Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 11 (18.3.1940)
- Date
- 1940-03-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sttte 2 JODUCUB WBLt-llUlfDKBAU 18. Min 1MO BILANZ DER DEMONSTRATIONEN EEKLABUNO III UNTERHAUS Im englischen Unterbau« antwortete Kolonial minister Macüonald am vorigen Mittwoch «uf Anfragen bezüglich dar mit dem Bodeageaet* iu sammenhängenden Demonstrationen In Palästina. Er sagte, das* zwischen 2. und 7. Mars In Tel Aviv, Jerusalem, Half« und Petach Tikv* täglich Demonstrationen stattgefunden hätten, wobei Soldaten und Polizei mit Steinen beworfen, Barrl kaden errichtet und Regierungsgebäude bedroht wurden. Man musste die Demonstranten ser »treuen und dabei wurden mehrere Leute verletzt, u. ww.: 2 Soldaten wurden latent verletzt, 5 britische und 1 palästinensischer Polizist wurden achwer, 18 britieche und 1 paläat PoMse/at leicht verletzt. 7« Juden wurden achwer verletzt, von denen 2 apäter geitorben sind, 323 wurden leicht verleUt und 140 verhaftet Fünf Mitglieder der Arbeiterpartei aetan wagen Verlatzung der Kriegsgesetze tu 8 Monaten Halt verurteilt worden. Der Abg. Williame frafft« dann weiter über daa Verbot der Zeitungen „Dawar", „Haares" und „Hazofeh" wegen daa Abdrucke der ijroteeterklärung dea Waad Leumi, worauf der M: nister antwortete, die Druckerlaubnie für dies« Zeitungen aei vorübergehend zurückgezogen wor den, weil aie eine von der Zensur verbotene Erklärung am 2. März veröffentlicht haben. Die neue länwa^enut^-Selwdaat Auf eine Antrage von Sir Alfred Knoa besüglieh der Einwandererquote für daa nächste Halbjahr, aagt« Macdonald, er atehe noch in Beratung mit dem High Commieaioner und könne keine exakten Angaben machen; aber natürlich würde die Bestimmung dea Weiaabuche über die Anrechnung der illegalen Immigranten, die nicht deportiert werden können, angewandt werden. In einer l „40.000 Ulega _ nie verbliebenen Touristen". (Im Weiaabuch von Mai 1939 war vorgeaeiien, daa» für 5 Jahre eine Jahreaquote von je 10.000 Immigranten bewilligt wird, zuzüglich einer außerordentlichen Quote von 25.000 tür Flüchtlinge. Illegale Immigranten aollen von der Jahreaquote abgezogen werden. — A.d.R.) Die jüdischen Schulen in Deutschland Nicht da Bog« Von KM EBER STBINMANN Im Tel-Aviver „Omer" erörtert der hebräl- «che Schriftsteller Elieser Steinmann ausgehend von einer Analyae daa jetzt populär gewordenen hebräischen Wortea 1JM J (Oiar, hebr. Übersetzung dea englischen „Curfew" ~ Auegeh verbot), die jüdiache Reaktion auf die politiachen Kreignlase der letzten Woche und die Beziehun gen zu unaerer Umwelt Er achrelbt u.a.: Ein Unrecht bekämpft man durch die Forderung nach Menschlichkeit, Recht und Gerechtig keit, aber nicht durch Auabrüche, die una Jfen. nchenUbtn, und beaondera daa Laban einea jungen Menachen kosten. Unersetslich Jat für una Leben einea jungen Menachen, der auf Boden gefallen iat, unzeren Himmel nicht mehr