Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 9 (4.3.1940)
- Date
- 1940-03-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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4. mn 1H0 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU 8tlt«5 Die Woche in Palästina \**T*VmQm??mä IRREOTE TAOE Jerusalem, 1. März. Alle Erefgnissc sind überschattet durch die Publikation des BodengeHetzcs, das von tief einschneidender Wirkung für die jüdische Position im Lande und für alle künftige Arbelt Ist. Die Kunde von dem bevorstehenden Gesetz erfüllte bereits die Ranzen letzten Tage die Jüdische Bevölkerung mit einer nervösen Spannung. Die Erregung erreichte ihren Gipfei am Mittwoch abend, als das Gesetz im Rundfunk bekannt gegeben und im vollen Text den Zeitungen zugestellt wurde, nachdem kurz zuvor noch ein Gerücht verbreitet war, wonach die Publikation aufgeschoben sei. Noch am Abend wurden Flugzettel mit dem Protest des Waad Leumi verteilt Am Donnerstag erschienen die hebräischen Zeitungen mit Trauerrand. Sie brachten den Protestbrief der Jewish Agency und die Resolution des Waad Leumi, sowie die Ankündigung von Trauergottesdiensten, die vom Oberrabbinat angeordnet wurden. Redaktionell nimmt zu dem Gesetz vorlaufig nur die „Palestlne Post" Stellung. Das Gesetz verändert mit einem Schlage das ganze Arbeitsprogramm der jüdischen Institutionen, das stets die Landansledlung als zentralen Punkt angesehen hat, auch unter dem Gesichtspunkt der beruflichen (und dem gemäss seelischen) Umschichtung. Im Moment Ist noch nicht abzusehen, welche Folgen diese Wendung auf den ganzen Zuschnitt der Sicdlungsarbelt haben wird. \Zunächst darf aber nicht vergessen werden, das» [noch grosse Bodenflächen in jüdischem Besitz der Besiedlung harren, sodass in der nächsten Zelt die Arbeit fortgesetzt werden kann (und m u s s), bis die andern Fragen geklärt sind. Der Jlschuw wird von seiner ruhigen Aufbau- Arbeit ebensowenig lassen wie von seiner Entschlossenheit, im jetzigen Krieg alles zum Sieg der Demokratien und Niederlage Hitlers beizutragen. Das wichtigste Ist eine besonnene und entschlossene Haltung des Jlschuw, der jetzt seine inneren Angelegenheiten beschleunigt regeln sollte. Gerade vor dem Bekanntwerden des Bodengesetzes war eine Sitzung des Waad Leumi vor allem zur Behandlung der Arbeitsfragen einberufen worden, die aber nun wieder abgesagt worden Ist Zur Einweihung rtn*t nmrn B**th*u*c* rung finden, bcaionders natürlich der Kinder i In feierlicher Form wurde am vergan- Die palästinensischen Zeitungen brachten ein« •. K<?*>en Freitag der neue Betraum der Synagogenganze Reihe von Scherzen und Episoden dieser! gomelnde ..Emeth we'emtinah" in Jerusalem Art, t B. wie ein australischer Soldat in einem! •'InKowoiht. Die Frier verdient eine Würdigung, meist von orientalischen Juden bewohnten Vier-: ^«n kleinem Kreise geschah hier etwa», was tcl Jerusalems Jemenitische Kinder zu einer ml-! Geltung ha: für die ganze gnuwe Gemeinschaft lltärbichen Formation vereinigte und so mit Ihnen i vertriebener Juden aus Deutschland* die im vollen durch die Strassen marschierte, wobei sich na-! ErlebnJ» ihres Schickeais in d eeer Zeit sich wietürlich immer neue Kinder anschlössen. Oft i zum, Gottesdienst versammeln In diesem kauften die Soldaten Schokolade und ähnliche! Falle gar auf dem Boden der Heiligen Stadv. Dinge, die sie an die Kinder verteilten. Der Bc- \ ^cr neue Raum der Synagoge, gelegen Im Erdsuch der 1000 australischen Soldaten in Jertis«- 1 KCMhou den neuen Gebäude.