAt A'arnsfeAcnrf pcoc* t/*r den Wortlaut einer Verordnung wieder, durch die der altehrwürdigvn jüdischen Kultustjcmeinde in Praff dir Aufgabrn der Auswunderunffsoetrrunnrj zugewiesen werden. B» syAl nie verpetzen werden, welcher Milte Heroismus von Juden hier bewiesen wird, die gezwungen werden, auf Befehl ihre* Bedrängers jüdisches Leben zu liquidieren. VERORDNUNG (3) Er ist von sämtlichen Abtraben befreit, des Relchsprolektors in Böhmen und Mähren üW <4) In bürgerlichen Rechtsaachen de* Fonds die Betreuung der Juden und jüdischen Orga-> <*i« deutsche Orlchtsbarkfit benisationen. | gründet. Vom 5. Marz 1940. (R> Fondsaufsichtübehörde iat der Befehlshaber Auf «rund des Par. 1 der Verordnung Uber I <Ier Sicherheitspolizei beim Reichaprotoktor In Rcchtsetzungsrecbt im Protektorat Böhmen und 'Böhmen und Mahren, der auch die Satzungen Mähren vom 7. Juni 1939 (RGBl. I, S. 1099) wird *!Ä»'BStverordnet: j P*r 6 par i; Vermögen aufgelöster israelitischer Kuttus- <D Die israelftiachen Kultusgemeinden im j K^meinden und sonstiger Jüdischer RJechtsgebilde Protektorat Böhmen und Mahren haben die Aufi dc:* lm p*r 2 bezeichneten. Art taann von der gäbe und sind berechtigt, amtliche Juden (Per. 6 Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Prag dem Auawanderungsfond« für Böhmen und Mahren zugewiesen werden, ohne das» Rechtsnachfolge eintritt. Par. 7 Durch Massnahmen nach dieser Verordnung werden Entschädigungsansprüche nicht begründet Par. 8 Diese Verordnung tritt am 10 Marz 1M0 in Kraft. Prag, den 5. Marz 1W0. Der Rclchsprouektor in Böhmen und Mahren Freiherr von Neurath. der Verordnung des Reichsprotektors in Böhmen und Mähren über das jüdische Vermögen vom 21. Juni 1939, (VBI Prot. S. 4R> auf dem Gebiet der Auswanderung zu betreuen. Der Reichsprotektor, kann ihnen soweit die» erforderlich ist, weitere Aufgaben zuweisen. (2> Die isrieiitischen Kuftusgemeinden sind berechtigt, zur Erfüllung ihrer Aufgaben nach Maasgabe einer Beitr&gsordnung, die der Genehmigung des Reichsprotektor» in Böhmen und Mahren oder der von ihm beauftragten Stelle bedarf, Umlagen von den Juden zu erheben. (3) Den Weisungen der israelitischen Kiütusgdmeinde in Prag Itaben die sonstigen israelitischen Kultusgemeinden und jüdisch-politischen Organisationen (Par. 2> im Protektorat Böhmen und Mahren Folge zu leisten. (4) Den Umfang dieses Weisungsrechte bestimmt im Auftrage des Reichsprotektors die Zentralsteile für jüdische Auswanderung in Prag. Par. 2 (1) Die israelitischen Kultusgemcinden und die sonstigen jüdischen Organisationen, Stiftungen und Fonds mit Ausnahme des Par.7 der Verordnung über das jüdische Vermögen vom 21. Juni 1939, VBIR S. 45. aufgezäumten Rechtsgebilde unterstehen der Aufsicht der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Prag. Die Zentralstelle führt die 'Aufsicht nach den Weisungen des Reichsprotektors in Böhmen und Mähren. (2) Die in Absatz 1 angeführten Organdsatio- DIE „JiDISCRE WELT IMDSCHflö" i*t aelt ihrem Bestehen ein unentbehr lieh«« Instrument jüdischer Information und Willensbildung für Tausend« von «faden auf der ganzen Welt geworden. Unzählige Zuschriften beweinen una, dmm unsere Zeitung für viele in entfernteste Lander verschlagene laden die eIniige Ver b I n d n n g mit dem «laden tarn and dem Jüdinnen Geachehen Ist. Die technischen Schwierigkeiten der Herausgabe and Versendung