schauen, unsere heilige Schriften nicht mehr lesen und unseren grossen Kampf um alle Heiligtümer der Menschheit nicht mehr mit una kämpfen wird, — dieaen Kampf um unser Labensreeht, unser Recht auf Boden, unaer Recht zu atmen. Wir haben immer gesagt: jeder Einzelne gilt soviel wie die ganze Welt, und unaer oberstes Gesetz muaa das GeeeU dea Lebens aein. Ich predige kein Zurückweichen und kein Unterwerfen. Seine Gefühle im Zaum halten, heiast nicht, sie zum Schweigen bringen. Es gibt viele Mittel dea Kampfea, die Vernichtung von Leben iat das allerletzte. Durch allerlei Kanäle können wir der Welt unsere Gefühle und unaere Erregung mitteilen, aber unsere Demonstratiön und Ausbrüche müssen ihre Grense haben und dürfen nicht in unseren Reihen Sturme hervorrufen, Uber die wir schliesslich aeibat nicht mehr Herr aind . Loageia—ene Mause* sind «ine furchtbare Macht, und aeibat der Ruhigste sinkt zur Masse herab, wenn er in solch einen Sturm hineingerät. Auch in diesen unruhigen Zeiten darf man nicht vergessen, dass der Gegner gegen den wir demonstrieren, heute die einzige Macht Ist, die Überhaupt noch ein gewisses Maas von Man ach lieh kalt im allgemeinen und uns gegenüber walten läset Andere schlagen su und man darf noch nicht einmal aufaohralen. Unter darf man wanigatans noch gigen ^5Te jüdische Schul« hat In Deutschland erhöhte Bedeutung erlangt, seitdem durah einen Krlaaa daa ReicheerziohMngsminUtsrs vom 15. November ittt daa jüdiacken attaeter» gar Seauch deutscher Schulen nicht tnehr gestattet tat. Von diesem Tage ab muaate die jüdische Schul« allen Zwecken gerecht werden. Sie muaate vor allem sich auf die Vorbereitung sur Auswanderung der Kinder umstellen. Dies wurde durch eine Verordnung erleichtert, wonach auch in dem Lehrplan der Volksschule der Unterricht In den fremden Sprachen aufgenommen werden durfte. In einem Artikel, den Frau Paula Fürst, langjährige Leiterin der Theodor Heral-Schule am Kaiserdamm ia Berlin und ein« der führenden Persönlichkeiten daa jüdischen Schulweaene in Deutschland vor einiger Zeit veröffentlicht hatte, weiat aie darauf hin, dass es nach den Feststellungen der letzten statistischen Erhebung ca. 9.000 jüdische Kinder ttn achulpfüchtigen Alter gibt, die aich auf ca. 12» Volksschulen, eine Mittelschule und 6 höhere Schulen verteilen. Die Reichsvereinigung der Juden in Deutachiand ist durch die Verordnung vom 4. Juli IM» jetzt der alleinige Träger dea Jüdischen Schulwesen» in Deutachland geworden. Die Schulen in den grösseren Gemeinden sind voll ausgebaute 8-klassige Schulen, In den mittleren und kleinen Gemeinden sind die Schulkinder, je nach ihrer Anzahl, in eine oder mehrere Klassen zusammengefaßt. Darunter gibt es eine beträchtliche Anzahl von kleinsten Schulen mit weniger ala 10 Kindern. Unter den 1*9 Volksschulen befinden sich eine Gehörlosen-Schuie, eine Hilfaachulklaasa in Berlin und eine Schule für achwachainnige Kinder im jüdischen