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Jüdische Weltrundschau · 1940-03-25 · 12 (25.3.1940) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
12 (25.3.1940)
Date
1940-03-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Mt»4 JODDCUB WBLT-RUMU0C8AU 25, Märt 1940 Die Woche in Palästina „KFAR MASAtYK" VERSUCH EINES INDUSTRIE-DORFS Von C. Z. KLOETZEL Tschechisch gehört nicht su den offsielkm Sprachen Palästinas, sondern zu jenen europäischen Idiomen, die zwar in dleeem Lande von einer grösseren oder kleineren Ansah! Leuten gesprochen werden, deren Gebrauch aber eine Art „toleriertes Laster" darstellt, das nicht an die Öffentlichkeit treten darf. Umso bemerken*» werter Ist es, data kürzlich über einer ländlichen Pesttrlbune ein Banner auegespannt war dem In grossen, leuchtenden Buchstaben tschechische Worte gemalt waren: JPravda Vit0ti!" Für die dee Tschechischen unkundigen Ciste verkündete die hebräische Übersetzung „Ha'eraeth Jenazech", dass es sich um den Wunsch, die Hoffnung und die Gewissheit handelte: „Die Wahrheit wird siegen!" Unter dem Spruchband hing das Bild dessen, der diese Wort« zu seinem Wahlspruch gemacht hat, und dossen Namen die Siedlung tragen wird, tu dessen erstem Steinhaus man den Grundstein legte: Manryk. Die künftigen Bewohner dieser 8ledlung, ehemalige Bürger der Tschechoslowakei gehören su den wenigen jüdischen Gruppen In Palästina, die sich ihres ehemaligen Vaterlandes nicht nur ohne Bitterkeit, sondern mit Zuneigung und Re» sockt erinnern dürfen; ja, die den Wunsch empfinden, diese Erinnerung su bewahren und su verewigen. Aber der Name „Kfar Masaryk" drückt mehr aus als die Anhänglichkeit seiner Bewohner an die frühere Heimat Er soll nicht nur das ehemalige Staatsoberhaupt — und In Ihm du Land — ehren, sondern den Staate-Philosophen, der in den Grenzen des eigenen Landes jene Prlnsiplen wahrer Demokratie su verwirklichen sich bestrebte, denen er in gans Europa Geltung su schaffen gewünscht hatte. -» Masaryk's Verheissung vom endlichen Sieg der Wahrheit bildete den Grundakkord aller Reden, die unter dem Banner mit den Worten „Pravda Vitezl!" gehalten worden. Zu den Rednern gehörten der tschechische Generalkonsul und ein — Araber, der der jungen Siedlung Glück wünschte und sie der besten freund-nachbarlichen Beziehungen mit der arabischen Umgebung versicherte. Kfar Maaaryk liegt auf dem Gelände des Keren Kejemeth in der Halfa-Bay, nicht weit von Akko entfernt. Viele der Gaste, die vor we nlgen Jahren den „Goldenen Bogen" der Bucht zwischen Haifa und Akko noch als eine Art ein eamer Wildnis gekannt haben, werden sich nicht eines gewissen Gefühl» der Beängstigung wehrt haben angesichts des Wachstums der Besiedlung. Da sind nicht nur die Riesenbauten der in aller Eile errichteten Ölraffinerie- Industrieviertel und angrenzende landwirtschaftliche Zone sind bereits so dicht zusammengewachsen, dass ee an manchen Stellen schwer ist, die Grenzen su erkennen. Kfar Maaaryk Ist nicht nur die erste Siedlung, die nach Erlass der neuen Bodengeeetee gegründet wurde; es war auch die erste Siedlung eines neuen, experimentellen Typs, der in der organischen Verbindung eines landwirtschaftlichen mit einem Induatrie-Betrieb erhöhte Siedlungsmöglichkeiten zu erreichen sucht, Der Grundstein tum ersten Haus von Kfar- Maaaryk war ein mächtiger Ziegel aus einer In Rufwette gelegenen, modern eingerichteten Zle gelfabrlk. die Ihre Produktion vor Kurzem begonnen hat Ihre Errichtung ist tu danken dem „Klbbus Arxi" des Haschomer Hazalr, dem auch die Siedler von Kfar Masaryk angehören. Der Klbbus Arsi war von jeher bestrebt in seinen Kwutoth neben der Landwirtschaft industrielle, handwerkliche Betriebe und Transportunternehmungen su gründen. In Kfar Masaryk hat er sum ersten Mal von vornherein auf die Organisierung eines „Industrie-Dorfes" hingearbeitet, dessen Siedler gleichartig Landwirte und Industriearbeiter sind. Einer Gruppe Einwanderer aus der Tschechoakiwakei gelang es mit Hilfe des Klbbus Arsi ein Gesamtvermögen von ca. 50,000 