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Jüdische Weltrundschau · 1940-03-18 · 11 (18.3.1940) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
11 (18.3.1940)
Date
1940-03-18
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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m Hirt im JÜDIHCHR WiaLT-RUNDÜCHAU Mt«B AUS DIR MUSTWA-ÜNROilK High Cornmlssionor Sir Harold M « c M i c h «• eI und Lady MacMlchael statteten Trattsjordanien einen Besuch ab, wo der HC. die neue Strasse Haifa-Bagdad inspizierte. Nach einer Mitteilung de» Londoner Korrespondenten dar Tel-Avivcr Zeitung „Haschaah"' .«sind demnächst Änderungen in der Zusammensetzung der Palästina-Exekutive der Jcwlsh Agrncy zu erwarten. Im Zusammenhang damit wird Mbsche Schertokf der gegenwärtig In London weilende politische Dezernent der Palästina-Exekutive, In Jerusalem zurückerwartet. Gerüchten zufolge handelt es «ich vor allem um B e n - G u r i o n, der im Zusammenhang mit der polltischen Lage zurücktreten will. . Mit Rücksicht auf die ausserordentlichen Zeltverhältnisse und die Lage der Juden im Ga~ luth hat der Waad Leuml angeordnet, das» in diesem Jnhre keine offiziellen Pur im v e r,a n- Stallungen stattfinden. Das Erziehungsbudget des WwmJ Letimi (Natlonnlrat der palästinensischen Juden) wurde für dieses Jahr auf LP.173.525 festgesetzt. Das Budget wird gedeckt teils durch Schulgelder, teils durch den auf die Juden entfallenden Anteil am Erziehungsbudget der Regierung, ferner durch Subventionen und Beiträge aus .Kidischen öffentlichen Mitteln. Zum Andenken an den verstorbenen S. A. van Vrlesland wird In der Jüdischen Kolonie H e r z Ii a ein Park angelegt, der den Namen Vriesland-Park tragen wird. Frau van Vriesland nahm vor Ihrer Abreise nach USA an der Einweihungs-Zeremonie teil. Anläasllch des 90. Geburtstages von Prof. Mas a r y k fanden in Palästina unter Führung des tschechischen Konsuls Dr. Kadlec in den grösseren Städten stark besuchte Feiern statt. Der Unterstaatssekretär des englischen Ernährung-Ministeriums, Mr. Lennox-Boyd, stattete Palästina einen kurzen Besuch ab. Südlich von Haifa wurde ein Bodenkomplex von 494 Dun am für drei Jahre zur ausschliesslichen Verfügung der Militärverwaltung gestellt. Wegen ErschUasung eines arabischen Polizisten in Nablus im November 1938 wurde vom MiUtäTffctirjht in Haifa ein Araber zum Tode und einer zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt. Die Allgemeine Arbeiterorganisation veranstaltet am 11. Adar II (2i. März) eine Frozession zum Grabe Trumpeldora in Tel Chai; (Obergalfläa) anlässlich des 30. Todestags. In dem Aaffir iMiiNt et, anjatiefrtft das Boden« I gesetzt wüssten wir heut« besonders Trumpeidorf j Verteidigung jüdischen Bodens zu schätzen. Die Probleme der Zitruswirtxrhaft bilden wei-! ter den Gegenstand eingehender Verhandlungen. Man hofft, dass die Regierung einen entscheidenden Schritt, tun wird, um die Orangenpflanrer durch eine Anleihe zu retten. Dieser Tage hnttfl etne Deputation der Jüdischen Pflanzer eine Besprechung mit dem Finanzexperten der Regierung Mr. Walsh. Auch mit Rutenberg fanden Verhandlungen Uber die Lage der Pflanzer und Uber die Arbcltsprobleme statt. Ein in Palästina in Ramat Gan bei Tel-Aviv lebender jüdischer ehemaliger Kapitän der engfischen Handelsmarine, wurde zum Inspektor der Hafenpolizei ernannt. Von 21..! bis 2.4. wird In 250 Schaufenstern in Palästina die Produktion der 100 T e x 111 f a - brlkcn des Landes gezeigt werden, Die Textilindustrie nimmt einen allmählichen Aufschwung, doch sind die Importe noch immer sehr gross. Im letzten Jahr mit 19% hoher als 19S§. Zwei Aftyptvr, die wegen Illegaler Einwanderung nach Palästina zu einem Monat Gefängnis verurteilt wurden, erklärten vor Gericht, dass sie den ganzen Weg von Ihren ägyptischen Dörfern Ms JerwKtlrm tu Fuss In 15 Tagen zurückgelegt haben (wozu die Kinder Israels In biblischen Zelten 40 Jahre brauchten». Bronlslav Hubermann Ist von Ägypten zu einem kurzen Erholungsaufenthalt nach Palästina zurückgekehrt. Er gibt hier noch 2 Konzerte In Kolonien, nämlich In Petach Tlkv« und