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Jüdische Weltrundschau · 1940-03-18 · 11 (18.3.1940) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
11 (18.3.1940)
Date
1940-03-18
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Stiti« JÜDISCHE WELT RUNDSCHAU 18. Hin 1M0 AUS DEM KUJVSTLEBEN Habima snieh Ibsen Diener Tage fand in Tcl-Aviv die hebräische Uraufführung von Ibsen* „Stützen der Gesellschaft" statt, die die Habima (Dramaturg jetzt Majc Brod) herausbrachte. Der Erfolg dieser Aufführung beweist, wo der Ausweg für die Repertoire-Not der hebräischen Bühnen liegt. Die Weltliteratur birgt zur Genüge von uns noch ungehobene Schatze, die besser dem Rampenlicht ausgesetzt werden sollten, als ältere oder modern« literarische Erzeugnisse, deren ein ziger für uns vorhandener Voraug darin Hegt, dui sie im Judischen Milieu wurzeln. Ibsens „Stützen der Gesellschaft" greifen die Meuchelei. die konventionelle Luge schlechthin an, ohne damit ein bestimmtes Volk, eine bestimmte Schicht, eine bestimmt« Zeltepoche, eine bestimmt« Konfession treffen oder ausnehmen zu wollen, Eigenartigerweise — und das Ist die Schwache de» Stückes kommt Ibsen schon damals zu einem „Happy End", statt radikal Konsequenzen su ziehen. Der Sünder kehrt reuig um, die zerbrochene Ehe wird gekittet, der Kapitalist reicht dem Proletarier die Bruderhand, das Liebespaar Uberwindet alle Schwierigkeiten, die seiner Vereinigung im Wege stehen. Würde das Stück als Tragödie, atatt als Idylle ausklingen seine Wirkungen wären vermutlich stärker. Der Regisseur Zwl Friedland beweist mit dieser Einstudierung, dass er auf dem rechten Wege ist. Nur hier und da verfällt er, in einer sonst erfreulich natürlichen und im Ton gedämpften Inszenierung, in die alte Manie des „Stilisieren«" und des Übertreibens. Etwa wenn er eine Gruppe von Damen, die aus dem Fenster einen „Aufzug mit Musik" betrachten, in einer Reihe wie Ballett- Girls anordnet und sie zu den Klängen des Marsches mit den Schultern wippen läast, wenn er die ernsthafte Stimmung des Schlusabildes absichtlich durch eine komische Zwischennote zerstört, wenn unnatürliches Sturmsausen minutenlang die Szene erfüllt, um den Text zu illustrieren, in dem es heisst, dass draussen schlechtes Wetter sei. Soweit es die Rollenbesetzung anlangt, gab es starke Einzelleitungen. Vor allen: Menkin als Konsul Bernik zeichnet einen farbigen Charakter, wobei allerdings Regisseur und Darsteller mehr Wert darauf legen, diesen Bernik von Beginn des angewandt. Zwei bekannter* impressionistische Schöpfungen Da* Nocturno ..FAter' von Debussy sowie Ravel'* ..La Valse" beschlossen das ausgezeichnete Konzert, da* abermals von dem holländisch-jüdischen Dirigenten Ignaz W>wnuuk meisterlich dirigiert wurde. A. J.-L. ftlästins (rätaorucke Zeil Stückes an als einen fast schon bekehrten Sünder erscheinen zu lassen, als uns seine Wandlung allmählich vorzuführen. Neben Meakin zwei vortreffliche Chargen: Klatzkin, der sich hier als ernsthafter Charakterspieler beweist, als Karp und - mit Sinn für dezente Komik - Kutai als, Hilmar Tönnesen. Auch sonst wurden die kleine-! üb<?r ne"c Ausgrabungen bei Dscheraach reu Aufgaben ausgezeichnet betreut und besonj 'Transjordanien), wo »ich die vielen Palastinaders das dreiblättige Kleeblatt der Klatachweiber! touriaten bekannte Ruinenstadt befindet, berichwar ein Kabinettstück. Die Schauspielerin Lui tet Dr. Nelson Glück im 75. Heft des „Bullehitt, deren ausgezeichnete Qualitäten wir von jt1" of the American School of Oriental Research", zahlreichen anderen Rollen her kennen, war Inj Darüber schreibt W. Baumgartner in der „Neuen dessen als Dina Dorf falsch plaziert; allerdings Zürcher Zeitung u.a.: fehlt dem Ensemble der hier in Frage kommende \ Ausgedehnter als das Tempelareal von Baal- Darstellerinnen-Typ. Auch Finkel» sympathische j hek, leichter zugänglich als die Oase Palmyra, Leistung (Johann» konnte nicht Ubersehen lassen, | freundlicher als das von hoben Felsen «ingedass diese Rolle nicht für Ihn geschaffen ist. (Das .schlossene Petra ist das hart am Rande der Wü- Kostüm war zudem in Farbe und Schnitt über-j^« gelegene, doch von Jerusalem In