Pfund an transferleren und in der Ziegelfabrik tu investieren. Die Mehrzahl der stimmberechtigten Stammaktien gehört aber nicht den „Kapitalisten", sondern dem Kibbui Arsi, der sich damit denden Einfluss auf die ftetflehsfühnmg und die Arbeitsbedingungen gesichert hat. Die „Kapi talisten" wiederum haben neben einer Verzinsung ihres Geldes das Recht verbrieft bekommen, in der Fabrik zu arbeiten, während der Rest der Belegschaft hauptsächlich in den Siedlern von Kfar Masaryk bestehen wird. Drsussen mag das alles ein bischen sehr nach „verkehrter Welt" klingen. In Wahrheit let es nur ein Glied In der Kette der Versuche, In Eres Israel ein Stückchen jener „besseren Welt" vorwegzunehmen, zu der man heute kel nen anderen Weg mehr weiss als den Umweg über einen swelten Weltkrieg. int der MUtii««m Die Exekutive des Waad Leu ml hat in ihrer dieswöchentüchen Sitzung die Frage einer Verkleinerung der Exekutive beraten. Bekanntlich Ist der Präsident Ruthenberg ein scharfer Gegner der Jetzigen 18-köpflgen, nach Parteigeslehtspunkten suaammengeaetsten Leitung, die er als arbeiteunfähig bezeichnet In dei Sitzung wurde auch eine Arbeiterdelegation empfangen, die die jetzt für Arbeitslosen- Unterstützung verfugbaren Summen als völlig unzureichend bezeichnete. Über die Methoden der Verteilung von Unterstützungen wurden gleichfalte Beschlüsse gefasst Das Engere Aktions Komitee versammelte sich In Jerusalem und nahm Referate von Us stschkln, Dov Hos (der soeben aus London zurückgekommen Ist) und Ben Gurion entgegen. Daran schloss sich eine Debatte, die nächst« Woche nach Rückkehr von Schertok aus London fortgeführt werden soll. Die Landwirtschaftsschule Ajanoth belNess Zlona, eine Gründung der Wizo und des Arbeiterinnenrates, besteht Jetzt sehn Jahre. Vor 14 Jahren wurde durch den KKL mit Hilfe einer Spende von Herrn Julius Schwarz aus New York dieser Boden gekauft im Adar 5690 begann die Arbeit 450 junge Mädchen .meist Im Alter von 18—20 Jahren, erhielten Ihre landwirtschaftliche Ausbildung In dieser Lehrfarm. Die Mehrzahl kam aus Deutschland and Polen. Die Zahl der Schülerinnen beträgt heute 160, m aus der deut sehen Jugend-Alijah stammend. Am 18. Märt veröffentlichte das palästinensische Amtsblatt neue Bestimmungen zur Verhinderung der illegalen Immigration. Die Verordnung erleichtert das Verfahren bei Beschlagnahme des Schiffes und Bestrafung des Eigentümers besw. Kapitäns, liutbes. das Beweisverfahren, wobei offizielle Mitteilungen des Chefsekretära oder eines britischen Gesandten ungeprüft als vollgültiger Beweis anzunehmen sind. Mit Rücksicht auf die allgemeine Situation hat die Kolonie Rechoboth ihren Plan, öffentliche Feierlichkeiten anlässlich Ihres 50-Jährt gen Bestehens abzuhaken, aufgegeben. Der Höchstkommandierende hat die über die Strafen der 10 wegen der Schiesserei bei Abu Schuacha (Tiberlas-Distrlkt) verurteilten Juden herabgesetet, u. zwar die eine von 30 Jahren auf 7 und von 15 auf 5, ferner die Strafe von Hess, Eisenbach. Barkochba und Rosenfeld von je 8 auf je S und bei Lofenfeld, Levi, Oppenhelm, Trtvetski und Purvln von 5 zu 2 Jahren. Zum Leiter der Ersiehungaabtenung des Waad Leumi ward» Dr. Barnten Mossineohn vorgeschlagen, der Direktor des Gymnasiums in Tel Aviv. In Rischon le Zion land dieser Tage ein IfakkaM-Empfang für australische Offiziere und Soldaten statt, in Zusammenhang mit einem Wettspiel des lokalen Makkabl. Der Tel-Avlver Magistrat hat Massnahmen ergriffen, um die Übervorteilung von Soldaten durch Kaufleute su verhindern. Die Kaufleute, die entsprechende Verpflichtungen elnhelthcher Preise unterschreiben, erhalten ein Merkzeichen. Aus dam Nachläse eines in Hongkong veratorbenen orthodoxen Juden Rafael Aron Gabbai jüdischen WohJtätifkeitainjtitiitionen Jerusalems susammen LP.28.000, die Waad Leuna! verteilt wurden <vor allem an Spitäler. Waisenhäuser etc.) Der Stadtrat von Nablus haschloss, wegen sssnfuhruna; von Elektrizität in der Stadt mit dar Palästina Electric Ootpormtson (Ruthenberg) an — - - JUDEN ALS DEUTSCHE