-? von ..Gan Rechavl*" lern und Tel-Aviv war eine nicht unerhebliche; < bei Bozalel), war bis auf das letzte Plätzchen Belebung des Geschäftes in diesen Städten. Die ' Kefüik Nach dem Abendgottesdienst sprach Rab- Soldaten machten viele Einkäufe und Hessen sich! biner Dr. W 11 h o 1 m zunächst den 30. Psalm auch dt« erlesenen Fabrikate des Jerusalemer i (-2ur Einweihung des Hauses") und hielt darauf und Tel-Aviver Konditorei- und Restnurant-! F«*»tpredlgt. die dem Andenken Rasehls ansewerbes gut schmecken Vielleicht im Zusammenhang mit diesem Be ] IftsaUch der 900 Wiederkehr «eines Geburtstages j gewidmet v/ar. Nach einer umfassenden WUrdl* such der Soldaten, aber auch aiis anderen Grün- I K"«« Persönlichkeit wies Dr. Wilhelm auch den, die zum Teil mit den Kriegsverhältnissen zusammenhangen, scheint In den letzten Tagen die Beurteilung der wirtschaftlichen I>ige Im Publikum optimistischer geworden zu sein. Nach den ersten LÄhmung*er<4chelnungcn darauf hin, dass Raschi den .Brauch" (Mlnhag) sehr hochgehalten hatte. Aus dieser Ehrfurcht vor dorn gemeinsamen Brauch ivic wir slo auch in den Schriften von Franz Rosenzweig finden - •sei das Be.itreben entstanden, in der Gemeinde die sich zu Kriegsbeginn unvermeidlich einstcl- ...Emcth we'emunah" den Brauch der nun zerstör len mussten, mer''t man die wfedererwachende TT n t er n e h m u n g s 1 u s t. Es <jlbt eine ganze Reihe von Planen für Industrielle und gewerb liehe Unternehmungen, die zum grossen Teil auf ten deutschen Judengemeinden fortzuführen. Nach Wilhelm sprach Rabbiner Dr Elk, der die Grüsse der Schwestergomcindcn in Tel-Aviv d Haifa überbrachte In diesem Gottesdienst. der Tatsache beruhen, dass Warengattnngen die ' führte er aus, fühlen wir uns mit allen früher aus Mitteleuropa importiert wurden in l gangenen Geschlechtern und mit denen, die noch den kriegführenden Ländern jetzt nicht mehr'an-I n,cht geboren sind, vereinigt. Indem wir die men und daher durch andere Bezugsquellen! Sabbath-Hymnen des Rabbi Safomo Aikabez zuersetzt werden müssen, wozu noch die allgemel- ' sammen anstimmen, ist es uns, als wären wir nen Schwierigkeiten des Schiffstransportes hinzutreten, die der lokalen Industrie eine gewisse Chance geben. Auch unter den neuen Einwanderern befinden sich eine Reihe von Fachleuten auf verschiedenen Gebieten der Fabrikation die in Betätigungsfeld finden krtnnen. Die Rolle Pn1H«Hna« als FtapnenstAtion für zahlreiche Truppen wirkt «ich natürlich auch in öffentUchrn Arbeiten aller Art aus, wodurch die Arbeitslosig- Ibst jene Kabballsten, die in Safed im 16. Jahrhundert der Sabbathbraut auf die Folder entgegengingen; wir sind eins mit der Generation, die in Prag die A'ltneuschul baute, unter dor Bedingung (tial tnal"), die Steine einst heimzuführen nach Erez Israel; wir sind es selbst, die in den zerstörten Synagogen Deutschlands den Sabbath begrüAsen: die Schranken der Generationen und Jahrhunderte sind gefallen, wir fühlen un», keit erleichtert wird und Geld unter die Leute lindem wir unaern Gebeten diese neu« Stätte hier Der Kampf um die ArbettabUro« In der Frage der Arbeitsämter, die nun i^iriTÄ V! d6ru 4^e9ordnunK *>!den teta^n VJahren Waad Leumi steht, ist auch In der vergangenen Woche noch keine Einigung erzielt worden. Wie wir schon berichteten, hat im Prinzip die Histadru-th der Schaffung gemeinsamer Arbeitsämter zugestimmt, der Konflikt besteht Jetzt noch in dem wichtigen Punkt, wer die Leiter der Arbeitsämter einsetzen soll: Die Hlstadruth verlangt, daas diese Leiter von den örtlichen Arbeiterriten gewählt werden, während die Arbeitgeberverbande fordern, dass der Wood Leumi, dem die gesamte Organisation der Arbeitsvermittlung unterstellt wird, diese Leiter ernennt. Der „Davwr" wendet eich in einem Leitartikel gegen die Arbeitgeber und besonders gegen den Bauernverband, Indem er darauf hinweist, does dieser es auch nicht mit seiner Forderung der nationalen Autorität In dieser Angelegenheit ernst nähme, denn faktisch hat der Bauernverband sieh weder der nationalen Autorität des Wood Leumi bei dessen Schiedsspruch bezüglich der Arbeitslöhne!n den Pflanzungen noch der Arbeitsabteilung der Jewish Agency bei deren Schiedsspruch bezüglich der Packarbelt gefügt „Ausstes" kurbeln an In der letzten Woche ist die Gestalt des australischen Soldaten in Palästina überaus populär geworden. Die Soldaten haben In grösseren Gruppen Jerusalem und Tel-Aviv besucht und schnell mit der Bevölkerung Freundschaft geschlossen Überall fanden sie besonder» sympathische Aufnahme. In manchen Teilen der Stadt bildeten sieh Menschengruppen, die die Soldaten lebhaft begrüssten. Die Soldaten brachten eine neue Note In das Stadtbild. Es sind hochgewachsene, junge Menschen von