NathiMia. Eine Handelsdelegation aus dem Irak bereist jetzt Syrien, Libanon und Palästina, um über engere Wirtschaftsbeziehungen zu verhandeln. Zum ersten Mal seit 1443 fand dieser Tage in Jerusalem eine Konferenz der Orthodoxen Patriarchen des Orients (Antiochia. Alexandria und Jerusalem) statt. Nach einer Mitteilung des Direktors dar Tnuvah Ist das Einfuhrverbot für Bananen, da» im September 1935 erlassen wurde, Jetzt aufgehoben worden. Die Bananenpflanzungen in Palästina haben sich aber in den letzten zwei Jahren verdoppelt und daher wird die Einführung eines Schutzzolles gefordert. In der letzten Zeit wurde Zuchtvieh aue Palästina nach Indien importiert, was «ich, wie gemeldet wird, gut bewährt hat Das Budget der Stadtgemeinde Petach Tlk-; w a h für das kommende Jahr beträgt LP. 31 §00- I NACHRICHTEN AUS ALLER WELT [ In London wurde in einer Versammlung i<i.T r.idfrnUon emi»:ri« rter Juden aus der T.wÄ*»- cho*j0vt»k*i Harb einem Referat des ehemaligen Gesandten Jan Masaryh beschlossen, einen Fond von 10.000 Pfund zwecks Unterstützung der Auswnndetung tschechoslovnkischer Jüdischer Flüchtlinge nach Palästina zu schaffen. Der Fond wird den Namen von Prof. Masnryk und Dr. Moses (inster tragen. Aus einer Synagoge in Damaskus wurde kürzlich eine wertvolle Bl b e 1 h n n d s c h r I f t gestohlen, die aus dem Jahr 11S3 stammen soll. Die Handschrift Ist 42 cm lanp, 3* cm breit und besteht aus 230 Selten, mit vielen Illustrationen tind Glossen. Wer von dem Verbleib der Handschrift etwas erfährt wird gebeten, die» dem Waad Leumi der Juden Palästinas, Jerusalem, mitzuteilen. Die Nazis haben den Palast oos berühmten polnischen Königs Ka % I m i r des Grossen, in der Nähe von Sosnovice, zerstört, und seine Schätze gestohlen und nach Deutschland gebracht. Als Vorwand wurde angegeben, daae dieses Gebäude einer Jüdin zur Wohnstatte gedient hat. nämlich der Königin Esther, Gattin Kazimirs. Ein Zeitbild. An der Ii t tauischen G reut« werden Jetzt häufig hilflos« jüdische Säuglinge und Kinder gefunden, die von den verzweifelten Müttern dort deponiert wurden, damit die Grenzwache sie findet. Ein Kind hatte schon einen Zettel angestückt, worin es hieas, das» der Vater ermordet und die Mutter völlig mittellos sei. Das Kind sollte einer jüdischen Wohltätlgkeltsanstalt in Litauen übergeben werden. Ab 30. April d.J. dürfen Juden im „Protektorat" Böhmen und Mähren sich mit Erzeugung oder Verkauf von Textilwaren, Schuhen oder Leder nicht befassen. Professor 8 u k e n i k hat soeben die Ausgrabungsarbelten am Tel Dscheriacheh am* Jarkon (nordöstlich Tel Aviv) wieder aufgenommen. Der Hügel, bekannt unter dem Namen „Napoleon-hüge!" (weil Napoleon in der Schlacht bei Jaffa 1799 dort gestanden haben soll) birgt Ober* reste einer Ansiedlung aus dem Jahre 1000 v. Chr., der aber schon Im 3. Jahrtausend v. Chr. eine Siedlung vorausging. Man vermutet, daae die vor 2 Jahren dort «in der Nähe der heutigen Elektrizitätswerks) ausgegrabene Festung in biblischer Zeit von den Israeliten besetzt war. Kleines Reiseabenteuer Von Schalom Ben-Chorin. Siebzig Recken, Israels Heldenwehr, umstanden das Bett des Königs Salomo. Aber wa» ist das gegen die Garde, die mein Lager in Tel-Aviv umstand? 1 Siebzig Recken — das Schwert gezückt gegen \ die Schrecken der Nacht, gewappnet umstanden; sie das ßett des goldenen Meleeh. Es muaa — j sehr ungemütlich gewesen sein. j Mein Lager aber (ich sage wohlweislich nicht Bett) wurde flankiert von Genien, welche die Palme des Sieges über mein schlummerndes Haupt \ hoben, von holdseligen Puttos, die mit Früchten-; kränzen spielten, von diskuswerfenden Jünglingen j und verschleierten Damen, deren holde Nacktheit; «ich mir unter feuchten Tüchern darbot.! Sie meinen ich träumte? Im Gegenteil — ich! erwachte. Mitten in der Nacht erwachte ich -■- Im \ Atelier der Bildhauerin T. C, hoch über denj Dächern Te!