drei trieben). Frau GotHnakajn bringt als Erschei- (Stunden Autofahrt erreichbare Gerasa (Dschenung für die Dona alle Vorzüge mit, aber ihre .rasch) durch »eine Lage an den sanften Hingen Sprachgebung Ist unzureichend. Bath-Ami ver- | eines weiten, fruchtbaren und wasserreichen Talstand es als Betty, das Leid einer liebenden, zu-j«rundes, unfern ausgedehnter lichter Wakiberückgesetzten und unbeachteten Gattin und Mutj atände, die zum Wandern und Lagern locken, wiie ter anzudeuten. Für die Rolle des „alternden j flurch die imposanten Reste seiner Säulenstrasse, Mädchens" Martha fand Tamara Robin* nicht Triumphbogen. Amphitheater, Tempel, Brunnen durchgehend den richtigen Ton. Sehr befriedij anlagen usw. inmitten des weiten Mauerzuges gend das seriöse Bühnenbild von Luft (flau und die hebräische Übertragung von Fessach Ginshut (j. Manfwd Gciit, 9. PAUSTINA-SYMNIOIIIEKONZERT Das Konzert hatte einen klassischen und einen modernen Teil. Das klassische Hauptstuck bildete Beethovens Violinkonzert, dass von Simon Goldberg, den noch viele als ersten Konzertmeister der Berliner Philharmonie in der Erinnerung haben und der sich inzwischen zu einem Solisten ersten Ranges entwickelt hat, mit grösster Perfektion des Stils und der Technik vorgetragen, wenn auch nicht alle Tiefen Beethovenschen Geistes erschöpft wurden. Das bedeutendste und Interessanteste Werk des 2. Teils war die JBlg Ben"-Phantasie von Ernst Toch — Orchestervariationen über das Westminster Glockenspiel, 1994 komponiert Hier werden auf Grund des ebenso grossartigen wie volkstümlichen Vorwurfs einer der bekanntesten Glockenmelodien alle Möglichkeiten moderner Orchestertechnik und neuzeiticher Polyphonie nlgfach waren die Fragen, welche die Passanten an mich richteten. Eine schöngeistige junge Dame, von meinem breitkrempigen schwarzen Filzhut auf die Statue achlieasend, hielt mich für den Künstler, und fragte mich nach der symbolischen Bedeutung da« Jünglings. Sachlich erwiderte ich: „Mein Fräulein, hier handelt es sich nur um eine Schaufensterpuppe für ein Herrenwäschegeschäft" Ich erhielt keine Antwort mehr von der Dame. Ein dickes kleines Mädchen schrie entzückt auf „Was für eine grosse Puppe!" - Der Mann bei dem ich mir. dem Zusammenbruch nahe, Zigaretten an der Strasseneclte kaufte, irkündigte sich teilnehmend: „Zu wos tragt ihr das Stück herum?" „Das muss man zeitweise", belehrte ich ihn, ..ohne frische Luft verderben die schönsten Figuren". Er schüttelte traurig den Kopf und zweifelte stark an der Zurechnungsfähigkeit seines Kunden. Endlich aas» ich in dem Taxi, das mich und den Epheben nach Jerusalem bringen sollte. Letzterer wuchtete gewaltig auf meinen vibrierenden Knien 'und drückte mich tief in die Polster des Wagens zurück. Versunkene Bilder stiegen vor mir auf. Woran gemahntest du mich, du hebräischer Idolino vom! Strande Tel-Avivs? Du errätst es nie. An den j Ich versuchte es. Leider gelang es mir. In den versunkenen Fasching von München. Da gab es: Serpentinen von Mocza erwachte ich. einen Eingeborenentanz, Francais genannt, in Der gelle Aufschrei meiner Nachbahn weckte dessen letztem Drittel die Herren sich paarweise ] mich aus sanften Träumen... Idolino war meinen an den Händen fassten, um die Damen so scherj Knieen entglitten und krachte dröhnend auf die zend im Tanze au tragen. Das nannte man „En-1 Genossin unserer Fahrt Die Bremsen knirschten, gerlhutschen". Anno 30 oder Sl hatte ich da ein-: Verkehrsstauungen bedrohten den gewundenen mal auf der Redoute im „Löwenbräu" ein Enger) 'Höhenpfad, Idolino aber. . zu hutsehen, das gut seine zwei Zentner wog. Und Hier versagt die Feder. Allein der falldämpdaa Goldkind wollte gehutscht sein,... unerbittlich fenden Leibesfülle meiner Nachbarin habe ich es Bis in don Frühling hinein trug ich einen Arm in; zu verdanken, dass ich Idolino* immerhin teilweis« der Schlinge und meditierte Uber das Rätsel Weib. j in dem Jerusalemer Kunstkabinett ablieferte. O Idolino, du warst das HuUchengerl meiner Jetzt steht er im Katalog unter Nummer XXII: Oberschenkel. Sie spielen heute noch in allen j Torso...... Farben. Gar prächtig färbtest du mich. Ich könnte von Chagall