AGENTEN? Im englischen Unterhaus lleas der KolonUlmlniater Malcolm Macdonald sich von dem Abgeordneten der Arbeiterpartei Stokes (der in der letzten Debatte einen scharf antijüdischen Standpunkt) vertreten hatte) fragen, ob unter den illegalen Einwanderern in Palästina deutsche Spione waren. Macdonald bejahte diese Frage Er sagte, dass zwar die Untersuchung keinen Beweis geliefert habe, aber der High Commisntoner habe starke Gründe für die Annahme, dass unter den Passagieren auf zwei Schiffen mit illegalen Immigranten auch deutsche Agenten geweaen seien. Diese werden jetzt, zusammen mit anderen derartigen Immigranten, in Haft gehalten. Auf eine weitere Anfrage des (jüdischen) Abgeordneten Lipson, ob diese deutschen Agenten Juden seien, antwortete der Minister, es gebe dafür keine zwingenden Beweise, aber aus der ihm zugegangenen Information entnehme er, dass ein starker Verdacht besteht, dase manche Jaden deutsche Agenten sind. Mit Recht fragte daraufhin der Labour- Abgeordnete Laach, ob derartige Agenten nicht innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in emster Lebensgefahr seien. Die Erklärungen des Ministers sind für die Judenheit Palästinas von allergröaatem Interesse. Wenn wirklich mit den unglücklichen Flüchtlingen auch Spione eingeschmuggelt werden, so wird kein Mittel zur Bekämpfung dieses Vorgangs scharf genug sein. Die ganze jüdische Gemeinschaft wird dabei mitwirken. Wenn aber gar Juden sich zu diesem schimpflichen Dienst für Hitler hergeben sollten, was wir nicht glauben können (der Minister sprach von „unzureichenden Beweisen"), dann muss die Judenhelt wünschen, darüber alles zu erfahren, um selbst mit diesen Individuen, die das Jüdische Volk In jeder Hinsicht schädigen. Abrechnung halten su können. Es ist jedenfalls auffallend, dass der Minister eine so aufsehenerregende und schwer belastende Erklärung im Parlament abgibt, bevor er die zwingenden Beweise, von denen er sprach, wirklich erhalten hat. Dia Zahl der palaatiiieiialMhen Freiwilligen Auf eine weitere Anfrage teilte der Minister mit, dass seit Kriegsbeginn 1709 Juden und 382 Araber in Palästina sich zum Kriegsdienst gemeldet haben. Die palästinensische Kompanie des miktä riachen Pionier-Hilfekorps, die schon in Frankreich ist, umfasse 742 Juden und 308 Araber. (Die Ziffern der aus Palästina an die Westfront abgegangenen Tschechischen Legion, die fast ausschliesslich aus Juden bestand, eind in diesen Zahlen offenbar nicht mitenthalten — AdR) | SAMUEL UITEBilEYER j In New York starb Samuel Untermeyer, ein bekannter Advokat, Im Alter von 81 Jahren. Untermeyer nahm an verschiedenen öffentlichen Tätigkeiten teil und interessierte sich auch für Palästina. 1921 war er eine Zeitlang Präsident des Keren Hajessod, ohne aber auf die Dauer sich mit der Sache zu verbinden. Der Hebräischen Universität Jerusalem spendete er das Amphitheater auf dem Scopus. In den letzten Jahren wurde Untermeyer auch in Europa bekannt bes. durch die Nasi-Presse. die diesen Mann besonders hasete und mit Gift und Galle überschüttete. Untermeyer war nämlich Präsident der überparteilichen,, alle Arten Nazi-Gegner umfassenden „Anti-Nazi- League" und trat als solcher scharf für den Boykott deutscher Waren ein. «Bekannt ist auoh Untermeyers Prozess gegen Henry Ford wegen dessen antisemitischer Publikationen, die Ford zur Zurücknahme aller seiner gegen Juden gerichteten Verläumdungen veranlasste. Gegen da« Bodengeacte. Die Vereinigung der (ChristHohen) Palästinafreunde in USA hat durch ihren Obmann Ch. E. Rüssel ein Telegramm an Primemlnister Chamberlain gesandt, worin gegen das Bodengesetz protestiert wird. Auch andere amerikanische Personen haben den Protest unterschrieben, darunter William Green, der Präsident der Arbeiter-Föderation. In der amerikanischen Presse wird gegen da» Gesetz Stellung genommen, z.B. von Dorothy Thompson in „New Tork Herald Tribüne", ferner in „New York Post". Das arabische Nebi Musa-Fest beginnt diesea Jahr am 12. April.

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