-Avivs. Blausilhern bestrahlte der Mond durch das un-j verhängte Atelierfenster die bunterlei Gestalten) aus Gips und Stein und Bronze ... die Heldenwehr 1 um mein Lager. Ich erschrak in der Tiefe meiner noch schlafj rigen Sinne. Pharao Ma ephta. dessen hochfahrendes Herz der Herr verstockt hatte, um sein; Gericht an ihm zu üben, lag (wundersam abge-j formt in Gips und pyramldengross) zu meinen j Füssen. { Der Schriftsteller K (über den ich eine seblechi te Kritik geschrieben halbe) drohte In patinierteni Ens zu mir herüber. Sein kühnes Indianeranciitz j ging zum Frontalangriff auf mich loa. (Später: stellte sich heraus, dass die drohend-lebendige; Büste gar nicht dem Schriftsteller K. gehörte, sondern den Musikkritiker F. darstellte, über den ich j - auf Ehre — noch nie ein böses Wort gesagt habe ... weil Ich ihn gar nicht kenne). Aber meine Heldenwehr schützte mich gegen die Schrecken der Nacht. Ich hob den nassen Schleier vom Angesicht der schlanken Venu«. Warum hast du geweint? flüsterte Ich verhebt wie Pygmalion. Aber kein Gott machte meine Schöne sprechen. So breitete ich das feuchte Tuch wieder über Ihre zarte Gestalt, sorgsam wie es die Künstlerin selbst getan hatte. Lange wandelte ich in dieser Naeht zwischen den Gestalten der Plastiker In einher und hielt Zwiegespräche mit der lächelnden Mutter aue rotem Ton, die dem munteren Baby die wohlgeformte Brust reicht, mit dem aufrecht schreitenden Arbeiter und dem fein gemelsselten Haupt des hebräischen Dichters E. Meine Glieder schmerzten ein wenig, denn das in der Elle improvisierte Lager hatte sich Hartn&rk'g gegen meine Korpe^fcrmen durchgesetzt. Wie Urvater Jakob zu Beth-EI auf einem Stein, hatte ich mein Haupt auf Springers Kunstgeschichte gebettet, die müden Glieder dehnten eich wohlig auf Erzeugnisse der hebräischen Tagespresse und die feinen Aquarellentwürfe der Künstlerin deckten, im Verein mit meinem Mantel, den Schläfer zu. Banausen bevorzugen Welleicht ein Zimmer im Hotel Käte Dan — mit allem Komfort. Aber wie ärmlich tat der Komfort der Luxushotels gemessen an meinem Tei-Avlver Quartler! Welches Etablissement bietet dem Gaste herrlich geformte Slegerjüngünge, bronzene Musik - Schriftsteller, weisse Skalvinnen im Trinenechteier und Pharaonen mit dem Sphinx-Blick? Was so'* da vergleichsweise ein weiches Daunenbett, fiiessendes Wasser und Zimmerteiephon? Wenn ich die Wahl habe, per Draht mit dem Zimmerkellner oder ohne Draht mit dem Beherrscher des blauen und des weissen Nile Konversation zu machen — ich entscheide mich Ohne Besinnen für seine Pharaonltät, den Bonnensohn Atons. — Als der Morgen mit dem Wellenrauschen vom Meere her zog, schimmerten die Leiber meiner Quartiersgäste rosenfai-ben und goldpurpurn auf. Ich steckte mir eine Zigarette an und winkte meinen neuen Bekannten zu. Nur beim Duschen war ich etwas geniert. Ich fand, dass ich, gemessen an den Epheben und Athleten, meinen Zimmernachbarn, schlecht abschnitt. Indes getröstete Ich mich meiner überlegenen Geisteskräfte. Die Herrfji der wundersam bevölkerten Wohnung wellte in Jerusalem, um eine Ausstellung ihrer Werke vorzubereiten. Ich habe Ihr versprochen, einen Terrakottajüngling, kauernd auf breitem Sockel mitzubringen. (O, hätte ich den Jüngling nur ohne Sockel bringen können meine Kniescheibe, links, wäre heut« noch so Jugendfrisch wie in meiner Studentenzeit. Es war Ihr nicht bestimmt). | Die Erzeugnisse neuhebräischer Journalistik, die mich Im Schlummer getragen hatten, versuchte ich mantclartig um die Blossen des Jünglings zu (schlagen, um ihn so - in Zeitungapapier verpackt; - - gen Jerusalem hinüberzufahren. En misalang- ' Der Sockel (warum, so frage Ich, hat Jede Bildsäule einen Sockel; ich fragt';: warum?!) serrlss! auch die faustdicksten Lügen der Pres**, j Gegen Mittag streckte ich die Waffen. Der rechte Zeigefinger des kauernden Epheben war meinen Packerkünsten zum Opfer gefallen. Ich trug ihn, eingeschlagen in Seidenpapier, in der Westentasche. Wie Samson zerriss der Jüngling 'alle Strickt?, mit denen ich ihn zu binden trachtete . so lud ich ihr. denn, In «einer Glieder unver* hüJlter Pracht auf meine Schulter und trabte zum Auto. Die Bewohner Tel-Aviv* alnd - hierin durch-; aus meditfcran - ein gesprächiges Völkchen, Man«

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