Erziehungsheim in Beelitz i.d.M. In ihrem Bericht erklärt Frau Fürst: „Daa Beatreben geht dahin, nach Möglichkeit kleine Schulen aufsulöaen und die Kinder in den Schulen der Mittel- und Groaegeraelnden su konzentrieren... Ea aind durchaua nicht in erater Linie wirtschaftliche Gründe, die dafür eprechen, sondern soziale und pädagogische Erwägungen". Im „Jüdischen Nachrichtenblatt" Berlin, war kürzlich ein Verzeichnis aller jüdischen Schulen in Deutschland veröffentlicht, daa wir nachatehend wiedergeben: freuten: Berlin: 1 Oberschule, 1 Mittelschule, 7 Volksschulen, 1 Hilfsschule, 1 Gehörlosenschule, 2 Sprachschulen, l Musikschule, mit insgesamt 2007 Kindern. Provinz Brandenburg: Jüdische Volksschule beim Jüdischen Erziehungsheim für achwachainnige Kinder in Beelitz Mark, 47 Kinder, Frankfurt a.O. 8 Kinder, Schneidemuhl: 30 Kinder, Guben: 4 Kinder. Pommern. Stettin. 100 Kinder, Stolp l.Pom. 20 Kinder. Oatpreussen: Allenstein: 17 Kinder, Instarburg: * Kinder. Königsberg: 02 Kinder Tilsit: 40 Kinder. Schienen: Beuthan: »5 Kinder, Breslau: 1 Höhere Schule und 1 Volksschule mit 679 Kindarn, Gleiwiu: 56 Kinder, Glogau: 7 Kinder, Hindenburg: 44 Kinder, Liegnitz g Kinder, Oppeln: 28 Kinder, Ratibor: 24 Kinder. Sachsen: Erfurt: 21 Kinder, Halberstadt: 13 Kinder. Halle aÄ: 27 Kinder, Magdsburg: 34 Kinder. Hannover: Ahlten, Post Hannover-Limmer: 126 Kinder, Aurich: 17 Kinder, Norden: ca. 10 Kinder Enden: 20 Kinder, Hannover: 85 Kinder, Hlldeaheira: 10 Kinder, Lear; 22 Kinder, Sögel: 11 Kinder, Göttingen: Kinder. Westfalen: Bielefeld: 17 Kinder, Bochum. 27 Kinder, Burgsteinfurt. 14 Kinder, Dortmund; 57 Kinder, Gelsenkirchen: 81 Kinder, Hagen: 17 Kinder, Hamm: lt Kinder, Herford: 10 Kinder, Laasphe: 14 Kinder, Minden: 20 Kinder, Münater: 31 Kinder, Paderborn: 75 Kinder, Heckinghausen: ll Kinder, Schmallenberg: 10 Kinder. Bchl«awig-Holt,tcin: Lübeck; 8 Kinder. Rhmnpruvtn* Aachen: bl Kinder, Bonn; 32 Kinder, Duisburg: 44 Kinder. Düren: 27 Kinder, Düaaeidorf: 86 Kinder, Essen: 80 Kinder Kail (fcifei): 17 Kinder, Koblenz' ca. 40 Kinder (ab 1. Des.;, Köln: l Oberschule und 1 Volksschule mit 480 Kindern, Krefeld: 80 Kinder, Linnich: 8 Kinder, M.-Gladbach: 30 Kinder, Neuwied: 29 Kinder, Oberhausen: 11 Kinder, Rheydt; 13 Kinder, Siegburg: 20 Kinder, Trier: 57 Kinder, Wuppertal-Elberfeld: 41 Kinder. Hesaen-Naaaau: Eechwegc 17 Kinder, Frankfurt iM. 1 Oberschule und 1 Volksschule mit Ui7 Kindern. („Wie una nachträglich mitgeteilt wird, werden In Frankfurt n.M. die jüdische Oberschule und die zwei jüdischen Volksschulen von insgesamt 836 Kindern beaucht."... Nachtr. dea „Jüd.Nachrichtenbl." Nr. 102 v. 22. Des. 38). Hanau: 8 Kinder, Langenselbold: 14 Kinder, Fulda: 20 Kinder, Kassel. 120 Kinder, Korbach: 7 Kinder, Marburg a.d.Lahn: 8 Kinder, Wiesbaden. 