der Zeitung In 50 Lander sind besonders In nen, Stiftungen und Fonds gelten ala jüdisch, „ wenn sie tatsächlich unter beherrschendem Ein- Krlegsxelten ausserordentlich gross. Wir konfluss von Juden stehen. Ob dies der Fall ist, entnen unsere Arbelt nur mit aktiver Hilfe scheidet der Reichsprotektor in Böhsncn und aller unserer Freunde durchfuhren. Mähren oder die von ihm beauftragte Stelle j W|p ^pe,,,^ Mer ^le Le(iep Par. 3 (1) Das Aufsichtsrecht der Zentralsteile für jüdische Auswanderung in Prag umfasst auch dio Befugnis, die im Par. 2 aufgeführten jüdischen Rechtsgebilde aufzulösen oder in andere Organisationen zu überführen und einzugliedern. (2) Die Entscheidung darüber bedarf keiner Begründung und ist unanfechtbar. Den auf Grund des Absatzes 1 zu treffenden Verfügungen stehen die einschlägigen gesetzlichen Beetimmungeji oder die Satzungen dieser Rechtsgehiide, insbesondere auch hinsichtlich der Vermögensverwertung, nicht entgegen. Par. 4 (l) Ansprache jedweder Art gegen die im Par. 2 genannten jüdischen Reehtsgebiid* sind dem ordentlichen Rechtsweg ein!*cMieselich der Zwangsvollstreckung entzogen. Auf Antrag der Zentralstelle für jüdische Auswanderung 5n Prag sind bereits anhängige Verfahren einzustellen. 12) 'Auf die im Absatz 1 bezeichneten Ansprüche sind die Vorschriften des Gesetzes über die Gewährung von Entschädigungen bei der Einziehung oder dem Übergang von Vermögen vom 9. Desember 1837 RGBl. I, S. 1333, dem Sinne nach anzuwenden. Die näheren Bestimmungen hierüber erlässt der Reichsprotektor in Böhmen und Mähren Par. 5 (1) Als Vermöge nsträger der Zentralste He für jüdische Auswanderung in Prag wird ein öffentlich-rechtlicher Fond» geschaffen, der Rechtspersönlichkeit genressrt. j (2) Der Fonds führt den Namen ,,Auswan-j derungsfonds für Böhmen undi Mäljrcn". Sein Sitz ist Prag.; bitten Sie dringend 1. alle rückständigen Abonnementsgebühren sofort zu bezahlen. 2. da» Abonnement mindesten» 4—6 Wochen vor Ablauf tn erneuern und die Gebühren einzusenden. S. Womöglich das Abonnement für ein ganzes Jahr Im Voraus zo bezahlen, um an» die Arbelt and Kosten der Buchhaltung and Mahnung zu ersparen. 4. In allen Ihren Bekanntenkreisen fttr die „tfWR" zu werben, da viele latereaaeatem noch nicht« von der Existenz der Zeitung 5, ans ständig Adressen einzusenden» an die wir mit Aussicht auf Erfolg Probenammern der „JWK" senden konsen. Vergessen Hie nicht, welche Bedeutung die ..«fWR" fttr das In alle Welt zerstreute Judentum hat, and wie dringend wir gerade In dieser Zeit ein Sprachrohr des judischen Lebenswillens und innerer Aufrichtung trotz aller Not brauchen. Verlag und Redaktion der „JÜDISCHEN WELT'BUNDftCHAlJ" Beachten Sie die an anderer Stelle abgedruckten Zahlstellen! I i Oio Berliner .Börsen Zeitung" veröffentlicht unter der Überschrift .Endlich wieder einmal Orenellügen', folgende Notiz. , .Dir PelnHehkeif der militärischen und politischen Lige, In die die Wegmachte durch eigenes Vcrwhulden geraten aind. und die steh zusehen** verschärft, bringt es mit sich, das» in den Giftküchen der internationalen Demokratle mit. Hochdruck gearbeitet wird um Wfiff.'n der politischen Unterwelt herzustellen, da Deutschland gegen die milUiirlschen Waffen der Westmächte »ich als gefeit erweist. Sk> tauchen jetzt In den Vereinigten Staaten ..Augenzeugenberichte" auf, die mix den Kreisen der