gemalt sein. Man hess mir die Wahl: entweder hatte ich Idolinon eine eigene Fahrkarte* zu lösen, oder er reiste auf meinen Knien. Ich entschied mich hierfür, erwägend, dass der Ephebe so oder so meiner schützenden Hand bedürfe. Eine dicke Dame neben mir, in deren starke Ausbuchtungen sich Idolinos Sockel schmerzhaft i bohrte, schimpfte über meine (! > Rücksichtslosigkeit. Ein gewesener Justizrat aus Beuthen, aber, der einen Klappsitz Inne hatte und von Idolino daher unbehelligt war, antwortet« forsch, Künstler wollten auch leben und die Dame möge ein Einsehen haben. Ich selbst konnte gar nichts sagen, da das lockige Hinterhaupt Idolinos mir so unbequem auf der Mundpartie lastete, dass man mich nicht verstand. „Schlucken Sie gefälligst erat Ihr Butterbrot hinunter, wenn Sie mit mir reden", zischt« die Dicke gereizt jj Ich versuchte — vergeblich — wehmütig zu lächeln. Von Butterbrot war ja nicht die Rede,) obwohl mir die Schwarte krachte vor Anstrengung, j Idolino verwehrte mir auch die bescheidenste manchem Palästinafahrer in lebendiger Erinnerung als Musterbeispiel dessen, was hellenistische Kultur und Kunst in römischer Zeit in der 0*thälfte Palästinas zu schaffen vermocht haben. Aber trotz langjähriger Grabungen hat sich bisher nicht eine Spur aus vorhellenistiacher Zeit gefunden, während doch alle Analogien als äusserst unwahrscheinlich erscheinen lassen, dass der Ort vorher ganz unbeaiedelt gewesen sei. Die Lösung dieses Rätsels ist nun im Juni des letzten Jahres Nelson Glueck gelungen, dem derzeitigen verdienten Leiter der „Vereinigung amerikanischer Schulen zur Erforschung des Orients" in Jerusalem. Auf einer mehrtägigen Fahrt schritt er die römische Mauer um die grossentells von einem Tscherkesaendorf bedeckte und darum wenig besuchte Oathälfte von Dscherasch ab und fand du unter vielen römischen Scherben eine, die alle Anzeichen der Bronzezeit trug. Dadurch stutzig gemacht sah er «ich weiter um und stiess etwa 300 Meter von der Nordosteoke der Mauer entfernt auf einen Hügel mit auffallend flacher Kuppe und sorgfältig terrassterten Hängen, wo sich denn auch weitere Scherben vom Ende der!1 frühen und dem Anfang der mittleren Bronzezeit,, d.h. vom 23.—90. Jahrhundert v. Chr. fanden. { Die Terrassen sind so solid angelegt, dass die Erde, allem Pflügen und allen Witterungsetnflüssejn der Jahrtausende tum Trotz, heute noch fest /haftet während die benachbarten Hänge längst k*ihl gewaschen sind. Oben auf der Kuppe lag, im Mauerzug noch deutlich erkennbar, die bronsezeitliche Stadt, der nach den Funden von Feuersteinwerkzeugen eine noch ältere prähistorische Siedlung vorangegangen sein muss. Die Mauern umschlossen neben den Häusern auch Ackerland. Manch« der zugehörigen Leute mögen auch in Zelten im nähern und weiten Umkreis gewohnt haben. Da nur der Anfang der mittleren Bronzezelt in den Scherbenfunden vertreten ist, muss die Stadt gegen 1W» v. Chr. von Feindeshand — darf man schon an die Hyksos denken? — zerstört worden «ein, und zwar so gründlich, dass sie bis ins 13. Jahrhundert verödet blieb. Dieselbe Lücke ist übrigens auch für die meisten untersuchten Sttttan von Moab und Edom festgestellt und muss darum in geschichtlichen Ereignissen, die ganz Transjordanien betrafen, begründet sein. Aber auch aus der ersten Eisenzeit von 1200 v. Ch. an (d. h. zur Zeit der ersten jüdischen Einwanderung.— A.d.„JWR") sind die Funde spärlich, die Siedlung also offenbar ohne grössere Bedeutung. Erst Nftw!?^ng^rtohne essen zu können - schlafe. |als j" hellenistischer Zeit die Bevölkerung stark zunahm und der Gesichtspunkt der militärischen Sicherheit zurücktreten konnte, atieg man von der Kuppe des Hügels an ihren Fuss herab und baute hier die Stadt, deren Trümmer heute noch den Beschauer entzücken. OHtaaiaUftche Kunst. Sonntag, 17. Mars. Äi Uhr nachm. wurde im Bezalel Museum die Aufstellung japaniacher und chineniacher Kunst von dem japanischen Konsul für Syrien und Palästina, Mr. Kodaki, eröffnet. Es ist die grösste Ausstellung dieser Art, die jemals im Nahen Osten gezeigt wurde, und findet in allen Kreisen grösste« Interesse.

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