53 Kinder, Witzenhaueen; 10 Kinder. Bayern und Pfalz: Aschaffenburg: 25 Kinder, Augsburg; 20 Kinder, Bad Neuatadt: (Saale; 15 Kinder, Bamberg: 25 Kinder, Fürth i.B. 1 Hemsen ule und 1 Volksschule mit 83 Kindern, Gaukönigshofen: 8 Kinder, Ichenhaueen: 20 Kinder, Kataeraiautern: 13 Kinder, Kitzigen: 18 Kinder, München 214 Kinder, Nürnberg: 180 Kinder, Regensburg: 21 Kinder, Sciiwetnfurt: 8 Kinder, Speyer: 10 Kinder, Theilheim bei Schweinfurt: 5 Kinder, Würzburg: 82 Kinder. Württemberg: Heilbronn a.N.: 14 Kinder, Mergentheim (Bad); 9 Kinder, Niederstetten: 6 Kinder, Rexingen: 8 Kinder, Stuttgart: 77 Kinder, Ulm a.D.: 9 Kinder. Baden: Freiburg: 15 Kinder. Heidelberg; 38 Kinder, Karlsruhe: 100 Kinder Mannhelm: 218 Kinder. Land Heaaen: Bingen: 18 Kinder, Darmstadt: 69 Kinder, Glessen: ca. 20 Kinder (ab 1. Das.), Mains: 61 Kinder, Offenbach; a.M : so Kinder, Wörme; 22 Kinder. Saargebiet: Sötern: 12 Kinder (ab 1. Das.) Land Sachsen: Chemnitz: 34 Kinder, Dresden: 75 Kinder, Leipzig: 245 Kinder, Plauen i.Vogtl. 6 Kinder. Thüringen Eisenach: 11 Kinder, Meinigen: 16 Kinder. Anhalt Deaaau: 15 Kinder. Hohem ollem: Haigeraloch: 7 Kinder. Lippe: Detmold: 15 Kinder. Land Oldenburg; 12 Kinder. Hansasi&dte: Bremen: 23 Kinder, Hamburg: 1 Oberrealechule und 1 Volksschule mit 468 Kindern. Unrecht protestieren. Wir unseres Proteetee glätten und dürfen nicht in jedem Beamten, dessen Amt ea ist, die Geaaiae dieses Staates su wahren, unseren persönlichen Feind sehen. Kr erfüllt nur seine Pfhcat Wir vermeiden, daaa die menachhctien Beziehungen swischen ihnen und una unterbrochen werden und er unaer peraö&Mchar Gegner wird. Wann wir jedem Niehtjuden von vorn bor ein mit Hasagefühlen gege« übertreten, inachen wir ihn zum Werksaug unserer Itlnde Salt Oseotilechtarn machen wir dem Fsaler. ia Jedem „Goj" einen Boas wicht su sehen, und auch ia dar lotsten Woche hat aich dieae Auffaaaung überall gezeigt. Man hat direkt mit einem gewissen Vergnügen, mit einer gewissen Befriedigung konstatiert, dass dieser oder jener „Goj*4 una haaat, una vernichten wiU. während er in Wirklichkeit nur ein einfacher Soldat tat. dar nichts weiter tut Dar Drang, allem Fremden Wogau; lauten Tage mögen darin ihre Ursache haben. Wenn wir unsere Leidensgeschichte betrachten, sehen wir, dass unser unglückliches Volk einen Hauptfehler hat: Wir lieben es zu übertreiben. Bei allen unseren grösstenteils berechtigten Auseinandersetzungen mit den Völkern haben wir nur allzu oft den Bogen Uberspannt, den Streit unnötig verschärft. Auch wenn man daa Recht auf seiner Seite hat, inuse man für den Gagner, aeibat wenn er im Unrecht iat, Verständnis aufzubringen. Ohne Kompromisse von beiden Seiten kann die Menschheit nicht bestehen. bei entwickelt, und viele In Südamerika sind Bestrebungen im Gange, •Ina Organisation der Juden Südamerikas zu schaffen. Ais gemeinsame Aufgaben werden beaetchnet: Kampf gegen den Antieeimtiamus und dl« Raaaenthaorte, Schaffung jüdischer Schulen und Studium dar Möglichkeiten für jüdische An- Judas. Ea wurde ein „Tag dar südsur Propagierung