sehr fröhlicher und sympathischer Natur, die tu oller Art harmlosem Ulk gelaunt sind und vielfach die begeisterte Mitwirkung der Bevölkekommt. Natürlich sind wir noch weit entfernt von einer Behebung aller Schwierigkeiten, aber eine Erleichterung Ist nicht zu verkennen. WrRTSCHAFTSNACHRICHTEN Das Informationsbüro der Jewish Agency teilt mit, dass aus dem Fonds zur Sanierung der Ind u st r i e, der von der Agency gemeinsam mit der Anglo Palestlne Bank gegründet wurde, in Darlehen von Insgesamt LP.90.000«n 63 untcrstützuncrsbedürftlpre Unternehmungen gesehen worden sind. Das erste Risiko tragen dabei die nationalen Fonds. In der Hnifn B<jv wurde eine Fischkonservenfabrik rre^rünffet, die bereits bis zur vollen Knnnzitrif R-beltef und infolge der grossen Nachfrafe ihre Produktion demnächst erweitern W*r'}. Eine Brunne von Juden aui Rumänien »*nd Tschecho«lo'.va!'el besrhäftf-rt sich reit der Gründung ein«r Fabrik für H a rinn In Tel-Aviv, die Endo Mer- Ihre Produktion aufnehmen wird- Es Ist c'i" erst" Industrie dieser Art in» ganzen Nahen 0«ten. Im .Innre 1Ö?8 wurde von dieser Ware allein In PatäsHna 1*125 to eingeführt, davon 700 ans Deut «eh?"nd <efn^ehliensHeh Österreich}"" und 419 aus Finnland Die vor e'nigen Wochen gegründete Alkoholfabrik in Tel Mond, die Alkohol aus Zitrusfrüchten herstellt, arbeitet bereits 24-stündig in drei Schichten. Nach einer neuen Verordnung, die im palästinensischen Amtsblatt erschien, ist es palästinensischen Einwohnern, die eine feindliche Sttmtmbürgerschaft besitzen, gestattet. W ertpaplere. die von einer brltisch-retriAtrlerten Gesellschaft emittier sind zu erwerben. Ei handelt sich hier um ein Privileg für Palästinenser, da nach einer früheren Verordnung die Zuteilung solcher Wertpapiere an feindliche Untertanen verboten war bereiten, eins mit Vätern und Söhnen AUS DER CHRONIK Der neue Oberbefehlshaber der britischen Truppen in Palästina und Transjordaulen, Generalieutnant G i f f a r d, der anstelle dos zurücktretenden Generals Barker tritt, ist in Jerusalem eingetroffen. Vergangene Woche ist die erste palästinensische Kompagnie des militärischen Hilfs« cor ps aus Palästina nach Frankreich abgegangen. Die Abteilung bestand zu 70% aus Juden und zu 30% aus Arabern und steht unter dem Kommando eines britischen Offiziers, dem mehrere britische und jüdische Offiziere unterstehen.' Der Führer der Pflanzer, Masche S m i l a n sk y, ist im Auftrag des Keren Kajemeth nach Amerika abgereist. Die medizinische Organisation der Hadassah in Palästina teilte dieser Tage mit. dose mit Rücksicht auf die eventuellen KrlegabedUrf-! nlsse und mit Rücksicht auf die Ankunft der zahlreichen Flüchtlinge in Palästina die Einrichtungen der Hadaaaah eruxtitert werden sollen. Insbesondere soll auch der KJnderfürsorge mehr Aufmerksamkeit zugewandt werden und in den ländlichen Siedlungen sollen mehrere neue medizinische Stationen errichtet werden. Eine eigenartige Szene ereignete sich dieser Tage in Tel-Aviv, als mehrere australische Soldaten auf der' Strasse zwei Mitglieder der Fusaballmannsehaft des Makkabi, die Im vorigen Sommer in Australien Wettspiele abgehalten hatten, erkannten. Die betreffenden Australier wurden daraufhin zum Besuch des Makk&bl-Hau- Nes eingeladen Nach einer Veröffentlichung de» Kibbm Meucha d (einheitlich organisierter Verband;ja!ä.stinen.Hlßcher Arbeiter auf kollektivistischer Grundlage) gehören dem Verband gegenwärtig 12.618 Personen an, davon ».Ö50 Arbeitende, 2.200 Kinder, 4fl* Eltern. 7.1500 Personen leben In Sied« Umgvn, von denen jede einzelne mehr als 400 H illen zählt. Der grosste Kibbuz Ist Jagur mit 1167 Seelen, zugleich überhaupt die grauste ländliche Arbeitersiedlung des Landes. Ongefähr vm Jugendliche machen im Kibbuz ihre Machscharah durch. Unter den Neugründungen ist vor allem ein neuer Siedlungspunkt am Nordr:wde des Toten Meere«, wo eiiw Jug<;ndgruppe ich niedergelassen hat. 1024 Personen haben den Kibbuz verlassen, davon war die Hälfte noch nicht el:s Mitglieder aufgenommen. - Dem Kibbuz Meuchad gehören sehr vic-le Einwanderer aus Deutschland (bes, ehemalig© Mitglieder des Hechaluz) an.