polnischen Emigrantenregierung in New York stammen und die sich mit dem angeblichen Hchtckml polnisch-jüdischer Fluchttinof beschäftigen Am Freitag wurde ein Bericht verbreitet, demzufolge deutscherseits ganze Eiaenbahnhvdungen von Juden au» Polen nach einem baltischen Hafen transportiert und von Lastkähnen herunter in der Ostsee ertränkt worden seien." Im Anschlusa daran folgen Auslassungen über die amerikanischen Zeitungen, „die »ich nicht entblöden, derartige Berichte vorbehaltlos abzudrucken", und lauge, mit saftigen Beschimpfungen gespickte Tiradcn Die Notiz sc hj leimt dann mit folgendem Satz: .Die Schmutzspritzer dea Hasse» verlogener Emigranten erreichen die deutsche Ehre nicht, aber wir benutzen die Gelegenheit, um ihre Hehler und die politischen Kumpane ihrer Verwahrlosung anzuprangern." Wir wissen nicht, woher die von der Berliner ..Börsen Zeitung" zitierte Nachricht von der Versenkung der Juden in der Ostaeee stammt. Wir haben dies« Nachricht in keiner seriösen Zeitung gelesen. Die Nazi-Propaganda macht es »ich aber wie immer gar zu leicht, indem nie sich für ihr entrüstetes Dementi eine derartige absurde Einzelheit aussucht. Was aber hrt mit den Eiserehahnladungen von Juden, die im Winter nach dem LubMner Gebiet abgeschoben wurden und dann mit ihrer Mea»chenladung auf offener Strecke ohne Nahrung und Wetterschutz stehen blieben? Was tat mit den Tausenden von Deportierten, die irgendwo In die Walder ge)agt oder auf offenem Feld (liegengelassen wurden? Was ist mit den Menschen, die innerhalb von 10 Minuten Ihre Wohnungen vcrlasssen und all ihre Habseligkeiten zurücklassen mussten? Was Ist mit den Stettiner Juden geschehen? Was ist mit den sinnlosen Eschlessungen, von unschuldigen Juden In Polen unter irgendeinem nichtigen Vorwand? Es ist fa, bekannt, dass sogar die deutschen VerwaiHungjfbehÖrden und das Militär in Polen sich schon aus Ordnungsgründen und wegen der Seuchengefahr gegen das sinnlose Chaos gewendet haben, da» durch die Juden Vertreibungen angerichtet worden ist. Man braucht wahrhaftig keine „Greuellügen" r.u erfinden, um die Unmenschlichkeit des Regime» in Polen ebenso wie die Perversitäten der Nazi-Herrschaft in Deutschland und Im Protektorat zu brandmarken Was die von dem Schreiber der Berliner ..Börsen Zeitung" zitierte ..deutsche Ehre" zu diesen Dingen sagt, ist uns nicht bekannt geworden. DIE ZUKUNFT OER POLNISCHEN JUDEN Im Polnischen Nationalrat, d.er jetzt in Angers (Frankreich) seine erst« Session im Exil abhält, hielt der Vertreter der Juden Dr. I&naz Schwarzhart «früher Krakau) eine bemerkenswerte Rede, worin er betonte, das» die polnischen Juden Ihr Schicksal mit dem des polnischen Staates verbunden haben, aber dass sie auch bessere Behandlung ata bisher fordern. Der Antisemitismus der bisherigen polnischen Regierung sei elhe der Ursachen der Niederlage Polens. Die polnische Regierungspartei war nazi-freundlich gewesen und hat die Juden dieser Politik geopfert. Jetzt kämpfen die Juden für Polens Freiheit, während die deutschen „Freunde" das Land verwüsten und versklaven. Dr. Schwarzbart forderte ein Einschreiten gegen die antlaemitische Propaganda in der polnischen Arme« In Frankreich. Die Juden, »o sagte er, erwarten jetzt Taten von der neuen Regierung. Die Rede Schwarzbarts machte einen tiefen Kindruck,

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